Fest Maria Lichtmess

von P. Francesco Serwe


Darstellung des Herrn – Äthiopische Malerei

Diesen Monat spielen 40 Tage gleich zweimal eine besondere Rolle. Am 2. Februar feiern wir Maria Lichtmess am vierzigsten Tag nach Weihnachten, dann beginnt in der zweiten Hälfte die Fastenzeit, welche auch 40 Tage dauert. Schon in der heiligen Schrift spielten 40 Tage als Zeit der Vorbereitung eine äußerst wichtige Rolle. Die Sintflut wurde durch einen 40tägigen Regen eingeleitet, Jesus fastete 40 Tage in der Wüste, Moses war 40 Tage auf dem Berg um die 10 Gebote zu erhalten, 40 Tage nach der Auferstehung fuhr Jesus in den Himmel auf.

Das Fest Maria Lichtmess heißt eigentlich Darstellung des Herrn. Christus wird als der Erstgeborene Gott geweiht und Maria und Joseph bringen das Opfer zu ihrer Reinigung dar. In der Liturgie findet seit ältester Zeit auch eine Lichterprozession statt. Nach den prophetischen Worten des greisen Simeon im Tempel ist Jesus das „Licht zur Erleuchtung der Heiden“, die Kirche ist das neue Jerusalem. Wenn wir also mit den geweihten Kerzen in die Kirche einziehen, stellen wir in der Liturgie den ersten Einzug Jesu in Jerusalem dar, den wir also auch an Maria Lichtmess feiern. Ebenfalls findet hier eine Offenbarung Christi in kleinem Kreis statt, durch den greisen Simeon, der vom heiligen Geist erfasst wurde.

Unsere Liturgie hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt und die Kirche war immer darauf bedacht möglichst wenig dessen, was schon vorher da war, zu verändern. So soll es uns nicht wundern, dass gleichsam verschiedene Kreise ineinandergreifen. An sich endet die Weihnachtszeit mit dem Fest der Taufe des Herrn am 13. Januar, danach kommen „gewöhnliche“ Sonntage in grün und dieses Jahr zum Beispiel noch vor Maria Lichtmess beginnt schon die Vorfastenzeit. Dennoch gehört Maria Lichtmess gewissermaßen als Nachzügler noch zum Weihnachtsfestkreis.

Die Bräuche, die sich im gläubigen Volk erhalten, sind ein lebendiges Zeugnis dessen, da erst nach Maria Lichtmess Krippe und Weihnachtsbaum abgebaut werden.

Im Februar denken wir somit noch einmal an Weihnachten zurück, an die Ankunft des Erlösers in diese Welt und beginnen dann schon die Vorbereitung auf die größten Geheimnisse des Jahres, die Tage des Leidens, Sterbens und Auferstehens unseres Herrn.

 

Vorwort zum Januar-Rundbrief

Liebe Gläubige,

das Fest der Geburt unseres Herrn Jesus Christus markiert die eigentliche „Zeitenwende“ der Heilsgeschichte. Damit hat in der Tat eine „neue Zeitrechnung“ begonnen, auch wenn das exakte Geburtsjahr Jesu vielleicht nicht ganz exakt 2026 zurückliegt. Für uns als gläubige Christen ist Weihnachten nicht nur und in erster Linie ein Fest der Familie, erst recht nicht ein paar freie Arbeitstage, sondern die Offenbarung der unendlichen Liebe Gottes, Ausgangspunkt unserer Erlösung. Wie lange hat das auserwählte Volk der Juden auf den Messias gewartet und diesen Tag herbei gesehnt. Aber als er gekommen ist, hielt sich die Freude in Grenzen. „Er kam in sein Eigentum, doch die Seinigen nahmen Ihn nicht auf“, schreibt der hl. Apostel und Evangelist Johannes (Joh. 1,11). Dasselbe trifft leider nicht nur auf viele Menschen, sondern selbst auf viele offizielle Christen zu. Damals wie heute sind jene, die Ihn mit Glaube, Sehnsucht und Freude aufnehmen eine Minderheit. Umso wichtiger ist es, unseren Herrn und Heiland durch unseren Glauben und unsere Liebe zu trösten. Möge unsere Freude über das Fest der Geburt unseres Erlösers ausstrahlen auf jene, welche diese wahre Freude noch nicht oder nicht mehr kennen…

Ihnen und Ihren Familien, wünsche ich auch im Namen meiner Mitbrüder frohe und gnadenreiche Weihnachten und Gottes Segen für das Jahr 2026

Ihr Pater Gerstle

Vorwort zum Dezember-Rundbrief

Liebe Gläubige,

alle geistlichen Lehrer betonen die Bedeutung von Stille und Zurückgezogenheit, um ein entsprechend innerliches Gebetsleben zu führen. Angesichts der ständigen „Berieselung“, der wir heutzutage durch die Medien, durch den lauten Verkehr, in der Arbeitswelt und im hektischen Alltag ausgesetzt sind, stellt sich berechtigterweise die Frage, ob unter diesen äußeren Voraussetzungen geistliches Leben außerhalb von kontemplativen Gemeinschaften noch möglich ist. Auf jeden Fall ist es deutlich schwieriger geworden, das steht außer Frage. Dennoch sind widrige Umstände kein absolutes Hindernis und damit auch keine berechtigte Ausrede, wenn es darum geht, ein Leben der Freundschaft mit Gott zu führen. Das setzt allerdings besonders in unseren Zeiten ein hohes Maß an Selbstdisziplin und ein gesundes Abwehrverhalten voraus. Man muss und darf nicht alles mitmachen. Man muss nicht ständig „Online“ sein und sich stundenlang im Internet bewegen, unabhängig von den großen Gefahren, die dort unsere Seele bedrohen. Warum E-Mails sofort per Smartphone beantworten? Reicht es nicht einmal am Tag zu Hause am PC? Wir werden von so vielen überflüssigen Informationen medial zugemüllt, dass wir ohne drastische Einschränkungen kaum noch den Kopf frei haben für echte Besinnung und ein solides Gebetsleben.

Als gläubige Christen müssen wir „anders“ sein und „anders“ leben. Blindes Mitlaufen und Mitmachen bedeutet geistlichen Tod. Wer schon in dieser Mühle steckt, sollte so schnell wie möglich aussteigen und „alternativ“ leben. Wir müssen wieder lernen, die Stille auszuhalten. Nur so werden wir feinfühlig und hellhörig für die Stimme Gottes in unserer Seele. Deshalb brauchen wir äußere und innere Rückzugsorte. Diese sind neben dem stillen Kämmerlein zu Hause vor allem unsere Kirchen, auch wenn leider viele tagsüber aus Sorge vor Randalismus in den Städten geschlossen sind. Aber man wird immer noch offene Kirchen finden und kann dort vor dem Tabernakel auch außerhalb von öffentlichen hl. Messen in stillem Gebet zur Ruhe kommen. Der Herr lädt uns täglich zur Audienz durch innere Einkehr ein. Er wartet geduldig, aber mit Sehnsucht auf uns. Die Nähe zum Herrn führt dann auch automatisch zu einer tieferen Nähe unseren Mitmenschen gegenüber. Gottes- und Nächstenliebe bedingen sich gegenseitig. Einem innerlichen Menschen fällt es leichter, Anderen geduldig zuzuhören, auf ihre Nöte und Bedürfnisse einzugehen. Die Adventszeit lädt uns noch mehr als anderen Zeiten ein zu innerer Einkehr, zu Korrekturen, die notwendig sind. „Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden“ (Lk, 3,5) ruft uns der hl. Johannes der Täufer zu. Seien wir bereit zu notwendigen Korrekturen und haben wir den Mut , „nach innen“ zu gehen, um so in der Freundschaft mit Gott zu wachsen.

Eine frohe und gnadenreiche Adventszeit wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pater Gerstle


Worte der hl. Mutter Teresa von Kalkutta

“Innerlich still werden verlangt viele Opfer, aber wenn wir wirklich beten wollen, müssen wir bereit sein, diese Mühe auf uns zu nehmen. Es ist nur der erste Schritt hin zum Gebet, doch wenn wir den ersten Schritt nicht mit Entschiedenheit tun, gelangen wir nie zum Ziel: einem Leben in der Gegenwart Gottes.”

“Beim mündlichen Gebet sprechen wir zu Gott, beim inneren Gebet spricht und kommt Gott zu uns.”

“Die Vollkommenheit eines Gebets hängt nicht von der Zahl der Worte ab, sondern von dem brennenden Wunsch, Jesus zu begegnen.”

 „Das Schweigen des Geistes und des Herzens können wir von Maria lernen. Sie bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen (Lk 2,19).”

„Erst als wir 1973 mit der täglichen hl. Stunde begonnen haben, begann unsere Gemeinschaft zu wachsen und zu blühen“

 “Das Schweigen unserer Augen hilft uns, Gott zu sehen. Unsere Augen sind wie Fenster, durch die entweder Christus oder die Welt in unser Herz gelangt. Oft erfordert es Mut und Entschiedenheit, nicht alles anzuschauen.”


 

Carlo Acutis (1991-2006)

Ein moderner Heiliger

von Pater Korbinian Mendler


„Alle werden als Originale geboren, aber viele sterben als Kopien.“ So lautet die knappe Feststellung eines gewissen Carlo Acutis Anfang der 2000er Jahre. Ein interessantes Urteil für einen Jugendlichen mit gerade einmal 15 Jahren Lebenserfahrung. An wen er wohl gedacht hatte, als er das sagte? Ob es nur jene typischen Klassenkameraden waren, die eines Tages einmal Stars werden wollten wie ihre Idole, mit vielen Fans bzw. Followern? Oder ob er auch so manche Katholiken vor Augen gehabt haben mag, die vor lauter Verpflichtungen ganz vergessen hatten, dass das wichtigste Gebot in der Gottes- und Nächstenliebe besteht? Sein Urteil ist jedenfalls interessant. Nicht zuletzt deshalb, weil seine eigene Biographie zunächst klingt wie die Kopie einer mittelalterlichen Legende.

Mit drei Jahren habe er bereits überraschend tiefschürfende Fragen über Gott und die Welt gehabt. Mit vier Jahren sei er täglich in einer Kirche gewesen, mit sieben Jahren täglich in der hl.Messe, wöchentlich bei der Beichte – und das alles, obwohl seine Eltern eigentlich keine praktizierenden Katholiken waren.
Das klingt schon fast zu fromm, möchte man meinen. Allerdings hat sich diese Biographie eben nicht im Mittelalter, sondern im 21. Jahrhundert zugetragen. Und das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: es bedeutet einerseits, dass es noch lange Augenzeugen geben wird, die Nachrichten über ihn verifizieren und falsifizieren können. Und es bedeutet andererseits, dass sich dieses außergewöhnliche Leben im gewöhnlichen Alltag eines italienischen Jugendlichen abgespielt hat. Also zwischen Videospielen (die er auf eine Stunde pro Woche begrenzte), Mitschülern (die er unterstützte, wenn sie gemobbt wurden) und Obdachlosen (die er gerne mit Essen versorgte), um nur ein paar Aspekte hervorzuheben.

Carlo Acutis war es gelungen, den alten überlieferten Glauben, den er ja in gewisser Weise „kopiert“ hatte, ganz „originell“ in unserer Zeit zu leben. So originell und gut, dass der Frühvollendete nun der ganzen Weltkirche als Vorbild und Fürsprecher gegeben werden soll: am 07. September steht seine Heiligsprechung an.

Würde man ihn fragen, wie er so schnell ans Ziels gelangt war, hätte er wohl gesagt: mit seiner „Autobahn zum Himmel“. Jener Begegnung in der Eucharistie, durch die wir Christen „immer mehr wie Jesus werden“.
Carlo Acutis ist damit eine Mahnung für jeden, oder zumindest eine Erinnerung. Eine Erinnerung, daran, dass Heiligkeit auch im 21.Jahrhundert noch möglich ist. Und zwar bei jedem auf seinem Platz und auf seine Weise, als Original, so, wie Gott ihn gedacht hat.

Vorwort zum April-Rundbrief

Liebe Gläubige,

wann haben Sie zuletzt Exerzitien gemacht? Oder haben Sie überhaupt schon einmal an geistlichen Exerzitien teilgenommen? Wir Priester sind jedenfalls verpflichtet, einmal jährlich an Exerzitien teilzunehmen, die gewöhnlich über eine Woche gehen. Sehr bekannt und klassisch sind die ignatianischen Exerzitien, die auf Betrachtungen des hl. Ignatius von Loyola (1491-1556) zurückgehen.

Ursprünglich sind diese Exerzitien auf 30 Tage angelegt. Aus praktischen Gründen werden sie meistens zusammengefasst und auf eine Woche reduziert. Es sind intensive Betrachtungen über den Tod, das Gericht, Hölle und Himmel. Sie schließen in der Regel eine Lebensbeichte ein, denn sie sollen nicht nur fromme Übungen sein, sondern zugleich eine Entscheidung bewirken, mit der schweren Sünde zu brechen und entschieden nach Heiligkeit zu streben.

Der hl. Petrus Canisius (1521-1597), ebenso wie Ignatius dem Jesuitenorden angehörend, war überzeugt, dass in seiner Zeit als Priester nichts so viele geistliche Früchte hervorgebracht hat, wie diese ignatianischen Exerzitien. Allein das Stillschweigen, das bei diesen und anderen Exerzitien streng beobachtet werden sollte, ist ein Segen für die Seele. Das einwöchige Stillschweigen kann den Weg bereiten für das innere Gebet, das wesentlich darin besteht, sich der Gegenwart Gottes bewusst zu sein und mit Gott in einen inneren Dialog der Liebe zu treten.

Wir sind leider so vielen Lärmquellen und äußeren Einflüssen ausgesetzt, dass die inneren Antennen für das übernatürliche Leben zu verkümmern drohen. Vor allem Väter und Mütter, die durch Beruf und Familie sehr in Anspruch genommen sind, haben kaum Möglichkeiten des Rückzugs in einen Raum der Stille und des Gebets.

Wenn man es organisieren kann, sind Schweigeexerzitien mit geistlichen Betrachtungen eine ideale Möglichkeit, aus dem Alltagstrott auszusteigen und in eine geistliche Atmosphäre einzutauchen. In unserem Informationsblatt finden sie etliche Exerzitienangebote. Neben den ignatianischen Exerzitien werden auch thematische Exerzitien von Priestern unserer Gemeinschaft über das Jahr verteilt angeboten. Wem es beruflich und familiär möglich ist, sollte von Zeit zu Zeit von diesen Angeboten Gebrauch machen, um im geistlichen Leben mit der Gnade Gottes entsprechende Fortschritte zu erzielen.

Wir treten jetzt bald in die letzte Phase der Fastenzeit ein, die mit der Passionszeit beginnt. Möge es eine gute und intensive Vorbereitung auf Ostern sein. Dazu gehört natürlich auch der Empfang des hl. Bußsakraments. Sie können jederzeit mit einem unserer Priester auch außerhalb der offiziellen Beichtzeiten einen Termin vereinbaren. Insbesondere in der Karwoche wollen wir diese Möglichkeiten entsprechend anbieten (siehe Seite 7).

Eine besondere Freude sind auch in diesem Jahr mehrere Erwachsenentaufen in der Osternacht. Fünf Erwachsene bereiten sich seit knapp einem Jahr auf die heilige Taufe vor, darunter zwei ehemalige Muslime. Sie werden in der Osternacht in unserer Kölner Kirche Maria Hilf zugleich die hl. Firmung und die Erstkommunion empfangen. Bitte schließen Sie besonders unsere Taufbewerber in Ihre Gebete ein.

Es grüßt Sie, auch von meinen Mitbrüdern im Gebet verbunden herzlich

Ihr Pater Gerstle

Der hl. Apostel Thomas

von P. Bernhard Gerstle


Kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember, feiern wir das Fest des hl. Apostels Thomas. Man nennt ihn auch den „ungläubigen Thomas.“ Er hatte das Pech, dass er fehlte, als Jesus erstmals seinen Jüngern und Aposteln erschienen war. Als die Jünger ihm voll Freude sagten „Wir haben den Herrn gesehen!“, entgegnete er ihnen: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“ (Joh 20,25)!

Das ist die typische Antwort eines Skeptikers. Das andere Extrem sind die Leichtgläubigen. Sie neigen dazu, sofort auch den größten Unsinn zu glauben. Wenn ich ehrlich bin, dann sind mir die Skeptiker lieber. Was geistert heutzutage nicht alles an Unsinn durch die Medien, sowohl in politischer als auch in religiöser Hinsicht! Da würde ich mir auf jeden Fall „mehr Thomas“ wünschen. Freilich war seine Reaktion auf den Bericht der Erscheinung Jesu nicht vorbildlich. Und er wurde ja auch vom Herrn dafür getadelt. Doch genauso wunderbar war seine Reaktion, als Jesus ihm erschien und ihn bat seine Hand in seine Seite zu legen. Demütig ging er auf die Knie und sprach die wunderbaren Worte: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28)!

Professor Spindelböck kommentiert dieses Bekenntnis folgendermaßen:

“Sagen wir nicht, Thomas hätte nach dieser Begegnung nicht mehr glauben müssen. Ja, er hat Jesus gesehen in seiner verklärten Menschheit und darum an ihn geglaubt! Er glaubte aber an Jesus nicht als bloßen Menschen, sondern er bekannte, vom Heiligen Geist ergriffen und erleuchtet: „Mein Herr und mein Gott!“ Die Gottheit Jesu Christi ist ihm im Glauben aufgeleuchtet. Sein Herz war fähig, über das Sichtbare vorzudringen zum Unsichtbaren und Göttlichen.”

Wir dürfen Thomas und dem Evangelisten Johannes, der dies niedergeschrieben hat, für dieses Glaubenszeugnis überaus dankbar sein. Es zeigt einmal mehr, dass die Apostel keine Tagträumer gewesen sind. Vielmehr waren sie sehr realistisch und ausgestattet mit einem gesunden Menschenverstand. Sie kamen ja aus eher einfachen Verhältnissen. Mit harter Arbeit haben sie ihr Brot verdient. Das waren gestandene, aufrichtige Männer. Als der Erzengel Gabriel Maria erschien und die Menschwerdung Gottes verkündete und ihr mitteilte, dass sie den Sohn Gottes empfangen und gebären sollte, da stellte die hl. Gottesmutter die völlig berechtigte Frage: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne (Lk 1,34)?“ Auch sie erwartete vom Engel eine plausible Erklärung. Wir dürfen ebenfalls Gott so manche Frage stellen und im Gebet oder durch Fügung auf eine Antwort hoffen. Freilich steht über all diesen Fragen, was der Erzengel Gabriel Maria als Antwort gab: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich (Lk 1.37)!“ Das muss uns zuweilen als Erklärung genügen und es ist die einzige Antwort, welche wir Ungläubigen geben können, wenn sie uns beispielsweise kritisch darauf ansprechen sollten, wie das möglich sein soll, dass die Mutter Jesu zugleich Jungfrau war, vor, in und nach der Geburt.

„O Heiland reiß die Himmel auf“

von P. Korbinian Mendler


Ein bisschen Tannengrün im Kerzenschein, einen Hauch von Glühwein in der Nase und eines der vielen getragenen Adventslieder im Ohr: Es braucht nicht viel, um in uns eine adventliche Stimmung aufkommen zu lassen. Sie prägt diese Zeit der Erwartung, in der wir dem Weihnachtsfest entgegengehen, der Ankunft des Herrn.

Ein bisschen weniger romantisch besinnlich, aber dafür umso erwartungsvoller war wohl die Zeit, in der das Lied vom Himmel aufreißenden Heiland entstanden ist. 1622 wurde es in Würzburg erstmals veröffentlicht. Vier Jahre zuvor war jener Konflikt eskaliert, der in den kommenden Jahrzehnten als Dreißigjähriger Krieg auf deutschem Boden ausgetragen werden sollte. Die Bevölkerung leidet unter bürgerkriegsähnlichen Zuständen, unter Seuchen und Hungersnöten, ganz abgesehen davon, dass eine große religiöse Verwirrung herrscht. Unter solchen Umständen versteht man den Wunsch nach Erlösung und Gerechtigkeit. Und man versteht den Erfolg eines Liedes, das diese Gedanken aufgreift, das hofft, dass Weihnachten nicht nur als Termin im Kalender steht, sondern Wirklichkeit wird. Schon im Folgejahr erscheint das Lied in Köln und anderen Orten, 1666 schließlich unter der heute bekannten Melodie in einem „Rheinfelsischen Gesangbuch“.

„Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt? O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.“ Der Autor, mutmaßlich Friedrich Spee, hatte wohl andere Sorgen im Kopf als Geschenkekaufen. Vielleicht schwebte ihm auch noch die Hexenverfolgung vor Augen, deren Irrsinn er als Beichtvater von Betroffenen hautnah miterlebte und gegen die er sich neun Jahre später, ebenfalls anonym, mit einer Denkschrift wandte („Cautio Criminalis“), ohne allerdings das Ende der Hexenverbrennungen mitzuerleben. Liest man den Text seines Liedes aus dieser Perspektive, so bekommt der ohnmächtige Ruf nach Gerechtigkeit noch einmal eine ganz andere Dramatik. „O Sonn, geh auf, ohn‘ deinen Schein in Finsternis wir alle sein“…

Im Advent 2024 sind wir Gott sei Dank vor solchen existenziellen Sorgen weitgehend verschont. Doch so manches Weh mag in diesem „Jammertal“ auch noch heute zu hören sein, der Wunsch nach Erlösung und Gerechtigkeit ist jedenfalls noch immer zu spüren.

Interessant ist dabei, dass er letztlich die poetische Darstellung eines Bibeltextes ist. Ähnlich wie in dem 150 Jahre jüngeren Lied „Tauet Himmel den Gerechten“ bezieht sich Friedrich Spee auf eine Prophetie des Jesajabuches (Jes 45,8), das im lateinischen Text vom Geheimnis der Menschwerdung spricht, davon, dass „der Gerechte“ wie fruchtbarer Regen oder Tau auf die Erde herabkomme, und zugleich wie ein Spross aus der Wurzel Jesse aus der Erde „hervorsprieße“. Die Verbindung kommt zustande durch das „Ja“ der Gottesmutter, in der der Gottessohn Mensch wird. Aus diesem Grund ertönt der alte Jesajatext schon seit vielen Jahrhunderten am Anfang der adventlichen Marienmessen – der „Roratemessen“, die in der Regel bei Kerzenschein gefeiert werden…

Friedrich Spee hat mit dem Ruf nach dem Himmel aufreißenden Heiland also sehr viele adventliche Gedanken miteinander verbunden. Möge sein Lied wie auch unser ganzes schönes Liedgut dazu beitragen, dass der Advent nicht nur eine romantisch stimmungsvolle Zeit von Glühwein sei und Geschenkesuchen, sondern eine echte Vorbereitung auf die Ankunft des Erlösers.


 

Hirten der Kirche

von P. Bernhard Gerstle


Angesichts der schweren Glaubenskrise nach dem 2. Vatikanischen Konzil sah sich der hl. Papst Johannes Paul II. veranlasst, unter der Federführung des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, von allen Gläubigen und Klerikern, die ein kirchliches Amt übernehmen, zuvor einen Treueid zu verlangen. Bis zum 8. Januar 1990 galt der Treueid nur für die Bischöfe. Dieser Treueid besteht im Ablegen des Glaubensbekenntnisses und in den drei folgenden Zusätzen:

„Fest glaube ich auch alles, was im geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist und von der Kirche als von Gott geoffenbart zu glauben vorgelegt wird, sei es durch feierliches Urteil, sei es durch das ordentliche und allgemeine Lehramt.

Mit Festigkeit erkenne ich auch an und halte an allem und jedem fest, was bezüglich der Lehre des Glaubens und der Sitten von der Kirche endgültig vorgelegt wird.
Außerdem hange ich mit religiösem Gehorsam des Willens und des Verstandes den Lehren an, die der Papst oder das Bischofskollegium vorlegen, wenn sie ihr authentisches Lehramt ausüben, auch wenn sie nicht beabsichtigen, diese in einem endgültigen Akt zu verkünden.“

Wie wohl etliche Gläubige aus leidvoller Erfahrung berichten können, besteht zuweilen ein eklatanter Widerspruch hinsichtlich dieser Vorgaben der Kirche und der realen Situation. Eine beträchtliche Anzahl kirchlicher Amtsträger äußert und handelt anders, als sie vor Gott und der Kirche im Treueid versprochen hat. Betrifft das Bischöfe und Kardinäle, dann ist der Schaden besonders groß. Priester und Gläubige, welchen der Gehorsam noch etwas bedeutet, geraten dann in erhebliche Gewissenskonflikte. Die Mehrheit der deutschen Bischöfe, teilweise getrieben von der Erwartungshaltung liberaler Katholiken und dem Druck der Funktionärsriege des ZDK, teils aber aber aus eigener Überzeugung, bringt durch ihren Kurs, der bei der Synode in Frankfurt deutlich geworden ist, glaubenstreue Katholiken und vor allem glaubenstreue Priester immer mehr in die Bredouille. Als „anders katholisch“ umschreibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Bätzing, diese Agenda, die letztlich auf eine Protestantisierung der katholischen Kirche hinausläuft.

Es gibt schon Kleriker, welche deshalb aus ihrer Heimatdiözese in eine Diözese flüchten, die dort noch von einem Bischof geleitet wird, der sich an die verbindliche Lehre der Kirche gebunden fühlt. Ein Bischof oder Priester, der sich über Anweisungen des Papstes und über die verbindliche Lehre der Kirche hinwegsetzt, untergräbt seine eigene Autorität und kann für seinen Ungehorsam keinen Gehorsam beanspruchen. Selbst einem Papst sind Grenzen gesetzt. Auch er ist an die göttliche Offenbarung und die daraus fließende verbindliche Lehre der Kirche gebunden. Er kann sie nicht willkürlich ändern. Das Dogma der Unfehlbarkeit gibt uns allerdings die Sicherheit, dass dieser Fall nicht eintreten wird. Das gilt natürlichen nicht für Äußerungen des Papstes, welche nicht als Ausdruck des kirchlichen Lehramtes zu bewerten sind, wie beispielsweise in einer Predigt, einem Interview oder einer Audienz. Auch schließt das Unfehlbarkeitsdogma keineswegs Fehler und Schwächen in der Amtsführung sowie in der persönlichen Lebensführung aus. Dass wir unseren Glauben teilweise im Widerstand gegen die Hirten der Kirche verteidigen müssen, ist ein furchtbares Dilemma, was an finstere Zeiten der Kirchengeschichte erinnert.

Viele Gläubige laufen Gefahr, angesichts dieser Situation mutlos zu werden oder nach außerkirchlichen Lösungen zu suchen. Das ist zwar verständlich, kann aber nicht die richtige Lösung sein. Die katholische Kirche unter Leitung des Papstes ist und bleibt die Kirche Jesu Christi. In der gegenwärtigen Situation ist von uns ein großes Vertrauen auf seine Verheißung gefordert: „Du bist Petrus, der Fels. Und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen. Und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“ (Mt. 16,8)! Halten wir uns in dieser außergewöhnlichen Prüfung an diese Verheißung. Stehen wir angesichts der Krise umso fester zur Kirche, beten wir für glaubensschwache oder gar untreue Hirten und unterstützen wir nach Kräften jene Bischöfe und Priester, welche sich als wahre Seelsorger und treue Hirten der Kirche erweisen.

Jesus vor Pilatus

von Pater Marc Brüllingen


Jesus steht in souveräner Größe und königlicher Hoheit vor dem Volk und Pontius Pilatus, dem römischen Landpfleger. Äußerlich scheint es so, als wäre Jesus ohne Macht, allein, ohne Hilfe, und doch spricht er furchtlos von der wahren Größe, dem wahren Reich und der wahren Macht, die ihm gegeben ist.

Die Worte Jesu enthalten ein Zweifaches. Zunächst einmal enthalten sie das Bekenntnis seiner königlichen Größe und seines Reiches, das nicht von dieser Welt ist und somit alle anderen Reiche überragt.

Seine Worte sind aber auch als Appell an das Gewissen des Pilatus zu verstehen. Jesus ist in diese Welt gekommen, damit er für die Wahrheit Zeugnis ablege. Wenn es Pilatus wirklich um die Wahrheit gehen sollte, wird er innerlich die Stimme Christi als die Stimme der Wahrheit und folglich als Stimme Gottes erkennen.

Doch Pilatus weicht mit seiner skeptischen Frage aus: „Was ist Wahrheit?“ Trotzdem ist ihm die Unschuld des Angeklagten nun klar, und er will ihn auch freigeben. Aber um das Volk der Juden zu beruhigen, gleichsam als Kompromiß, will er einen berüchtigten Bandenführer, der wegen eines Aufruhrs und Mordes ins Gefängnis gekommen war, freilassen. Schon die Gegenüberstellung des Heilandes und eines Mörders stellt schon eine tiefe Demütigung dar.

Daraufhin läßt Pilatus Christus geißeln, um dem Volk der Juden eine Art Genugtuung bieten zu können. Aber auch diese schreckliche römische Geißelung, die Jesus erfährt, erreicht nicht die Wirkung, um das Volk umzustimmen, es verspürt kein Mitleid und fordert immer mehr in lautem Haß die Kreuzigung Jesu.

Und auch hier spricht Pilatus. „Ich finde keine Schuld an ihm.“ Jesus erwidert kein Wort. Sein Schweigen und Dulden zeigt hier seine seelische Größe. Die Schmerzen seiner Geißelung und Dornenkrönung sind unerträglich und doch sind die seelischen Schmerzen größer.

Es zeigt sich, daß sich Pilatus immer mehr als schwacher Mensch erweist. Obwohl er mehrere Ausweichversuche unternimmt sowie Unschuldsvermutungen formuliert, verurteilt er Christus dann doch zum Tod. Die Behauptung, daß Jesu der Sohn Gottes sei, erweckt in ihm eine abergläubische Furcht. Und der Vorwurf: „Wenn du diesen freiläßt, bist du kein Freund des Kaisers“, erinnert ihn daran, daß er schon einmal wegen unnötiger Verletzung der Religion der Juden beim Kaiser verklagt worden war. Deshalb befürchtete er, bei erneuter Klage, die kaiserliche Gunst ganz zu verlieren. Pilatus ist Vertreter äußerer Macht und Größe, aber ein schwacher und kleiner Mensch, ein im Tiefsten furchtsamer Charakter, der seine Furcht durch sein forsches Auftreten zu verbergen sucht, ein Mensch, der in der entscheidenden Stunde seines Lebens versagt.

Ganz anders dagegen Jesus: Er steht in ruhiger Würde und Gelassenheit vor seinem ungerechten Richter. Äußerlich in Ohnmacht, so scheint es, innerlich dagegen groß und mächtig. Er weiß, wie der Prozeß ausgehen wird und daß der Wille des himmlischen Vaters erfüllt wird. Furchtlos spricht er deshalb zu Pilatus. „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dier nicht von oben gegeben wäre.“

Die Menschenfurcht des Pilatus siegt und so übergibt er Jesus seinen Feinden zur Kreuzigung. Die Juden schlagen ihren eigenen gottergebenen König, den meschgewordenen Sohn Gottes ans Kreuz. Das Volk Israel verwirft Gott und wird von Gott selbst verworfen, bis zu dem Tag, an dem es sich bekehrt und Gott sich seiner erbarmt.

Es liegt etwas Erhabenes in diesem Moment: Es ist der weltgeschichtliche Augenblick, in welchem Gott durch Menschen verworfen und der Gottmensch durch Menschen getötet wird. Und trotzdem ist und bleibt die Gnade Gottes größer als die Sünden der Menschen, und daß Gott auch das Böse zum Guten lenken kann und wir die Hoffnung haben dürfen, daß er uns in seiner Liebe verzeiht, weil seine Liebe größer ist als unser menschliches Tun.

Dieses Mißverhältnis zwischen äußerer Macht des Staates und rein innerlich geistiger Macht des Reiches Gottes hat seit Christus gedauert durch alle Jahrhunderte und wird dauern bis zum Ende der Tage. Bald in friedlicher Auseinandersetzung, bald in blutiger Verfolgung und Unterdrückung. Der Kampf zwischen Kirche und Staat, zwischen geistlichem und weltlichem Recht. Der Staat will sich nicht damit abfinden, daß es eine Gesellschaft gibt, die von ihm unabhängig ist und die aus eigener Machtvollkommenheit Entscheidungen trifft. Trotzdem gehen beide Mächte auf Gott zurück. „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre.“

Die Kirche ist daran gewöhnt, Verleumdungen zu erdulden, den Auseinandersetzungen staatlicher Gewalt ausgeliefert zu sein. Das „Kreuzige“ gehört wesentlich zu ihrer Geschichte. Doch schreitet sie wie der göttliche Meister mit erhobenem Haupt voran, unberührt von allen Verfolgungen und Angriffen seitens ihrer Feinde. Gott beschützt die Kirche. Das Reich Gottes ist nicht von dieser Welt, aber es ist in dieser Welt. Aus diesem Grund muß es sich mit dieser Welt auseinandersetzen und auf die Mächte der Welt treffen.

Warum Halbwahrheiten so gefährlich sind

Vorwort zum August/September-Rundbrief


Liebe Gläubige,

warum sind Halbwahrheiten so gefährlich? Ja, gefährlicher als eindeutige Irrtümer? Weil sie schwerer zu erkennen und von der Wahrheit zu unterscheiden sind! Der Erfolg zahlreicher Irrlehrer beruht darauf, dass sie in vielerlei Hinsicht Richtiges und Wahres behaupten und das Falsche, Irrige geschickt darunter mischen. So sind ihre Zuhörer oder Leser leicht zu täuschen. Wir müssen darum schon sehr genau hinschauen und hinhören, wenn etwas behauptet wird, was neu und fremd klingt, anders jedenfalls, als wir es bisher gelernt haben. Das gilt besonders für Dinge, die unser ewiges Heil betreffen, nämlich in Fragen des Glaubens und der Sitte. Es ist zweifellos richtig, dass es einen Fortschritt in der Erkenntnis der Wahrheit gibt. Auf diesen Grundsatz berufen sich meistens die Neuerer. Allerdings besteht dieser Fortschritt in einer organischen, kontinuierlichen Weiterentwicklung, welche die bisher geltende Lehre bestätigt, allerdings auch vertieft. Aber eine neue Lehre, die im Widerspruch steht zu bisher verbindlichen Glaubensüberzeugungen, ist abzulehnen, weil sich der Heilige Geist, der in der Kirche wirkt, nicht widersprechen kann.

Was darum die Kirche früher verbindlich gelehrt hat, wird immer richtig sein, auch wenn neue Erkenntnisse hinzukommen. Man kann das vergleichen mit dem Bau eines Hauses. Da wird zunächst das Fundament gelegt und dann kommt Stein auf Stein dazu, bis am Ende das ganze Haus einschließlich des Daches steht. So haben auch Christus und die Apostel das Fundament der Kirche gelegt und später kam ein Stein nach dem anderen bis auf den heutigen Tag unter dem Einfluss des Heiligen Geistes hinzu. Und dieser Bau ist noch nicht vollendet. Immer noch kommen neue Erkenntnisse hinzu. Würde man nun aber einen Stein aus dem Ganzen herausbrechen, ein Dogma, z.B. die Lehre über die Erbsünde, so würde das Gebäude in sich zusammenbrechen. Es muss uns daher sehr hellhörig und besorgt machen, wenn nun auf dem synodalen Weg aus dem Munde von Bischöfen und Laien von einem „Umbau“ die Rede ist, von Lehren, die geändert werden müssen. Gott sei Dank kam Widerspruch von einigen deutschen Bischöfen und Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens, vor allem aber von Bischöfen und Kardinälen der Weltkirche. Es prallen hier zwei Positionen unvereinbar aufeinander. Die eine Seite will die Kirche umkrempeln, so dass man sich fragen muss, was dann noch am Ende von ihr übrig bleibt. Die andere Seite wiederum ist zwar bereit, über die eine oder andere Reform zu diskutieren, die notwendig scheint, aber in Treue zum überlieferten Glaubensgut der Kirche. Die Fronten sind bereits so verhärtet, dass die Spaltung schon mit Händen greifbar ist, auch wenn sie noch nicht offiziell vollzogen ist. Das Aussitzen dieser Situation wird auf Dauer nicht funktionieren. Der Papst hätte es in der Hand, eine klare Entscheidung herbeizuführen. Diese Chance bietet sich ihm spätestens beim „Ad-limina-Besuch“ der deutschen Bischöfe im November in Rom. Doch viele fürchten nicht zu Unrecht, dass die Hängepartie weiter geht, was die Lage aber nur verschlimmert. Schon beginnt der Flächenbrand auf andere Länder überzuschwappen. Es ist bereits jetzt allerhöchste Zeit, mit den Löscharbeiten zu beginnen. Wohl dürfen wir uns auf die Verheißung Christi stützen: „Die Pforten der Hölle werden sie (die Kirche) nicht überwältigen (Mt. 16,18)!“ Aber wie viel von der Kirche Jesu Christi nach so vielen Jahren des Niedergangs, der vor allem innerkirchlich bedingt ist, noch übrig bleiben wird, das wissen wir nicht. Unsere Aufgabe besteht darin, zu beten und treu zu sein, jeder an seinem Platz und gemäß seinem Stand. Das schließt die Bereitschaft und den Mut ein, nur noch zu einer kleinen Minderheit zu gehören. Doch das sind wir der Liebe zu Christus und seiner Kirche schuldig. Die Wahrheit war noch nie eine Frage der Mehrheit. Und ich kenne keinen Heiligen, der seine Glaubensüberzeugungen aufgrund von Mehrheitsverhältnissen oder „Lebenswirklichkeiten“ in opportunistischer Weise angepasst oder gar über Bord geworfen hat. Ihr Vorbild und Handeln muss für uns die Richtschnur sein in der gegenwärtigen Verwirrung!

P. Bernhard Gerstle FSSP