„Gott mit uns“

Eine Betrachtung des seligen Kardinals J. H. Newman


Der heilige Johannes der Täufer war von der Welt getrennt; er war ein Nasiräer. Er zog sich von ihr zurück, wandte sich gegen sie, sprach zu ihr aus seiner Überlegenheit und rief sie zur Buße. Ganz Jerusalem ging zu ihm hinaus in die Wüste; er trat ihm Aug in Aug entgegen. In seiner Pre-digt aber sprach er von Einem, der zu den Menschen kommen und in ganz anderer Weise zu ihnen sprechen werde. Er werde sich nicht von ihnen trennen und als ein höheres Wesen zur Schau stellen, sondern ihr Bruder sein, Fleisch von ihrem Fleisch, einer unter vielen Brüdern, der aus ihrer Mitte kommt und zu ihnen gehört. Ja, er war schon unter ihnen. „In eurer Mitte steht er, den ihr nicht kennt.“ Dieser Größere nannte sich selbst den Menschensohn – er war zufrieden, in allem wie ein Mensch befunden zu werden, obwohl er der Allerhöchste war. Der heilige Johannes und die anderen Evangelisten, deren Berichte über ihn ihrem Charakter nach sonst so verschieden sind, stimmen darin auffallend überein. Der Täufer sagt: „In eurer Mitte steht er, den ihr nicht kennt.“ Weiter lesen wir, daß er aus-drücklich auf Jesus hinwies, nicht vor der Menge, sondern vor einem oder zweien seiner Jünger, die sich dann aufmachen, Jesus zu suchen, und die Erlaubnis erhalten, ihm nach Hause zu folgen. Allmählich fängt Jesus an, sich zu erkennen zu geben und seine Herrlichkeit in Wundern zu offenba-ren. Aber wo? Bei einer Hochzeit, wo es nicht selten zu Ausschweifungen kam, wie der Speisemeister andeutet. Und wie? Indem er den Wein ver-mehrt, das Mittel solcher Ausschwei-fungen. Er nahm an dieser Hochzeit nicht als Lehrer teil, sondern als Gast und sozusagen aus gesellschaftlichen Rücksichten, denn er war in Begleitung seiner Mutter. Man vergleiche das mit dem, was er im Matthäusevangelium von sich selbst sagt: „Johannes kam und aß und trank nicht – der Menschensohn kam und aß und trank, und sie sagten: Siehe, dieser Schlemmer und Weinsäufer!“ Johannes mochte gehaßt sein, aber er war geachtet. Jesus war verachtet. Siehe auch Markus 1, 22 u. 27 und 37 sowie 3, 21, wo alle sich über ihn wundern und aufregen. Der Einwand kommt noch einmal vor, 2, 16. Es muß ein bezeichnender Zug im Charakter und in der Sendung unseres Herrn gewesen sein, da ihn zwei Evangelisten so unabhängig in ihren Erzählungen erwähnen. Der Prophet hatte dasselbe gesagt (Jes. 53).

Dies alles geschah, o geliebtester Herr und Heiland, weil du die menschliche Natur, die Du ins Dasein gerufen, so sehr geliebt hast. Du hast uns nicht allein geliebt als deine Geschöpfe, als das Werk Deiner Hand, sondern als Menschen. Du liebst alle, denn alle hast Du erschaffen, den Menschen aber liebst Du über alles. Wie ist das möglich, o Herr? Was hat der Mensch voraus vor anderen? „Quid est homo, quod memor es eius?“ Doch „nusquam angelos apprehendit“ – „Was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkst?“. . . „nie nahm er Engelsgestalt an“. Wer kann die Tiefe deiner Ratschlüsse und Pläne ergründen? Du hast die Menschen mehr geliebt als die Engel; darum hast Du nicht Engelsgestalt angenommen, als du Dich zu unserer Erlösung offenbartest; Du hast auch verschmäht, eine Gestalt, eine Lebensweise oder einen Beruf zu wählen, der über dem gewöhnlichen menschlichen Dasein lag – Du woll-test weder als Nasiräer noch als levitischer Priester, als Mönch oder Einsiedler zu uns kommen, sondern in der Fülle und im wahren Sinn der Menschennatur, die Du so sehr ge-liebt hast. Du bist nicht bloß als voll-kommener, sondern als eigentlicher Mensch gekommen, nicht mit einem neu aus Erde geformten und nicht mit dem vergeistigten Leib, den du jetzt hast, sondern in demselben wahren Fleisch, das in Adam gefallen ist, mit all unserer Gebrechlichkeit, unseren Gefühlen und Neigungen, die Sünde allein ausgenommen.

O Jesus, großer Gott, es geziemt Dir, das Dir vom Vater übertragene Werk in solch überfließendem Maße und in solcher Vollkommenheit auszuführen. Du hast es nicht halb vollbracht. Die Größe und Herrlichkeit des Opfers gereicht Dir als Gott zur Verherrlichung und uns Sündern zum Trost und zur Hilfe. O liebster Herr, Du bist in vollkommenerem Sinne Mensch als der Täufer, als Johannes, der Apostel und Evangelist, als Deine liebe Mutter. Wie Du an göttlichem Wissen über mich sie alle übertriffst, so auch an Erfahrung und persönli-cher Kenntnis meiner Natur. Du bist mein älterer Bruder. Was sollte ich fürchten, warum sollte ich nicht mein Herz Dir hingeben, der Du so mild und liebevoll, so vertraut, anspruchs-los und bescheiden und so über alles natürlich und demütig bist! Du bist jetzt im Himmel noch derselbe wie einst auf Erden: der allmächtige Gott und doch das kleine Kind – der All-heilige und doch ein fühlender, ein ganzer Mensch.

Aus dem Englischen übertragen von Maria Knoepfler, Kösel-Verlag KG, München 1952)

Die Heiligen – Freunde Gottes und Helfer der Menschen

von Pater Marc Brüllingen


Der Monat November ist vielen von uns als Allerseelenmonat bekannt. Doch beginnt der Monat November mit dem Fest Allerheiligen, an dem die Kirche alle Heiligen im Himmel verehrt. Aber, wann ist ein Mensch ein Heiliger? Wann wird jemand als Heiliger verehrt? Zunächst einmal muß festgestellt werden: Gott ist der Allheilige. Es ist das Wesen des höchsten Gutes und der höchsten Güte, sich selbst gemäß, d.h. heilig zu sein. Gott ist auch der Urheilige, der vernunftbegabte Geschöpfe über die Möglichkeiten ihrer geschöpflichen Ordnung hinaushebt in eine übernatürliche und sie sich selbst gemäß macht und angleicht, sie heilig macht. Jedes vernünftige Geschöpf strebt zwar kraft seines Wesens nach Gott, seinem Ursprung, um in ihm Ruhe und Heimat zu finden. Aber welches Geschöpf dürfte wohl wagen, wie Gott sein zu wollen und sich eindrängen in das persönliche Leben Gottes? Das Geschöpf kann sich seinen Platz nicht wählen in der göttlichen Sphäre seines Schöpfers. Aber der Schöpfer kann – aus Gnade – das Geschöpf teilhaben lassen an seinem eigenen Leben. Und da Leben bei dem höchsten Geiste Erkennen und Lieben ist, muß der geschaffene Geist, der an seinem Leben teilhaben will, in seinem Erkennen dem göttlichen Geiste angeglichen werden.

Der übernatürliche Glaube, der in Schauen übergeht, und der Mensch muß dem göttlichen Lieben gleichförmig werden durch jene Liebe, welche der Geist der Liebe, der ausgegossen ist in unsere Herzen, bewirkt. Der Mensch wird so gottförmig. Er wird vergöttlicht, ohne aufzuhören, ein Mensch zu sein. Es gibt Menschen, über deren Leben und Sterben die katholische Kirche die Sicherheit hat, daß Gott schon auf Erden in ihnen alles geworden ist. Solche Mitglieder anerkennt die Kirche öffentlich als Heilige und ehrt sie durch diesen Titel. Von ihnen behauptet die Kirche, daß sie in der Anschauung Gottes selig sind und daß sie als Freunde Gottes unsere Fürbitter sind. Darum empfiehlt sie, die Heiligen zu verehren, wohl wissend, daß die Verehrung der Heiligen im Grunde den ehrt, der die Quelle ihrer Heiligkeit ist, den Allheiligen, von dem sie selbst nur ein Abglanz sind.

Die Heiligen sind nicht selbstleuchtend wie die Sonne, sie glänzen vom Lichte Gottes, von dem alle Heiligkeit ausgeht und auf den alle Heiligenverehrung zurückziehlt. Die Kirche läßt eine öffentliche Verehrung, also eine Verehrung im kirchlichen Gottesdienst, nur zu nach vorhergegangener kirchlicher Prüfung. Eine solche Prüfung fand bereits in der altchristlichen Zeit bei den Märtyrern statt. Man nannte die Anerkennung des Martyriums durch den Bischof oder durch Synoden vindicatio; die Märtyrer, deren Verehrung gestattet war, hießen Martyres vindicati. Das waren solche, die durch ihren Tod öffentlich Zeugnis für Christus abgelegt hatten. Die Namen der anerkannten Märtyrer wurden beim Gottesdienst verlesen. Die Namen der Märtyrer eines Ortes, deren Andenken gefeiert werden sollte, waren auf Täfelchen, den sogenannten Diptychen, aufgezeichnet. Zu diesen setzte man auch die Namen anderer berühmter Märtyrer, die man wegen des Glanzes ihres Martyriums oder des Rufes ihrer Heiligkeit und ihrer Wunder verehren wollte. Auf diesen Brauch weisen heute noch Gebete des römischen Meßkanons hin. Die Berichte über den Tod der Märtyrer gingen um und wurden beim Gottesdienst häufig vorgelesen. Dadurch wurde ihre Verehrung stark ausgebreitet.

Die Kirche hatte nach der Märtyrerzeit zunächst gezögert, auch Nichtmärtyrer öffentlich als Heilige zu verehren. Aber die Verehrung, welche der hl. Antonius der Einsiedler und andere große Gestalten des Mönchtums im Morgenland, die der hl. Martin von Tours und andere nach ihm im Abendland fanden, konnte nicht nur auf die private Frömmigkeit beschränkt bleiben. Bald war es allgemeine Überzeugung, daß es, wie Isidor von Sevilla (+ 636) schreibt, zwei Arten von Märtyrern gibt: „Die einen legen vor aller Augen Zeugnis ab durch ihr Todesleiden, die andern bezeugen Gott durch die verborgene Tugend ihrer Seele. Manche haben den Anschlägen des Teufels widerstanden, haben sich nicht überwinden lassen durch das Gelüsten des Fleisches und haben sich so dem allmächtigen Gott geopfert, daß sie Zeugen Gottes wurden, als die Kirche Frieden hatte, wie sie Blutzeugen geworden wären, wenn sie Verfolgung zu leiden gehabt hätten.“ Das Wort confessor, Bekenner, wurde in jener Zeit der Ehrentitel jener Nichtmärtyrer, deren Heiligkeit die Kirche anerkennen wollte. Die feierliche Zuerkennung der öffentlichen Verehrung gab dem Bekenner, der Jungfrau oder der Witwe, das sind die beiden anderen Stände, die man bei den Heiligen unterschied, was bei jedem anerkannten Märtyrer Sitte war, daß nämlich über seinem Grabe das eucharistische Opfer gefeiert werden durfte. Sie fand ihren Ausdruck darin, daß die Gebeine des neuen Heiligen gehoben und unter einem Altare beigesetzt wurden.

Die Seligsprechung, welche die Vorstufe zur Heiligssprechung ist, wird dann vorgenommen, wenn durch die Kirche festgestellt worden ist, dass der Diener Gottes von heroischer Tugendgröße gewesen ist und daß Gott auf seine Fürbitte Wunder gewirkt hat. Können nach der Seligsprechung zwei weitere Wunder bewiesen werden oder drei, falls der Diener Gottes rechtmäßig eine öffentliche Verehrung seit unvordenklicher Zeit genoß, dann erfolgt die Heiligsprechung. Bei den Martyrern genügt zur Seligsprechung der Nachweis des Martyriums als Beweis heroischer Tugendgröße. Die Seligsprechung hat nur vorläufigen Charakter. Sie zielt hin auf die Heiligsprechung (= Kanonisation), die sie vorbereitet. Die Seligsprechung gibt die Erlaubnis zu einer nach Ort und Umfang beschränkten öffentlichen Verehrung. Dagegen fällt bei der Heiligsprechung der Heilige Vater als oberster Lehrer der Christenheit sein letztes, allgemein geltendes und allgemein bindendes Urteil: „Dieser Selige ist ein Heiliger, ich nehme ihn auf in die Zahl der Heiligen, und er hat Anspruch auf Verehrung in der ganzen Kirche.“


Foto: Heike Hannah Lux

Ostern – Aufruf zu einer Entscheidung

von P. Andreas Fuisting


Die Frohbotschaft von der Auferstehung unseres Herrn und Gottes Jesus Christus ist das zentrale Geheimnis unseres Glaubens. Es ist uns klar, daß diese Botschaft für unser Leben weitreichende Folgerungen nach sich ziehen muß. Dazu müssen wir über sie nachdenken, sie betrachtend erwägen.

Mit der Trostlosigkeit der Kartage, die Jesus den Tod brachten, war die Hoffnung vieler mitbegraben worden. Da bricht die Nachricht herein: Er lebt, er ist nicht tot! Zuerst verkünden es Engel (das kennen wir schon), dann Frauen, dann Apostel. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich: Er lebt! Aus dem Evangelium erfahren wir, wie diese Nachricht immer greifbarere Formen annimmt dadurch, daß Christus selbst erscheint, sich berühren läßt, mit seinen Jüngern speist, um ihnen absolute Gewißheit werden zu lassen, daß er lebe.

Vor der Tatsache von der Auferstehung Jesu, vor dem Ostertag also, steht der Karfreitag und vor diesem die Sünde. In ihr geriet der Mensch in den Gegensatz zu Gott, in die Gottferne, weil der Mensch von Beginn an „Ja“ zu sich selbst gesagt hat und „Nein“ zu Gott. Die dadurch entstandene Kluft zwischen Gott und Mensch, die den Blick auf den Sinn des Lebens für den Menschen unmöglich gemacht hat, wird erst durch den Gehorsam Christi gegenüber dem Willen des Vaters überwunden. Das Heilshandeln des Sohnes findet seinen Abschluß in der Auferstehung, die auch eine Bestätigung der Erlösung des Menschen ist. Wäre Jesus nicht auferstanden, wäre alles umsonst gewesen, wäre er nur ein Mensch gewesen hätte sein Tod für uns nichts bewirken können. Gott aber konnte nicht im Tod bleiben. Indem Jesus von den Toten aufersteht vollendet er unsere Erlösung. Jesus lebt, damit wir leben, damit die Liebe, die in ihm da ist, auch im Menschen wieder wach wird, und ihn zu Gott zurückkehren läßt.

Diese Erkenntnis, daß uns Christus den Weg freigemacht hat, muß heißen: wir müssen ihn nun auch gehen. Uns ist nicht die Arbeit abgenommen. Einmal schon sind wir Christus nachgefolgt in der Taufe. In ihr feierten wir unser persönliches Ostern, unser persönliches Sterben und Auferstehen. Was die Taufe bewirkt hat, ist in jeder Stunde unseres Daseins umzusetzen: Der Sünde sterben und im neuen Leben wandeln. Ostern ist kein Fest fürs Gemüt, in dem bunte Eier und Hasen aus Schokolade die Hauptrolle spielen; sondern Aufruf zu einer Entscheidung. Sterben all dem, was ungeordnet ist, was Sünde, Egoismus, Selbstsucht heißt und das neue Leben blockiert. An der Stelle, an die Gottes Wille uns gestellt hat, soll nun die Liebe herrschen. Diese muß bestimmend für unser Handeln sein und nicht nur in Augenblicken geistiger oder emotionaler Hochstimmung gelebt werden. Dann überwänden wir Haß, Neid, Feindschaft und Gemeinheit nicht. Wir irren, wenn wir glaubten diese Liebe aus eigener Kraft aufbringen zu können; sie kommt von Ihm, der für uns gestorben ist, aber lebt. Das bedeutet Ostern!

Ich wünsche Ihnen von Herzen daß Sie, liebe Freunde, ganz zu der Liebe finden, die allein wirklich beglücken und befreien kann. Dazu erflehe ich für Sie den Segen des Auferstandenen.


Foto: Heike Hannah Lux

Gedanken zur Fastenzeit

von P. Miguel Stegmaier


O sacrum ieiunium! (O heilige Fasten)

„Was hilft es, den Leib durch Fasten mager werden zu lassen, wenn der Geist von Hoffahrt aufgebläht wird?“ (Hl. Hieronymus)

Wir Christen gehen mit dem Kirchenjahr durch die Zeit. Mit dem Kirchenjahr gehen heißt, wir gehen mit Christus, denn Christus lebt im Kirchenjahr; er ist der Herr der Zeit, das Ziel aller Zeit: Alpha und Omega. – Nach dem Frohsinn der Fastnacht treten wir ein durch das Tor des Aschermittwoch in die Fastenzeit. Und das bedeutet, daß wir nicht nur von Fasten reden, sondern auch in der Tat danach handeln müssen. Wir wollen an Ostern mit Christus auferstehen, aber vorher müssen wir in das Grab hinabsteigen, damit das Böse, die Sünde und der alte Adam in uns sterben können. Dann kann der neue Mensch Christus in uns auferstehen. Das ist nicht einfach, aber es gibt keinen anderen Weg. Und wenn wir das uns Unangenehme, das Negative überwinden können, sehen und erfahren wir das Christliche, das Licht, das über allem steht. Es geht nicht um Tod, sondern um Leben mit Christus als dem Licht der Welt.

Weihnachtslicht – Dreikönigslicht – Lichtmeßlicht – Osterlicht – das steht über allem.

Holz, Kohle und Öl werden in den Ofen geworfen und verbrennen, verzehren sich. Doch das genügt nicht. Aus dem Verzehren entsteht Wärme und Licht. Auch wir müssen uns verzehren, damit Besseres, Licht und Leben daraus entstehen können. Christus hat es uns vorgemacht, als geschlachtetes Opferlamm am Holz des Kreuzes und damit geboren als Licht für die ganze Welt. Ihm sollen und wollen wir in unserem Handeln nachfolgen.

Gott wird Mensch

von P. Andreas Fuisting


Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter,

Weihnachten ist das Fest der Menschwerdung Gottes. Das wissen wir alle. Aber ist uns auch bewußt, daß bereits die Urkirche ein so prägnantes Christusbekenntnis abgelegt hat, wie beim hl. Paulus zu lesen steht?: „Dieser ist (ihm) dem Fleische nach aus dem Geschlechte Davids geboren worden. Seinem heiligen Geiste nach aber war er vorherbestimmt zum Sohne Gottes…“ (Röm. 1, 2 u.3). Was hier niedergelegt ist heißt folgendes: Jesus gehört auf die Seite Gottes und auf die Seite des Menschen. Die Tatsache der wahren Menschheit Christi wird durch die Bezeichnung „Sohn Davids“ ausgedrückt.

Die junge Kirche versuchte ihre gläubige Überzeugung in ihren Schriften durch entsprechende Belege zu untermauern. Die Evangelienstelle Matthäus 1, 1-17 beschäftigt sich mit dem Stammbaum Josephs. Durch diesen Stammbaum, der mehr theologische Absichten verfolgt, als den Anspruch erheben darf, einer geschichtlichen Prüfung standzuhalten, wird „bewiesen“, daß Joseph ein Sohn Davids ist. Damit ist die Davidssohnschaft Jesu noch nicht geklärt.

Um nun eine Antwort zu geben auf die Frage „wie kann Jesus, der in Maria durch den Heiligen Geist Mensch geworden ist, Sohn Davids sein?“ greifen wir auf die Stelle des Matthäusevangeliums zurück, die an der Vigil von Weihnachten verkündet wird (Matth. 1, 18-21). Der Evangelist argumentiert dabei so wie folgendermaßen: Durch die Namengebung hat Joseph, der aus dem Geschlechte Davids stammt, den von seiner rechtmäßigen Frau geborenen Sohn als seinen Sohn rechtlich anerkannt. Dadurch wird Jesus zum Sohn Davids. Diese besondere Art der Davidssohnschaft des Messias ist im AT bereits durch den Propheten vorausverkündet (Mt. 1,23; Is. 7, 14). Gott selbst drängt dann Joseph durch den Engel dazu, Maria zur rechtmäßigen Frau zu nehmen und das in ihr durch den Heiligen Geist Gewordene als eigenes Kind anzuerkennen.

Das ist das große Geheimnis des Weihnachtsfestes: Gott wird wirklich Mensch. Er teilt das Menschliche mir uns, damit wir das Göttliche mit ihm teilen. Er tritt auf unsere Seite, um uns auf die Seite Gottes zu holen. Ich möchte mich, auch im Namen meiner Mitbrüder, bei Ihnen allen ganz, ganz herzlich für Ihre im vergangenen Jahr geleisteten Wohltaten bedanken, sei es Ihr Gebet, Ihre ehrenamtliche Mitarbeit oder Ihre finanzielle Unterstützung gewesen. Ich versichere Ihnen: Auf diese drei sind wir nach wie vor dringend angewiesen! Wir werden Sie auch weiterhin in jedes hl. Meßopfer mit einschließen. Bleiben Sie uns verbunden, wie wir es Ihnen sind durch den ankommenden Heiland der Welt.

In diesem Sinne: GESEGNETE WEIHNACHT!

Ihr P. A. Fuisting


Foto: Heike Hannah Lux

Die Armut des Herrn

Gedanken zum Advent

von P. Andreas Fuisting


Wer aus dem Heiligen Land zurückkehrt und dort die Heiligen Stätten besucht hat, berichtet häufig davon in welcher äußeren Einfachheit und Anspruchslosigkeit, ja Armut das Leben Jesu sich bewegt haben muß. Das Wort des hl. Paulus: „Christus hat sich selbst entäußert, hat Knechtsgestalt angenommen und ist den Menschen gleich geworden, und er hat sich erniedrigt“, findet hier seinen Widerhall.

Wenn wir zunächst an Nazareth denken, gerät Maria in unseren Blickwinkel. Künstler der Jahrhunderte haben all ihr Können aufgewandt, um die Ankündigung der Menschwerdung Christi durch den Erzengel Gabriel in aller Schönheit und mit allem Glanz darzustellen, damit die Einzigartigkeit und Größe dieses Geschehens ins Bewußtsein gebracht wird; was es bedeutet hat, als der Engel bei ihr eintrat und sagte: „Gegrüßet seist du, du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir!“

Die Wirklichkeit dahinter sieht, von außen betrachtet, jedoch anders aus: kein Reichtum und kein Glanz, keine prachtvollen Kleider und vornehmen Räume. Nazareth ein eher unbedeutender Ort: „Kann denn aus Nazareth etwas Gutes kommen“ hat es damals geheißen! Maria lebte in einer Art Haus wie alle anderen auch: vier Wände aus Lehm oder Ziegel und einem flachen Lehmdach darauf. Sie trug, wohl selbst hergestellte, bescheidene Leinenkleider wie alle anderen Frauen auch. Um an Wasser zu gelangen, mußte sie durch staubige Gassen gehen zur einzigen Quelle des Ortes. Und sie buk jeden Tag den Brotfladen für den Bedarf eines Tages, wie es damals üblich war. Nach außen änderte sich gar nichts in ihrem Leben, sie lebte den Alltag und legte sich abends auf eine ebenerdige Strohmatte, um vom Tagwerk auszuruhen; sie stellte sich nach wie vor in die letzte Reihe der Synagogenbesucher, die für Frauen bestimmt war. So lebte diese Heilige von Nazareth bescheiden, anspruchslos, ja, an unseren heutigen Verhältnissen gemessen, mehr als arm.

In Bethlehem war das nicht anders. Es ist verständlich und auch richtig, daß die Darstellungen der Geburt des Herrn meistens idyllisch – romantisch ausfallen. Nur sollte uns klar sein: mit der Wirklichkeit hat das wenig zu tun. Manchmal liest man von einer Grotte; sagen wir lieber Stall. Oder Krippe? Es war wohl ein Steintrog. Alles zusammen war es eine sehr bescheidene Zuflucht für Hirten und deren Schafe. Die Niedrigkeit der Umstände seiner Geburt setzen sich im Leben Jesu fort, sonst hätte er nicht gesagt: „Die Füchse haben ihre Höhlen, die Vögel des Himmels ihre Nester; der Menschensohn hat nichts, wohin er sein Haupt legen könnte“ (Mt. 8,20).

Überhaupt der ganze Lebensraum des Herrn. Kargheit wohin man blickt: Die trostlose Wüste, in der Christus vierzig Tage und vierzig Nächte hindurch fastete und die er wiederholt durchwandert hat. Den kargen Boden, der mehr Steine zeigt als alles andere. Die große Hitze und das dadurch selten anzutreffende kostbare Wasser; alles mußte zu Fuß geschehen; daß er am Palmsonntag von einem Esel getragen wurde, bildete eine Ausnahme. So hat Jesus sein Wort an sich selbst erfüllt: „Sie sollten weder Beutel noch Tasche noch Schuhe mitnehmen“ (Lk. 10,4). Wie anspruchslos sich der Alltag des Herrn abgespielt haben muß können wir an folgender Geschichte ermessen: als der Steuereinnehmer die Tempelsteuer von ihm verlangte, mußte er Petrus an den See schicken, daß er einen Fisch fange – und beim ersten Fisch, den er gefangen hätte, würde er im Maul eine Vierdrachmenmünze finden; er mußte also seine göttliche Allwissenheit zu Hilfe nehmen, um seiner Verpflichtung nachkommen zu können. Das war das Erdenleben Jesu, uns Menschen gleich geworden – auch und gerade in der Erniedrigung.

Nun könnte jemand sagen: wenn Christus so einfach und anspruchslos gelebt hat, dann hat er sich eben von den Menschen der damaligen Zeit, die ebenso gelebt haben nicht unterschieden. Die Verhältnisse waren nun einmal so! Anders gesagt: Er hätte die Zeit seines Wirkens in einem anderen Jahrhundert ansetzten können. Oder er hätte, wenn es schon damals hätte sein sollen, seine Heimat im Bereich der griechisch – römischen Kultur wählen können; in einer gehobenen Familie, in vielleicht anspruchsvoller Umgebung; in einem Land mit günstiger klimatischer Umgebung. Nein! Christus hat das harte, einfache, anspruchsvolle geradezu arme Leben in Palästina mit den schwierigen politischen und sozialen Verhältnissen ganz bewußt und freiwillig gewählt.

Sollten nicht auch wir etwas in uns lebendig machen von einer Gesinnung bewußter und freiwilliger Einfachheit und Bescheidenheit des Lebens?

Nun möge niemand denken es solle damit die Freude an einem schönen Weihnachten unterdrückt werden. Die Freude an schönen Dingen, die Freude an Geschenken, die man vielleicht bekommt, oder die Freude, andere beschenken zu können. Denn so sehr sich alle, bis auf wenige Ausnahmen, darüber im klaren sind, die übertriebenen Erscheinungen dieser Wochen abzulehnen, so hat das, was die politische Linke gerne vorschnell mit „Luxus“ verwechselt auch seine Berechtigung. Denn wie viele verdienen ihren Lebensunterhalt dadurch, daß es Menschen gibt die Geld ausgeben können. Darum geht es also nicht! Es geht darum, daß wir uns innerlich die Freiheit bewahren gegenüber Besitz und Eigentum. Daß wir das Herz nicht daran verlieren. Daß wir nicht meinen darin bestünde das Glück des Lebens. Und daß wir es leicht nehmen, wenn das Leben uns manches versagt.

Schaffen wir uns also freiwillig einen Bezirk, in dem wir bewußt auf dieses oder jenes verzichten. Denken wir dabei, um diesen Verzicht noch wertvoller zu machen, an die stetig zunehmende Zahl der Abertausenden von Armen. Die sich bereits in den Anfängen herausbildende Weltwirtschaftskrise schädigt am stärksten die, die sowieso nichts haben. Wohl dem, der ein weites Herz hat!

Nun gehen wir hinein in den heiligen Advent. Möchten uns die Adventskerzen von Woche zu Woche heller und leuchtender zu erkennen geben: Seht, welche Liebe uns der Heiland in seiner Erniedrigung erwiesen hat!

November – Der Arme-Seelen-Monat

von P. Marc Brüllingen


Die Jahreszeit des Herbst, in der wir uns nun befinden, erinnert uns an die Vergänglichkeit der irdischen Dinge. Auch unser Leben ist davon nicht ausgeschlossen. Ganz besonders der Monat November, indem wir uns nun befinden, ermahnt und erinnert uns daran, daß wir diese Welt einmal verlassen werden, um vor das Angesicht Gottes zu treten.

Doch bevor wir die ewigen Freuden genießen dürfen, müssen wir rein von jeglichen Sünden und Unvollkommenheiten sein. Die Seelen, die noch nicht ganz vollkommen sind, müssen hierfür noch in einen besonderen Reinigungsort, um ihre verbliebenen Sündenstrafen und Fehler abzubüßen. Diesen Reinigungsort nennt die katholische Kirche das FEGFEUER. Die Seelen, die sich in diesem Reinigungsorte befinden, werden ARME SEELEN genannt. Da diese Seelen im Stande der heiligmachenden Gnade verstorben sind, gehören sie zur Gemeinschaft der Heiligen. Da sie jedoch für sich keine Verdienste mehr sammeln können und sich somit auch keine Linderung ihrer Leiden verschaffen können, sind sie auf unsere Hilfe angewiesen.

Im Monat November gedenken wir daher im besonderen Maße der Armen Seelen, vornehmlich am 2. November, dem GEDÄCHTNIS ALLERSEELEN. „Heute ist das feierliche Gedächtnis aller abgeschiedenen Gläubigen. Soeben (ALLERHEILIGEN – 1. November) noch hat die Kirche als gemeinsame und zartfühlende Mutter sich Mühe gegeben, all ihre Kinder in der Himmelsfreude mit gebührenden Preisgesängen zu verherrlichen. Unverweilt will sie heute in Muttersorge allen ihren Kindern, die im Reinigungsorte seufzen, durch machtvollen Beistand bei Christus, dem Herrn und Bräutigam, zur baldmöglichen Aufnahme in die Gemeinschaft der Himmelsbürger verhelfen.“ So kündet die römische Liturgie diesen einzigartigen Tag ihres heiligen Jahres im Martyrologium des kirchlichen Morgengebetes der Prim an. Der „machtvolle Beistand“ besteht vor allem in der Darbringung des hl. Meßopfers und in der Teilnahme daran.

Der hl. Abt Odilo von Cluny (+ 1048) schrieb für seine Klöster vor, daß am 2. November Messen für alle Verstorbenen gelesen werden. Dieser fromme Brauch fand weite Verbreitung. In Rom finden wir ihn im 14. Jahrhundert. Es ist dann schließlich PAPST BENEDIKT XV. (1914-1922) gewesen, der den Priestern das Privileg verlieh, am 2. November (Allerseelen) dreimal das hl. Meßopfer für die Verstorbenen zu feiern. Anlaß zu diesem Privileg waren wohl die vielen Todesopfer des 1. Weltkrieges (1914-1918), die den Papst zu dieser Anordnung veranlaßten. In Spanien war die dreimalige Feier der hl. Messe an Allerseelen den Priestern schon im Anfang des 16. Jahrhunderts erlaubt.

Die Existenz des Fegfeuers wird schon im Alten Testament im 2. Makkabäerbuch angedeutet: „Er (Judas Makkabäus) veranstaltete unter den Kriegern eine Sammlung, die 2000 Drachmen einbrachte, und sandte sie nach Jerusalem, um ein Sündopfer darbringen zu lassen; eine Tat, die schön und ausgezeichnet war, weil er an die Auferstehung dachte. Hätte er nämlich nicht erwartet, daß die Gefallenen auferstehen, so wäre es überflüssig und töricht gewesen, für Tote zu beten. Weiter hatte er im Auge, daß jenen, die in Frömmigkeit zur Ruhe eingehen, der herrlichste Gnadenlohn aufbewahrt ist: ein heiliger und frommer Gedanke! Darum ließ er für die Gefallenen das Sühnopfer darbringen, damit sie von der Sünde erlöst würden.“ (2 Makk 12,43-45).

Auch das Neue Testament berichtet an verschiedenen Stellen von der Existenz des Fegfeuers: Mt 12,32: „Wer ein Wort redet wider den Menschensohn, dem wird vergeben werden, wer aber wider den Heiligen Geist redet, dem wird weder in dieser noch in der künftigen Welt vergeben werden.“ Da die Armen Seelen demnach im Fegfeuer nichts mehr für sich tun können, sind sie auf unsere Hilfe angewiesen, indem wir für sie beten und auch für sie hl. Messen lesen lassen. Bedenken wir auch, daß das Gebet für die Armen Seelen ein geistiges Werk der Barmherzigkeit ist und auch zur christlichen Nächstenliebe zählt. Die Leiden im Fegfeuer sind zeitlich begrenzt, und die Armen Seelen wissen auch, daß ihr Leiden einmal zu Ende geht. Ihnen ist auch bewußt, daß sie gerecht leiden und daß sie die heiligmachende Gnade nicht mehr verlieren können. Wir sollen uns jedoch angesichts dieser Tatsachen nicht zu der Annahme verleiten lassen, daß die Leiden im Fegfeuer ein Kinderspiel und mit Leichtigkeit zu bewältigen seien. Die Armen Seelen leiden in diesem Reinigungsorte große Pein, und die mit Sicherheit größte und schwerste Pein ist zweifelsohne die ENTBEHRUNG DER ANSCHAUUNG GOTTES. Diese bleibt ihnen solange verwehrt, bis ihre Strafen abgebüßt sind. Das Fegfeuer ist und bleibt jedoch, trotz seiner Schwere, und dies dürfen wir nicht außer Acht lassen, ein ORT DER UNENDLICHEN BARMHERZIGKEIT GOTTES, den Gott unseretwegen erschaffen hat. Ohne diesen Reinigungsort würden sehr wahrscheinlich nur wenige Seelen in die ewige Glückseligkeit eintreten können.


Foto: Heike Hannah Lux

Predigt zum Hochfest Dreifaltigkeit

von P. Daniel Eichhorn (2008)


Meine lieben, andächtigen Christen,

Ein Gott in drei Personen, die Quadratur des Kreises, das unlösbare Problem, das Ende der Vernunft? – Ja, die Dreieinigkeit ist das Grunddogma des Glaubens überhaupt, sein Dreh- und Angelpunkt. Ohne diese Wahrheit wäre Jesus nicht der Sohn Gottes, gäbe es keine Erlösung oder jedenfalls nicht in dieser Form! Ja, wäre Gott nicht dreifaltig, so wäre er überhaupt nicht! Er kann gar nicht anders sein als dreifaltig!

Die Kirche glaubt fest und unbeirrbar an die Dreifaltigkeit. Dabei ist dieses Geheimnis nicht einfach irgendeine abstrakte theologische Spekulation. Diese uralte Lehre der Kirche ist keine Entartung eines Glaubens, der in die Fänge der Philosophie, der rein menschlichen Vernunft gefallen ist, sondern es ist nichts anderes, als genau jenes Gottesbild, das uns Jesus gelehrt hat: „Wer mich sieht, sieht den Vater.“ „Der Vater und ich sind eins.“ „Der Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird“. Und viele entsprechende Textstellen sprechen diese Wahrheit mehr oder weniger deutlich aus.

Schon im alten Bund war die Dreifaltigkeit im Voraus angedeutet: Drei Männer kommen zu Abraham, der mit seiner Frau Sara an der Eiche von Mamre wohnt, und verkündigen dem alten Paar einen Sohn, ja, noch eine reiche Nachkommenschaft so zahlreich wie der Sand am Meer, d.h. eine überaus große Schar, ein ganzes Volk, das Volk Israel. Und als die drei Männer gehen wollen, spricht Abraham noch einmal mit ihnen und es geschieht das Eigenartige: Er wendet sich zu den Männern und nennt Sie „Herr“, nicht „meine Herren“. Die großen klassischen Theologen haben in diesen drei Männern in der Regel drei Engel gesehen, die die Stelle Gottes vertreten. Dem Abraham muß jedenfalls unverhofft etwas vom unbegreiflichen Geheimnis Gottes aufgeblitzt sein, daß er in seiner Rede plötzlich statt des Plural den Singular bildet. Es deutet sich an, daß hinter der Dreizahl der Gäste irgendwie noch mehr steckt, daß da ein großes Geheimnis seiner Ergründung harrt. So sehen die Augen des gläubigen Christen in den Texten des Alten Bundes den Glauben an die Dreifaltigkeit, das Zentralgeheimnis des von Jesus verkündeten Glaubens, enthalten.

Wir sagten daher zu recht, daß der Dreifaltigkeitsglaube keine Erfindung der Christen ist, keine philosophisch-theologische Wucherung, sondern das – und nur das -, was Jesus selbst uns gelehrt und verkündet hat.

Wagen wir zum Schluß noch einen Blick hinein in das Geheimnis dieses dreifaltigen Gottes, einen ehrfürchtigen, scheuen Blick. Der Heilige Vater sagte in einer Weihnachtspredigt: „Gott ist nicht ewige Einsamkeit, sondern ein Kreis der Liebe in Hingabe und Zurückschenken: Vater, Sohn und Heiliger Geist“, ein Kreis der Liebe in Hingabe und Zurückschenken. Diesen Aspekt der innergöttlichen Liebe betont auch der Kirchenvater Augustinus: „Wenn du die Liebe siehst, siehst du die heiligste Dreifaltigkeit“. Gott ist ein liebender Gott, nicht nur gegenüber seiner Schöpfung, sondern auch bezüglich seiner selbst: Es ist die Liebe zwischen Vater, Sohn und Geist. Gott hat nicht nur Liebe, sondern in ihm lebt (die) Liebe, ja, er, als der Dreifaltige, ist die Liebe.

Diese Liebe, dieser Gott, diese Dreieinigkeit ist unser Ziel. Unser Ziel ist die ewige, glückselige, durch nichts zu vergleichende Schau der allerheiligsten Dreifaltigkeit im Himmel! Die Schau jener ewigen, starken, reinen, göttlichen Liebesflammen zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist! Der Himmel ist es, in diese große Liebe unverlierbar hineingenommen zu sein, sicher zu sein, nie mehr davon getrennt werden zu können!

Angesichts solch herrlicher Aussichten bleibt uns nur noch mit den Worten der heiligen Elisabeth de la Trinité staunend zu beten: „O mein Gott, Dreifaltiger, den ich anbete, hilf mir, mich ganz zu vergessen, um in dir begründet zu sein, unbewegt und friedvoll, als weilte meine Seele schon in der Ewigkeit. Nichts vermöge meinen Frieden zu stören, mich herauszulocken aus dir, o mein Wandelloser; jeder Augenblick trage mich tiefer hinein in deines Geheimnisses Grund.“ Amen.


Bild: Ikone Dreifaltigkeit | Foto: Heike Hannah Lux

„Oh Weisheit“

von P. Daniel Eichhorn


In den letzten sieben Tagen vor dem Weihnachtsfest, ab dem 17.12. gewinnt die Sehnsucht der Kirche nach dem Kommen ihres Herrn eine neue Qualität. Dieser „Durst“ der gläubigen Christen wird in den sogenannten „O-Antiphonen“ deutlich, die so heißen, da Sie alle mit diesem Laut des Ausrufs beginnen. Es handelt sich dabei um Magnificat-Antiphonen, das heißt um Leitverse des abendlichen Vespergottesdienstes, die den Hochgesang Mariens auf die Macht und Herrlichkeit Gottes rahmen. Besinnen wir uns auf die erste dieser liturgischen Perlen:

„Oh Weisheit, die aus dem Munde des Höchsten hervorgeht und die reicht von einem Ende zum anderen, stark und sanft alles ordnend: komm, uns den Weg der Klugheit zu lehren.“ Die angesprochene Weisheit Gottes ist Gott selber, ist, wie der Text klar offenbart, der ewige Sohn des Vaters. Ihr Wirkungsfeld ist keineswegs nur der „Himmel“, d.h. die für uns Irdische unsichtbare Dimension Gottes und der Engel, sondern die ganze Schöpfung! Denn diese ist ja sein Werk und daher auch sein Herrschaftsbereich. Die himmlische Weisheit soll auf Erden, im Kosmos wirken! – ‚Die Aufgabe des Weisen ist es, zu ordnen‘, so haben es Philosophen und Theologen erklärt.

Dies ist genau der Ausgangspunkt des Autors unserer Antiphon: Christus, der Weisheit des Vaters, kommt es zu, alle irdischen Dinge „vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang“ zu ordnen: Weisheit, „die reicht von einem Ende zum anderen, stark und sanft alles ordnend“. Christus soll in diese Welt kommen, um alles nach seinem heiligen und gerechten Willen wieder in die ursprüngliche, heilige, göttliche Ordnung zu bringen. Die Unordnung des teuflischen „Durcheinanderwerfers“ (Diabolos) soll durch die neue, göttliche Ordnung überwunden werden. Diese Umgestaltung der Welt auf Gott hin ist zugleich „stark“, d.h. unfehlbar, gewaltig und doch auch „sanft“: Gottes Kommen zu Elia geschah nicht im Sturm, sondern im sanften Säuseln! (1 Kön 19,12) – Damit diese Wiederherstellung des Anfangs gelingt, sollen wir mitwirken. Dies aber können wir nicht aus uns, dafür brauchen wir wiederum den göttlichen Beistand. Daher bittet die Kirche die Weisheit Gottes, „uns den Weg der Klugheit zu lehren.“

Die göttliche Weisheit bewirkt in uns die Klugheit! Tatsächlich sind beide Tugenden eng miteinander verwandt. Die Klugheit ist die wichtigste der so bedeutenden vier Kardinaltugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit Mäßigkeit) ist. Möge Gott uns seine Weisheit und Klugheit schenken, die unser Leben immer mehr in die göttliche Ordnung hineinführt!


Foto: Heike Hannah Lux

Zum Advent

von P. Marc Brüllingen


Mit dem 1. Adventssonntag am 2. Dezember schreiten wir in ein neues Kirchenjahr hinein. Der Priester trägt das violette Gewand, das selbst schon eine Mahnung zur Buße ist. Der Advent ist die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten, der Geburt unseres Herrn Jesus Christus.

Wort Advent kommt von „advenire“ (lat. – ankommen), d. h. die Ankunft Jesu Christi. Mit Entschiedenheit ruft uns die Kirche mit den Worten des heiligen Paulus an: „Brüder! Wisset, schon ist die Stunde da, dass wir vom Schlaf erwachen. Denn jetzt ist unser Heil näher als damals, da wir zum Glauben kamen. Die Nacht ist vorgerückt; der Tag hat sich genaht. So laßt uns die Werke der Finsternis ablegen, anziehen die Waffen des Lichtes!“ (Röm 13,11f)

„Nacht“ – dieses Wort verwendet die Heilige Schrift wiederholt für die Daseinslage des Menschen in der Sünde. Zu diesem Bilde gehört auch die Befangenheit vom Schlafe. Der Sünder befindet sich in einem Zustand der Befangenheit durch einen Schlaf. Sein geistiges Sehen ist getrübt. Eben darin zeigt sich die erste Folge der Erbsünde und der persönlichen Sünde; die Sehkraft des menschlichen Geistes ist gemindert, und im Zusammenhang damit ist die gesunde Kraft des freien Willens erkrankt, oft wie gelähmt. Trotz der Taufgnade, trotz der Eingießung der göttlichen Tugenden in die Seele des Getauften, wirken sich die Wunden der erbsündigen Natur noch im Leben des Menschen aus. Noch leidet der Getaufte an der Schlafbenommenheit des sündigen Menschen, noch macht er allzu oft der Schwäche seiner Natur Zugeständnisse, tut „Werke der Finsternis“ und mißachtet in falscher Sorglosigkeit die „Waffenrüstung des Lichtes.“

In dieser Lage trifft der Mahnruf der Kirche am ersten Adventssonntag das Gewissen jedes einzelnen. Wahrhaftig, die Stunde ist da, vom Schlafe zu erwachen, sich von der Befangenheit des Dahindämmerns zu befreien, sich an das „Eine Notwendige“ erinnern zu lassen, das einmal allein zählt und Bestand hat. Dieses „Eine Notwendige“ ist Gott, die ewige Glückseligkeit im Himmel. Der Glaube ist keine romantische Gefühlsangelegenheit, sondern Gegenstand sachlicher Nüchternheit, geistiger Klarheit.

So wollen auch wir uns die „Waffenrüstung des Lichtes“ anlegen, damit wir in Freude und Ehrfurcht die Ankunft des Heilandes erwarten dürfen.