Die Herz-Jesu-Verehrung
Von P. Marc Brüllingen
Das Heiligste Herz Jesu ist ein Sinnbild für die unendliche Liebe unseres Herrn Jesus Christus zu uns Menschen. Das göttliche Herz Jesu steht jedoch auch für das Erbarmen Gottes mit der sündigen Menschheit, für Sühne und Vergebung unserer Sünden. Das Fest des heiligsten Herzens Jesu wird am Freitag nach dem zweiten Sonntag nach Pfingsten gefeiert. Daher ist der gesamte Monat Juni dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. Die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu ist in der Heiligen Schrift im Johannesevangelium begründet. Dort heißt es im 34. Vers des 19. Kapitels (Joh 19,34): „Als sie aber zu Jesus kamen, sahen sie, daß er schon tot war; sie zerschlugen ihm daher die Gebeine nicht, sondern einer der Soldaten öffnete seine Seite mit einer Lanze, und sogleich floss Blut und Wasser heraus.“ In der Seitenwunde Jesu, aus der Blut und Wasser hervorquoll, haben die Kirchenväter die Pforte des Heils sowie die Gnadenströme für uns Menschen gedeutet, die Sakramente, die daraus geflossen sind.
Anregungen für eine Herz-Jesu-Verehrung sind schon im Spätmittelalter zu finden, vor allem in der deutschen Mystik. Namentlich seien hier Mechthild von Magdeburg (1207-1282), Gertrud von Helfta (=Gertrud die Große – 1256-1302) und Heinrich Seuse (1295-1366) erwähnt.
Jesus hat aus Liebe zu uns Menschen sein Leben am Kreuz hingegeben, und deshalb wurde dieses Herz als Sinnbild und Ort der unendlichen Liebe zu uns Menschen ganz besonders verehrt.
Der stärkste Impuls der Herz-Jesu-Verehrung kam jedoch von der französischen Ordensschwester Margareta Maria Alacoque (1647-1690). Am 19. Juni 1675 in der Fronleichnamsoktav, erschien Jesus Christus der hl. Margareta Maria Alacoque in Paray-le-Monial, als sie vor dem Tabernakel kniete. Er zeigte ihr sein Herz und sagte: „Sieh hier das Herz, das die Menschen so sehr liebt, daß es nichts gespart hat, um sich zu opfern, und zu erschöpfen in Liebesbeweisen; und als Dank empfange ich von den meisten Menschen nur Kälte, Unehrerbietigkeit, Verachtung und Sakrilegien in diesem Sakrament der Liebe. Was mich aber am meisten schmerzt, ist, daß Herzen, die Mir besonders geweiht sind, Mir auf diese Weise begegnen. Darum verlange Ich von Dir, daß der erste Freitag nach der Fronleichnamsoktav ein besonderer Festtag zur Verehrung Meines Herzens werde; daß man an dem Tage sich dem heiligen Tische nahe, und einen Ehrenersatz leiste, zur Sühnung all der Beleidigungen, welche Meinem Herzen, seit es auf den Altären weilt, zugefügt wurden, und ich verspreche Dir, daß mein Herz diejenigen m reichsten Maße den Einfluß seiner Liebe fühlen lassen wird, die es verehren, und die sorgen, daß es auch von andern verehrt werde.“
Das Herz-Jesu-Fest, das am zweiten Freitag nach Fronleichnam begangen wird, ist quasi eine Fortsetzung der Verehrung der heiligsten Eucharistie am Fronleichnamsfest, um dadurch zu einer noch häufigeren und würdigeren hl. Kommunion zu gelangen. Eine Herz-Jesu-Verehrung entwickelte sich bereits im Hochmittelalter. Der hl. Johannes Eudes (1601-1680) regte eine Feier des Heiligsten Herzens Jesu an. Der Bischof von Rennes erteilte ihm hierfür am 8. März 1670 die Erlaubnis, „das Fest des anbetungswürdigen Herzens unseres Herrn Jesus Christus“ zu feiern. Am 20. Oktober 1672 fand die erste liturgische Feier statt. Der hl. Johannes Eudes (1601-1680) gründete eine Ordensgemeinschaft: die Kongregation von Jesus und Maria (später auch Eudisten genannt). Ab dem 17. Jahrhundert setzten sich besonders die Jesuiten für die Ausbreitung der Herz-Jesu-Verehrung ein, die durch die Visionen der hl. Margareta Maria Alacoque nochmals starke Zunahme erhielt. Auch verbreiteten die Jesuiten die Herz-Jesu-Verehrung in ihren Volksmissionen. Als der Jesuitenorden im Jahre 1773 durch Papst Clemens XIV. (1769-1774) aufgehoben wurde, wurde somit auch die Herz-Jesu-Verehrung zeitweise verboten.
Erst im späten 18. und im 19. Jahrhundert erhielt die Herz-Jesu-Verehrung wieder eine starke Verbreitung. Auf Anregung der sel. Maria Droste zu Vischering (1863-1899) weihte Papst Leo XIII. (1878-1903) anläßlich der Eröffnung des Heiligen Jahres 1900 an Weihnachten 1899 die ganze Welt dem Herzen Jesu. Diese Weihe wurde alljährlich am Herz-Jesu-Fest erneuert, bis Papst Pius XI. (1922-1939) sie 1925, als er das Christkönigsfest einführte, auf diesen Tag verlegte.
Foto: Andachtsbilder / Museum Kolumba, Köln
Gedanken zum Fest Christi Himmelfahrt
von Pater Gerstle
Liturgischer Höhepunkt in diesem Monat ist zweifellos das Fest Christi Himmelfahrt, das wir am 26. Mai begehen. Dies ist ein guter Anlass, den Sinn und das Ziel unseres Lebens noch bewusster in den Blick zu nehmen. Viele Menschen machen sich darüber so gut wie keine Gedanken. Als Priester und Seelsorger bin ich schon mehreren Schwerkranken begegnet, die nur noch eine begrenzte Lebenserwartung hatten und mich wissen ließen, dass sie sich noch nie gedanklich damit auseinandergesetzt zu haben, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Können wir das nachvollziehen? Die Leute machen sich unzählige und teilweise auch berechtigte Gedanken darüber, was alles passieren könnte, ob eine neue Virus-Variante kommt, ob sie möglicherweise ihre Arbeit verlieren, ob sie noch die Miete bezahlen können, wenn die Energiepreise weiter steigen, ob der Krieg in der Ukraine sich ausweitet usw., aber der allerwichtigsten Frage überhaupt weichen sie aus: gibt es ein Leben nach dem Tod und wenn ja, was bedeutet das für uns?
Für uns als gläubige Christen ist der Himmel, die ewige Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott, das Ziel unseres Lebens. Von dem Erreichen dieses Zieles hängt unser ewiges Glück ab. Himmel oder Hölle, das ist das alles Entscheidende, auf das es letztlich ankommt! Dass dies nicht nur eine vage Hoffnung ist, dafür steht die Auferstehung Jesu von den Toten und seine Heimkehr zum Vater. Vor seinem Abschied tröstete Jesus seine Jünger und Apostel: „Ich gehe euch voraus, eine Wohnung zu bereiten (Joh. 14,2).” Doch wie viele Wohnungen im Himmel werden unbelegt bleiben, weil Menschen, für die sie vorgesehen waren, nicht oben ankommen, sondern verloren gehen? Die Sorge um das ewige Heil der Seelen muss uns alle, besonders aber die Priester nach den Worten von Papst Benedikt XVI. mit einer „heiligen Unruhe” erfüllen. Diese „heilige Unruhe“ steht in Gegensatz zu einem heute auch in der Kirche weit verbreiteten und unrealistischen Heilsoptimismus. Das war nie die Haltung der Kirche. Freilich sollen auch wir ein großes Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit haben. Aber Gottes Barmherzigkeit ist immer an das ehrliche Bemühen um das Halten seiner Gebote und die aufrichtige Reue über unsere Sünden gebunden. Jesus sprach noch ein anderes Wort: “Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen (Joh 14,2)!”
Ob wir die uns zugedachte „Wohnung“ im Himmel erhalten, hängt davon ab, in welchem Maße wir mit der Gnade Gottes mitgewirkt haben. Leider bleiben selbst jene, welche in der Gnade Gottes sterben und gerettet werden im übernatürlichen Sinn oft unter ihren Möglichkeiten, weil sie Gott nicht das gegeben haben, das sie hätten geben können. In ihrer Liebe und Hingabe, in ihrer Gottes- und Nächstenliebe waren sie schwach und kleinlich, ihre ungeordnete Eigenliebe war zu ausgeprägt, die Lust dieser Welt hatte sie zu sehr vereinnahmt und ihre Bereitschaft, mit Christus das Kreuz zu tragen, war nicht genügend vorhanden. Und so haben sie nicht den Grad an Heiligkeit erlangt und damit den Grad an ewiger Glorie, der ihnen mit der Gnade Gottes möglich gewesen wäre.
Es geht nicht darum, im Sinne eines weltlichen Kaufmannsdenkens nach einem möglichst großen Lohn im Himmel zu schielen, wenn wir als Christen aufgerufen sind, nach Heiligkeit zu streben. Denn was ist der ewige Lohn im Himmel? Nicht eine Sache, sondern die ewige Vereinigung mit Gott in Liebe, die für uns ein Glück bedeutet, das alle unsere irdische Vorstellungskraft übersteigt. Und wahre Liebe kennt kein „genug“. Diese liebende Vereinigung in der Schau Gottes hat für jeden Seligen eine unterschiedliche Intensität und Qualität, auch wenn dies alle im Himmel als vollkommenes Glück empfinden, das nicht mehr übertroffen werden kann. Papst Benedikt XVI. bringt das in seiner Enzyklika „Spe salvi“ so wunderbar zum Ausdruck:
“Ewigkeit ist das Eintauchen in den Ozean der unendlichen Liebe, in dem es keine Zeit, kein Vorher und Nachher mehr gibt. Ewigkeit ist das Leben in Fülle, ein immer neues Eintauchen in die Weite des Seins, in dem wir von Freude und Glück überwältigt werden.”
Im Lichte der Ewigkeit betrachtet, relativiert sich Vieles hier auf Erden. Das irdische Glück ist schnell vergänglich und auch die Leiden verlieren angesichts ihrer begrenzten Dauer an Schrecken. „Das Leben ist kurz”, sagt der hl. Don Bosco, „darum müssen wir uns beeilen, das Wenige zu tun, das man tun kann, bevor der Tod uns überrascht.” Spätestens am Ende unseres Lebens werden wir erkennen, wie recht die Heiligen hatten, indem sie alles auf diese eine Karte gesetzt haben.
Die geistliche Vaterschaft des hl. Josef
von P. Josef Unglert
Dass der Wonnemonat Mai der allerseligsten Jungfrau Maria geweiht ist, wissen die meisten Gläubigen. Schließlich finden ja vielerorts die beliebten Maiandachten statt. Auch der Monat März hat seinen besonderen Patron: den hl. Josef. Am 19. März feiert die Kirche das Hochfest des Bräutigams der allerseligsten Jungfrau und des Nährvaters Christi. Ausgehend von diesem Fest, ist nach einer frommen Tradition der ganze Monat März dem hl. Josef anvertraut. Die Gläubigen sind gehalten in ihren privaten Andachten und Gebeten besonders den Nährvater Christi zu verehren, der nach Aussagen vieler Heiliger, z.B. hl. Theresia von Avila, zu den mächtigsten Fürsprechern im Himmel gehört. Die hl. Kirchenlehrerin schreibt u.a.: „Zu meinem Fürsprecher und Herrn erwählte ich den glorreichen heiligen Josef und empfahl mich ihm recht inständig. Und in der Tat, ich habe klar erkannt, daß dieser mein Vater und Herr es gewesen, der mich sowohl aus meiner damaligen Not als auch aus andern noch größeren Nöten, die meine Ehre und das Heil meiner Seele betrafen, gerettet und mir sogar mehr noch verschafft hat, als ich zu bitten gewußt. Ich erinnere mich nicht, ihn bis jetzt um etwas gebeten zu haben, was er mir nicht gewährt hätte.“
Unser Herr Jesus Christus ist für uns Maßstab und Urbild. Der Christ ist gerufen, ein alter Christus d.h. ein anderer Christus zu werden. Das, was der Herr uns vorgelebt hat, sollen wir nachahmen. Nun hat sich unser Herr Jesus Christus während seines verborgenen Lebens ganz in die Obhut des hl. Josef gegeben. Diesem Beispiel dürfen auch wir folgen. Voll Vertrauen dürfen wir uns unter den Schutz des hl. Josef stellen und uns ihm weihen, ihn als unseren geistlichen Vater erwählen.
Die Aussage Mariens, als sie den Jesusknaben im Tempel fand – „Warum hast du uns das angetan, siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht“ Lk 2,48 – lassen auf eine sehr vertraute Beziehung zwischen Christus und dem hl. Josef schließen. Dem dürfen auch wir uns anschließen. Christus hat uns durch die Taufe zu Kindern des himmlischen Vaters gemacht. Am Kreuz gab er seine heiligste Mutter der Menschheit zur Mutter. Es ist zwar nicht überliefert, dass er den hl. Josef uns zum Vater gegeben hat. Aber der hl. Josef vertrat vor Jesus Christus den himmlischen Vater. Christus hat ihn nicht nur als Ernährer angesehen, sondern auch als Vater geliebt und respektiert. Wenn Christus dies getan hat, dann sollten wir uns diesem Beispiel anschließen.
Der hl. Josef will auch uns Vater sein und ist gerade für die heutige Zeit ein hervorragender Patron und ein ermutigendes Beispiel.
Wir erleben heute eine Krise gelebter Vaterschaft. Wahre Männlichkeit scheint eine Seltenheit geworden zu sein. Der Feminismus zeigt sich hier mit schlimmen Folgen: wahre Ritterlichkeit und echte edle Männlichkeit werden bekämpft im Namen einer falsch verstandenen Freiheit. Dabei bilden doch gerade diese die Grundlagen für wahre Vaterschaft. Ohne wahre Vaterschaft kann eine Gesellschaft nicht funktionieren. Sie steht für Gerechtigkeit, Fürsorge, Liebe. Nicht ohne Grund beginnt das Gebet, das der Herr uns selbst gelehrt hat, mit den Worten: „Vater Unser …“ In den Evangelien wird der hl. Josef als „gerecht“ bezeichnet. Gerecht bedeutet in der alttestamentlichen Sprache soviel wie vollkommen. Der hl. Josef wird also in der heiligen Schrift als ein vollkommener Mann beschrieben, ein Vorbild wahrer Ritterlichkeit und edler Männlichkeit.
Der heilige Josef ist für uns Vorbild und Fürbitter am Throne Gottes zugleich. Wie die hl. Theresia bezeugt, hilft der hl. Josef in jeglicher Lage und erwirkt uns bei Gott noch mehr, als wir zu bitten wagen. Dieser große Heilige wird jedenfalls unser Vertrauen in vielfältigen Anliegen nicht enttäuschen.
Die heilige Scholastika und das benediktinische Ideal
von P. Josef Unglert

Bild: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon (CC)
Für den Christen ist jeder Tag ein Tag der Freude, denn an jedem Tag hat mindestens ein Heiliger im Himmel sein Fest. Am 10. Februar feiert die Kirche die hl. Scholastika. Sie war die Schwester des hl. Benedikt von Nursia und gründete – parallel zu ihrem heiligen Bruder – die Benediktinerinnen. Daher ist es sehr passend, dass sie den Namen Scholastika trägt, bedeutet dieser doch „die Gelehrte“ oder auch „die Lernende“
Die hl. Scholastika lebte um das Jahr 500 in Umbrien. Nach dem Tod ihrer Eltern, wählte sie das Leben einer Einsiedlerin am Fuß des Berges Montecassino, auf dessen Gipfel Benedikt mittlerweile seine klösterliche Gemeinschaft gegründet hatte. Da sie in der Lebensführung ihrem Bruder folgte, gilt sie als die erste Benediktinerin.
Einmal im Jahr besuchten sich die zwei Geschwister zum gemeinsamen Gebet und auch zu geistlichen Gesprächen. Als Benedikt nach dem Abendessen in sein Kloster zurückwollte, bat Scholastika, dass er die Nacht noch bei ihr bleibe, damit sie ihr Gespräch fortsetzen können. Scholastika ahnte nämlich, dass sie bald sterben werde. Benedikt wollte aber nicht bleiben, da seine Klosterregel vorschrieb, ins Kloster zurückzukehren. Daraufhin verrichtete Scholastika ein stilles Gebet und plötzlich begann ein heftiger Sturm, so dass Benedikt nicht mehr nach Hause konnte. Benedikt war erschrocken und fragte seine Schwester: „Was hast Du gemacht?“ Darauf antwortete sie nur: „Ich habe Dich gebeten und Du wolltest nicht hören. Also habe ich meinen Gott gefragt und er hat mich erhört. Geh also, wenn Du kannst, in Dein Kloster zurück.“ Benedikt musst also bei seiner Schwester bleiben. Drei Tage später starb Scholastika, und Benedikt sah ihre Seele zum Himmel steigen in der Form einer weißen Taube.
Diese Begebenheit aus dem Leben der hl. Scholastika will uns lehren, dass wir mit all unseren Anliegen in kindlicher Einfachheit zu Gott gehen und Ihm voll Vertrauen unsere Anliegen vortragen. Dabei sollen wir aber nicht eigensinnig dem Herrgott mit dem Anliegen sofort die Lösung vortragen. Er selbst kennt ja unsere Anliegen und weiß viel besser was gut ist für uns. Tragen wir daher all unsere Sorgen, aber auch unsere Freuden von den Thron Gottes und legen wir unsere Leben mit kindlichem Vertrauen in seine Hände. Der Herr wird dann seinen Segen geben und für alles sorgen. Dominus providebit – Der Herr wird sorgen!
Das Fest der hl. Scholastika bietet darüber hinaus die Gelegenheit uns das benediktinische Motto par excellence wieder zu vergegenwärtigen: „ora et labora“ – bete und arbeite! Dieses Motto gilt nicht nur für die benediktinische Familie, sondern ist eine Spiritualität für die ganze Welt, gerade für den mitten in der Welt stehenden Laien. „Bete und arbeite!“ Allzu oft nehmen wir den arbeitsreichen Alltag als ein Hindernis auf dem geistlichen Weg wahr. Das sollte aber nicht so sein. Gewiss müssen wir uns auch Zeiten für das Gebet reservieren, damit wir nicht im Aktivismus versinken. Das Gebet soll aber auch nicht zum Ersatz der Arbeit werden. Vielmehr soll das eine das andere befruchten, so dass letzten Endes unser ganzes Leben und Arbeiten ein immerwährendes Gebet sein möge. Um dahin zu gelangen, eignen sich hervorragend die zahlreichen kleinen Stoßgebete, die die katholische Kirche kennt. Mit einem solch „kurzen Aufblick zum Himmel“ sollen wir uns den Tag hindurch und auch während der Arbeit immer wieder in die Gegenwart Gottes versetzen. Auf diese Weise ergänzen sich Gebet und Arbeit, sowohl in benediktinischen Klöstern, als auch für die Gläubigen in der Welt, wenn auch entsprechend der Standespflichten mit verschiedenen Schwerpunkten. Es grüßt Sie herzlich
Ihr P. Josef Unglert
Vorstellung P. Unglert
der Sommer ist in der Petrusbruderschaft und in ähnlichen Gemeinschaften immer eine beliebte Zeit um strukturelle und personelle Veränderungen vorzunehmen. So hat sich mit der Leitung des deutschsprachigen Distrikts Einiges in der Niederlassung in Köln geändert. Den neuen Hausoberen in Köln – Pater Gerstle, den ich seit meiner Seminarzeit gut kenne und der mir sicherlich ein väterlicher Begleiter in den ersten Jahren des Priestertums sein wird – haben Sie bereits kennengelernt. Nun ist die Reihe auch an mir, mich vorzustellen. Da ich aus dem schönen Bayernland stamme, begrüße ich Sie zu Beginn zunächst einmal mit einem herzlichen „Grüß Gott!“
Nach sieben Jahren der Seminarausbildung freut sich jeder Seminarist, auf die anstehende und lang vorbereitete Priesterweihe und die nun endlich beginnende Seelsorge. Für mich war es nun diesen Sommer endlich soweit. Am 26. Juni durfte ich aus den Händen von Erzbischof Wolfgang Haas in der prachtvollen Basilika von Ottobeuren das Sakrament der hl. Priesterweihe empfangen.
Da ich noch relativ jung bin – 26 Jahre – blicke ich auf ein noch nicht allzu sehr spektakuläres Leben zurück. Aufgewachsen bin ich zunächst auf einem kleinen Bauernhof im reizvollen Unterallgäu. Den größten Teil meiner Jugend lebte ich in der Kleinstadt Bad Wörishofen. Mit 19 Jahre, also direkt nach dem Abitur, habe ich mich dazu entschlossen in das internationale Priesterseminar St. Petrus der Priesterbruderschaft St. Petrus einzutreten. Nach dem Spiritualitätsjahr, den zwei Jahren Philosophiestudium und den drei Jahren Theologiestudium, haben ich in meinem Diakonatsjahr bereits erste praktische Erfahrungen in unserer Gemeinde in Bourges, Frankreich gesammelt.
Das Rheinland kenne ich bisher nur flüchtig, es ist also praktisch Neuland für mich. Allerdings sind die Rheinländer für ihren Humor bekannt und die Stadt Köln über den berühmten Kölner Dom hinaus für seine zahlreichen und schönen Kirchen. Sie kann also auf eine lange und glanzvolle katholische Geschichte zurückblicken, die von großen Gestalten wie dem Albert den Großen (13. Jh.) und Petrus Canisius (16. Jh.), geprägt ist. Albert der Große wurde nicht weit von meiner Heimat in Lauingen an der Donau geboren und wirkte lange als Universalgelehrter in Köln, wo er u.a. der hl. Thomas von Aquin zu seinen Schülern zählte. Petrus Canisius aus niederländischen Nijmwegen und hat sich große Verdienste darin erworben, die bedeutende Kirchenprovinz Köln für den katholischen Glauben zu erhalten, indem er auf die Absetzung des protestantisch gesinnten Erzbischof Hermann von Wied hinwirkte und um sich einen glaubenstreuen Klerus scharte, obwohl er selbst zu diesem Zeitpunkt die Priesterweihe noch nicht empfangen hatte. Auch er hat später in meinem Heimatbistum Augsburg gewirkt. Durch den großen und kleinen Katechismus, den er in Frage- und Antwortstil verfasste, hat er in überzeugender Weise die protestantischen Irrlehren widerlegt und den wahren Glauben gestärkt. Es ist eine schöne Fügung, dass unser Generalhaus sich in Fribourg, seinem Sterbeort befindet.
Heute leben wir in ähnlich bewegten Zeiten wie der hl. Petrus Canisius. Zwar ist keiner von uns Priestern ein zweiter Petrus Canisius, aber wir wollen dennoch mit unserem bescheidenen Wirken Ihnen, liebe Gläubige, zur Verfügung stehen. Für mich gilt es nach sieben Jahren des Studiums und des Gebets, nun das Erlernte in die Praxis umzusetzen und Ihnen als Seelsorger zur Verfügung zu stehen. Mir ist dabei freilich bewusst, dass es mir dabei noch an Erfahrung fehlt. Diese wird sich erst im Laufe der Jahre allmählich ergeben. Umso mehr freue ich mich, wenn Sie mir Gelegenheit geben, diese Erfahrung zu sammeln, indem Sie meine Dienste als Priester in Anspruch nehmen. Gerne werde ich Einladungen annehmen, um Sie und Ihre Anliegen näher kennen zu lernen, bzw. die hl. Sakramente zu spenden, sei es das Bußsakrament, die hl. Krankenkommunion oder auch bei schwerer Krankheit die hl. Krankensalbung. Scheuen Sie sich also nicht, mit Ihren Anliegen an uns heranzutreten.
„Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin. Und seine Gnade [soll] an mir nicht vergeblich gewesen [sein]“ (1 Kor 10,15). Dafür bitte ich Sie, liebe Gläubige, um Ihr eifriges Gebet.
Es grüßt Sie alle im Gebet verbunden herzlich,
Ihr P. Josef Unglert FSSP
Vorwort zum August/September-Rundbrief
wie Sie bereits aus dem Rundbrief Juli 2021 von Pater Andreas Fuisting erfahren haben, soll ich ab September in Absprache mit dem Generaloberen und meinem Nachfolger in der Distriktsleitung, P. Dreher, die Verantwortung für unsere Niederlassung in Köln übernehmen.
Ich freue mich, nach sechs Jahren wieder in die Gemeindeseelsorge zurückkehren zu dürfen. Nach meiner Priesterweihe 1991 habe ich reichliche Erfahrungen in unseren Niederlassungen in Stuttgart (1991-2004) und Gelsenkirchen (2004-2015) gesammelt, die ich nun schwerpunktmäßig in unseren Apostolaten in Köln und Düsseldorf einbringen kann. Pater Fuisting, der als Hausoberer schon über viele Jahre die Verantwortung getragen hat und dem ich dafür herzlich danke, bleibt der Niederlassung Köln erhalten. Er wird künftig von Mettmann aus für unsere oberbergischen Messorte in Remscheid, Wuppertal und Altenberg zuständig sein, was aber gelegentliche Einsätze in den anderen zur Niederlassung gehörenden Messorten und Apostolaten nicht ausschließt. Pater Marc Brüllingen wird ebenfalls weiterhin wie bisher zur Verfügung stehen. Die Hausgemeinschaft in Köln-Lindenthal wird Ende September unser Neupriester Josef Unglert ergänzen und unsere Seelsorge unterstützen, wofür ich sehr dankbar bin. Er wird zunächst am 26. September in Düsseldorf und dann am 3. Oktober in Köln eine Nachprimiz feiern und den Primizsegen spenden. Ich selbst werde meine neue Aufgabe offiziell am 5. September mit dem feierlichen Hochamt in der Maria-Hilf-Kirche in Köln beginnen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich den Mitbrüdern unserer Niederlassung in Oberhausen, Pater Klein und Pater Hengstermann, für Ihre sonntäglichen Aushilfen in Köln seit April ganz herzlich danken.
Ich bin mir bewusst, dass mich keine leichte Aufgabe erwartet. Vor allem unsere Gemeinde in Köln hat durch die beiden Abgänge von P. Miguel Stegmaier und P. James Mawdsley in jüngster Zeit gelitten. Manche Gläubige haben darauf mit Unverständnis reagiert. Sie verstehen, dass ich darauf nicht mehr eingehen möchte und wünsche, dass wir den Blick nach vorne richten. Nur wenn wir bereit sind, gemeinsam auf Gott zu schauen und unsere Eigeninteressen zurück zu stellen, wird es gelingen, die Gemeinde aus der Krise zu führen. Vor allem zwei Gründe waren für mich ausschlaggebend, dem Generaloberen anzubieten, die Verantwortung für die Niederlassung in Köln zu übernehmen: Erstens, weil ich um die schwierige Situation weiß und zweitens, weil ich überzeugt bin, dass es dort viel Potential für ein fruchtbares Apostolat und Seelsorge gibt. Ob es gelingt, in gemeinsamer Anstrengung die vorhandenen Probleme in guter Weise zu lösen, zur Einheit und einem guten Miteinander zu finden, Voraussetzungen für eine gute Gemeindeentwicklung, hängt von jedem Einzelnen ab. Die Kirche ist in einer so großen Krise und die Herausforderungen der Zeit sind so enorm, dass wir uns als relativ kleine Gemeinschaft Grüppchendenken und Parteiungen nicht leisten können.
In diesem Sinne zähle ich auf Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung!
Es grüßt Sie alle im Gebet verbunden herzlich
Ihr P. Bernhard Gerstle FSSP
Wigratzbad, im Juli 2021
Das Kostbare Blut unseres Herrn Jesus Christus
von P. Marc Brüllingen
- Soteriologisch.
– a) Wie der Alte Bund durch Opferblut eingeweiht wurde, so schloß Christus in seinem eigenen, am Kreuz vergossenen Blut den Neuen Bund (Mk 14,24; 1 Kor 11,25; Hebr 9,20). Durch dieses „Blut des Neuen Bundes“ stiftete er Frieden (Kol 1,20), erwarb er sich die Kirche (Apg 20,28), sind wir gerechtfertigt (Röm 5,9) und für Gott erkauft (Apk 5,9) haben wir Erlösung (Eph 1,7). Die Mitteilung der Erlösungsgnade an die Glieder der Kirche wird als Besprengung (1 Petr 1,2), Reinigung (Hebr 9,14; 1 Jo 1,7) oder Reinwaschen (Apk 7,14; 22,14) durch das Blut Christi beschrieben. Christus verlangt, daß man sein Blut „trinke“ (Jo 6,54-57). Darunter ist wie 1 Kor 11,26 f. dessen eucharistischer Empfang zu verstehen. 1 Petr 1,19 spricht schon vom „kostbaren Blut Christi“. Der Akzent liegt jedoch im Neuen Testament nicht auf dem Blut als materiellem Substrat, sondern auf der Sühne wirkenden Selbstaufopferung Jesu, die sich freilich auch vollziehen mußte in der Realität eines blutigen Todes und nicht bloß in „innerer Gesinnung“.
– b) Origenes bedient sich mitunter der unwürdigen Vorstellung, Christus habe sein Blut (oder Seele) zum Loskauf des Menschengeschlechtes dem Teufel übergeben. Unbegründet ist es, allgemein „der Patristik“ eine solche Erlösungsauffassung zuzuschreiben. – Bernhard von Clairvaux soll die Sentenz geprägt haben, daß ein einziger Tropfen des Blutes Christi zur Erlösung der ganzen Menschheit genügt hätte (vgl. Bernardin von Siena: ed. Q II 287).
- Das Blut Christi in der hypostatischen Union.
– a) Die Hochscholastik und vor allem das 15. Jh. sahen sich vor folgende Fragen gestellt: 1) „War das Blut Christi wie Leib und Seele hypostatisch der göttlichen Person geeint und blieb es das auch während des Triduum mortis?“ 2) „Kehrte das gesamte beim Leiden vergossene Blut christi bei seiner Auferstehung in den Leib zurück?“ Thomas von Aquin bejaht die 2. Frage uneingeschränkt (Quodl. V a.5; S. th. III q. 54 a.3) und bestreitet dementsprechend das Vorhandensein echter Reliquien des Blutes Christi. Seine Antwort zur 1. frage liegt in dem Prinzip: Verbum Dei numquam deposuit quod in nostra natura assumpsit (Das Wort Gottes hat niemals abgelegt, was in unserer Natur aufgenommen worden ist.). Der Scotusschüler Franciscus de Maironis stellt Thomas die These entgegen, das vergossene Blut habe sich mit der Trennung vom Leib auch von der Gottheit getrennt. Das besagte Prinzip beschränkt er mit Berufung auf Papst Leo den Großen und Johannes von Damaskus auf die menschlichen Wesensteile Leib und Seele.
– b) Über beide Fragen entspann sich 1462 zwischen Dominikanern und Franziskanern eine lebhafte Kontroverse, die in einer Disputation vor Papst Pius II. (18.-20. Dezember) gipfelte und zu dem Dekret vom 1.8.1464 führte.
– c) Das Decretum de SS. Eucharistia des Tridentinums nennt das Blut wie Leib und Seele „Teil Christi des Herrn“ und definiert, daß kraft der Wandlungsworte das (nun verklärte) „wahre Blut“ Christi gegenwärtig wird. Das läßt auf die „Identität“ des Blutes über das Leiden hinaus schließen und legt auch die Folgerung nahe: „Das Blut im Kelch ist mit der Gottheit vereint, also war es so auch mit dem vergossenen“ (Nikolaus von Kues: Haubst 324). Anderseits gilt dieser Schluß jedoch nur von dem vergossenen Blut, das tatsächlich wieder in den Leib aufgenommen wurde. Im Übrigen ist nach Ausweis der heutigen Physiologie und angesichts der auch bei Jesus durchweg natürlich verlaufenen physiologischen Lebensvorgänge die fortdauernde „Identität“ des Blutes nicht im Verbleib derselben Blutflüssigkeit oder -zellen zu sehen, sondern vielmehr darin, daß es jeweils von derselben Seele in demselben Leib belebt ist (s. Auferstehungsleib).
- Die Verehrung des kostbaren Blutes.
Das Blut des verklärten Christus ist, auch im Altarsakrament, im Hinblick auf die göttliche Person und mit dieser anzubeten. Falls es von der Passion zurückgebliebenes Blut gibt, ist dieses nicht mehr hypostatisch geeint. Solchen Reliquien gebührt deshalb auch nur ein relativer Kult, ähnlich wie den Bildern und dem hl. Kreuz Christi. Der Sinn der seit den Kreuzzügen aufblühenden Verehrung des kostbaren Blutes, die später besonders durch Katharina von Siena und Caspar del Bufalo neue Anregung erfuhr, und insbesondere des von Papst Pius IX. 1849 für die ganze lateinische Kirche angeordneten und durch Papst Pius XI. erhöhten Festes (1. Juli) liegt vor allem in dem Dank für die Erlösung durch den blutigen Kreuzestod Christi.
(nach: Lexikon für Theologie und Kirche; Verlag Herder Freiburg; 1958)
Zu Ehren des kostbaren Blutes genehmigte die Ritenkongregation am 24. Februar 1960 zum liturgischen Gebrauch die Litanei vom kostbaren Blut.
V./ A. Herr, erbarme Dich unser
V./ A. Christus, erbarme Dich unser
V./ A. Herr, erbarme Dich unser
V./ A. Christus höre uns
V./ A. Christus erhöre uns
V. Gott Vater im Himmel, A. erbarme Dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt
Gott Heiliger Geist
Heiligste Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott
V. Blut Christi, A. rette uns
Blut Christi, des Eingeborenen des ewigen Vaters
Blut Christi, des menschgewordenen Wortes
Blut Christi, des Neuen und ewigen Bundes
Blut Christi, n der Todesangst zur Erde geronnen
Blut Christi, bei der Geißelung vergossen
Blut Christi, bei der Dornenkrönung verströmt
Blut Christi, am Kreuze ausgegossen
Blut Christi, Kaufpreis unseres Heiles
Blut Christi, einzige Vergebung der Sünden
Blut Christi, im Altarsakrament Trank und Reinigung der Seelen
Blut Christi, Strom der Barmherzigkeit
Blut Christi, Besieger aller bösen Geister
Blut Christi, Starkmut der Märtyrer
Blut Christi, Kraft der Bekenner
Blut Christi, Lebensquell der Jungfrauen
Blut Christi, Stütze der Gefährdeten
Blut Christi, Linderung der Leidenden
Blut Christi, Trost der Weinenden
Blut Christi, Hoffnung der Büßenden
Blut Christi, Zuflucht der Sterbenden
Blut Christi, Friede und Wonne aller Heiligen
Blut Christi, Unterpfand des ewigen Lebens
Blut Christi, Erlösung aus den Tiefen des Reinigungsortes
Blut Christi, aller Herrlichkeit und Ehre überaus würdig
V. Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
A. verschone uns, o Herr.
V. Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
A. erhöre uns, o Herr.
V. Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt,
A. erbarme Dich unser.
V. Lasset uns beten. – Allmächtiger ewiger Gott, Du hast Deinen eingeborenen Sohn zum Erlöser der Welt eingesetzt und wolltest durch sein Blut Dich versöhnen lassen, so lasse uns denn, wir bitten Dich, den Lösepreis unseres Heiles verehren und durch seine Kraft vor den Übeln dieses Lebens auf Erden beschirmt werden, so dass wir uns im Himmel ewig seiner Frucht erfreuen dürfen, durch Christus unseren Herrn. A. Amen
Foto: Heike Hannah Lux
Zum Fest Fronleichnam
von P. Marc Brüllingen
1. Sein Fleisch ist wahrhaft eine Speise. Christus spricht im heutigen Evangelium (Joh 6,56-59) nicht mehr bildhaft, also von der Verbundenheit mit ihm durch den Glauben, sondern er spricht mit besonderer und auffallender Eindringlichkeit ständig zu wiederholten Malen vom Essen und Trinken, von wirklicher Speise und wirklichem Trank. Das Manna in der Wüste, das Wasser aus dem Felsen waren einerseits Symbole des geistigen Erfülltwerdens durch den Glauben. Beides war aber anderseits noch Symbol eines wirklichen Essens, einer Speise, die er gibt, und des Trinkens eines Trankes, den er reicht. Dieses Brot ist sein Leib, dieser Trank ist sein Blut. Die Juden verstehen ihn wörtlich: „Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?“ Er will auch wörtlich verstanden sein. Nur ist hier noch nicht ersichtlich, wie sein Fleisch das Brot ist, das er ihnen zu essen gibt. Das Wie bleibt hier offen. Erst die Abendmahlsszene am kommenden Osterfest wird ihnen zeigen, wie er seine Worte gemeint hat und wie sie die Erfüllung finden. Wenn er nämlich das Brot in sein Fleisch verwandelt und den Wein in sein Blut.
2. Diese Nahrung bewirkt in ihnen das Leben: Auch das wird mehrmals betont: „Das Brot, das ich gebe, ist mein Fleisch für das Leben der Welt… wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esset und sein Blut nicht trinket, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben… So wird der, der mich ißt, leben… Wer dieses Brot ißt, wird in Ewigkeit leben.“ Alle Sakramente der Kirche haben eine Beziehung zum neuen Leben aus Gott. Die Taufe spendet dieses Leben, die Firmung sichert es, die Buße gibt das verlorene Leben zurück, die Priesterweihe gibt die Fähigkeit, es auch anderen zu spenden, die Ehe verbindet natürliches und übernatürliches Leben, natürliche und übernatürliche Zeugung. Die Krankenölung stärkt das natürliche Leben und sichert das ewige Leben. Und mittendrin steht das eigentliche Sakrament des Lebens, die lebenerhaltende Speise des Fleisches Christi und der lebenerhaltende Trank des Blutes Christi.
3. Dieses Leben gewinnt der Mensch durch die Gemeinschaft mit Christus und durch Ihn mit dem Vater: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“ Der Mensch wird eins mit Christus in der Einswerdung der Communio. Und Christus wird eins mit ihm, der ihn in der Speise aufnimmt. Es ist dieser Assimilierungsprozeß, der im Zeichen des Essens und Trinkens gezeigt und in der unsichtbaren Wirklichkeit übernatürlichen Verbundenseins vollzogen wird. Der Lebensstrom quillt aus dem Vater: „Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich durch den Vater lebe, so wird auch der, der mich ißt, durch mich leben.“ Die Geburt des Sohnes aus dem Vater ist Lebensempfang. Das Aufnehmen des Sohnes durch den Genuß seines Fleisches und Blutes ist Empfang dieses Lebens für den Menschen. So wird die lebendige Einheit vollendet. Vom Vater her durch Christus in den Menschen hinein, vom Menschen durch Christus zum Vater hin. Gerade darum ist dieses Brot nicht nur von vorübergehender Wirkung wie das Manna, sondern wer dieses Brot ißt, wird leben in Ewigkeit. „Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.“ Christus ist das wahre Manna. Wer es ißt, stirbt nicht, denn wenn er auch äußerlich, körperlich stirbt, hat er doch ein Leben in sich, das nicht dem Tod verfallen ist, und selbst äußerlich, körperlich wird er auferweckt am Jüngsten Tag.
(nach: Richard Gutzwiller, Meditationen über Johannes; Benziger Verlag Einsiedeln Zürich Köln; 1958)




























