Hermann Joseph von Steinfeld

– ein Heiliger der Eifel

von P. Marc Brüllingen


Wohl kaum eine Persönlichkeit ist so mit der Eifel verbunden wie der hl. Hermann Joseph von Steinfeld. Viele, die von der Eifel hören, bringen mit dieser schönen Landschaft Steinfeld und den hl. Hermann Joseph in Verbindung. In der Tat wird Steinfeld jedes Jahr von mehreren Menschen besucht, die hierher kommen um die schöne Klosteranlage zu besichtigen sowie die großartige Basilika, in der sich das Grab des hl. Hermann Joseph befindet. Das Leben dieses großen volkstümlichen Heiligen steht in der Blütezeit der Hohenstaufen-Kaiser. Papst Innozenz III. (1198-1216) war in seinem Pontifikat auf dem Höhepunkt der kirchlichen Machtfülle. Rainald von Dassel war zu dieser Zeit Erzbischof von Köln und zugleich mächtiger Reichskanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation unter Kaiser Friedrich Barbarossa. Zeitgenossen von Hermann Joseph, ebenfalls bekannte Heilige, waren Hildegard von Bingen, Franz von Assisi, Dominikus, Elisabeth von Thüringen sowie Hedwig von Schlesien.

Der hl. Hermann Joseph wurde um 1150 in Köln als Sohn armer Eltern geboren. Wie die Legende erzählt, habe Hermann Joseph als Kind einmal die Kirche St. Maria im Kapitol besucht und sich vor einem Marienbild gekniet und dem Jesuskind auf dem Arm der Gottesmutter einen Apfel dargereicht. Jesus habe darauf die Hand ausgestreckt und die Frucht entgegengenommen. Nach diesem Erlebnis habe für Hermann Joseph festgestanden, daß er Priester werden wolle. Diese Begebenheit zeigte schon im zarten Kindesalter seinen vertrauten Umgang mit der Gottesmutter und ihrem göttlichen Kind.

Mit zwölf Jahren kam Hermann Joseph nach Steinfeld ins Prämonstratenserkloster. Der Eintritt ins Kloster begann für Hermann Joseph jedoch mit einer Enttäuschung. Er war der Ansicht, von nun an ein Leben des Gebetes und des Studiums führen zu können, zurückgezogen und allein in seiner Klosterzelle. Der Abt aber übertrug ihm zunächst das Amt des Speisemeisters, und Hermann Joseph mußte sich nun Tag für Tag um die Einkäufe der notwendigen Lebensmittel für die Klostergemeinschaft kümmern. Er hatte soviel zu tun, daß er nicht mehr in dem von ihm gewünschten Maß zu Gebet und Besinnung kam. Weil Hermann Joseph so innerlich in seinem Herzen beunruhigt war, soll er daraufhin in seiner unglücklichen Lage, so erzählt die Legende, zur Muttergottes gebetet haben und sich über den in seinen Augen „unglücklichen“ Verlauf des Klosterlebens beklagt haben. Maria soll ihm daraufhin geantwortet haben: „Wisse, daß du mir nichts Angenehmeres tun kannst, als deinen Brüdern in aller Liebe zu dienen.“

Später übertrug man ihm das Amt des Sakristans. Hermann Joseph erhielt von seinen Mitbrüdern seinen zweiten Namen „Joseph“ aufgrund seiner glühenden Marienverehrung. Bekannt dafür ist ein Gemälde von Antonius van Dyck (1599-1641): Die mystische Vermählung Hermann Josephs mit der Gottesmutter (Die Muttergottes berührt auf dem Gemälde die Hand von Hermann Joseph).

Trotz harter Bußstrenge gegen sich selbst, hatte Hermann Joseph ein gütiges und mitfühlendes Herz für seine Mitmenschen. Dies geht besonders daraus hervor, daß er ein eifriger Seelsorger war, der sich als solcher für die leiblichen und seelischen Nöte seiner Mitmenschen einsetzte, besonders auch als begehrter Beichtvater und Seelenführer der Ordensfrauen in verschiedenen Klöstern. Hermann Joseph, der nicht nur ein vorbildlicher Priester und Seelsorger war, war darüber hinaus auch ein begnadeter Mystiker. Seine mystische Frömmigkeit kommt besonders in seinen zarten wie innigen Gebeten und Hymnen zum Ausdruck, welche die vollendete Hingabe einer der Welt entrückten und ganz Gott hingegebenen Seele wiederspiegeln.

Von seinen Werken sind erhalten: der große Marienhymnus „Gaude, plaude, clara Rosa“; der Hymnus auf das göttliche Herz Jesu „Summi Regis cor, aveto“; das Jubellied auf die heilige Ursula und ihre Gefährtinnen (Stadtpatrone von Köln) „O vernantes Christi rosae“; ferner die Sequenz auf die heilige Ursula „Virginalis turma sexus“; schließlich die zwölf Dankgebete zum Erlöser; der innige eucharistische Hymnus „Jesu, dulcis et decore“ sowie seine Betrachtungen über die fünf Freuden Mariens „Gaude Virgo gratiosa“. Hermann Joseph ist auch Verfasser einer verloren gegangenen Erklärung zum Hohen Lied.

Hermann Joseph starb in sehr hohem Alter an einem Donnerstag nach Ostern (wahrscheinlich am 7. April 1241) im Kloster der Zisterzienserinnen in Hoven bei Zülpich, wo er während der Fastenzeit der Kommunität noch einen Besuch abstattete. Als Hermann Joseph bei diesem letzten Besuch das Kloster betreten hatte, malte er mit seinem Stock die Form eines Grabes auf den Boden und sagte: „Hier werdet ihr mich begraben.“ Nach dieser Visitation war der schwache Hermann Joseph nicht mehr in der Lage, die Heimreise anzutreten und schloß bald darauf seine Augen für immer. Die Zisterzienserinnen bestatteten ihn in Hoven. Doch seine Mitbrüder ruhten nicht eher, bis sie seinen Leichnam nach Steinfeld überführen durften, um ihn dort beizusetzen. Auf Bitten der Prämonstratenser von Steinfeld veranlaßte der Kölner Erzbischof die Überführung der sterblichen Hülle Hermann Josephs von Hoven nach Steinfeld. Es wird berichtet, daß die Eifeler Bevölkerung mit brennenden Kerzen und Fahnen Hermann Joseph entgegen gezogen sei, um ihn für im-mer heimzuholen. Seitdem wird sein Grab durch viele Wunder verherrlicht.

Von seinem Tode an setzte eine große Verehrung für diesen liebenswürdigen Heiligen ein, die sich im Laufe der Jahrhunderte immer mehr ausbreitete, so daß Hermann Joseph nicht nur in den europäischen Ländern, sondern sogar auch in Nord- und Südamerika verehrt wird. Der Prozeß um die Heiligsprechung Hermann Josephs entwickelte sich in den letzten drei Jahrhunderten nur mühsam, so daß erst Papst Pius XII. (1939-1958) am 11. August 1958 den heroischen Tugendengrad und die große Verehrung dieses Heiligen anerkannte. Über den „Heiligen der Eifel“ veröffentlichte Papst Johannes XXIII. (1958-1963) im Jahre 1958 ein Dekret, in dem es auszugsweise heißt: „In der katholischen Kirche gibt es immer Menschen, die den Gipfel der Heiligung tapfer erreicht haben und so auf den Leuchter gestellt wurden, um anderen den Weg zum Heil zu weisen. Zu diesen ausgezeichneten Menschen gehört mit Recht der Diener Gottes Hermann Joseph, Priester aus dem Orden der Prämonstratenser, selig oder heilig genannt. Dieser Mann steht bis heute im Bewußtsein der Völker deutscher Zunge als frommer Diener Gottes, reichlich ausgestattet mit Tugend und voll zarter Liebe zur seligsten Jungfrau Maria“. 1960 erfolgte seine Heiligsprechung. Seit 1923 betreuen die Salvatorianer (Ordensgesellschaft des Göttlichen Heilandes) die Wallfahrtsstätte zum Grab des hl. Hermann Joseph.

Hermann Joseph gilt als Patron der Kinder und der heranwachsenden Jugend. Priester und Ordensleute sehen ihn als ihr geistliches Vorbild. Auch die Uhrmacher verehren ihn als Patron, weil Hermann Joseph Uhren angefertigt und repariert haben soll.

Dargestellt wird Hermann Joseph meist als Prämonstratenser-Chorherr mit dem Kelch in der Hand, aus dem drei Rosen hervorsprießen, deutende Zeichen seiner mystischen Begnadungen, besonders bei der heiligen Messe. Ebenfalls bringt eine Holzplastik aus dem Jahre 1500 im rechten Seitenschiff der Steinfelder Basilika den Heiligen treffend zum Ausdruck, mit einem scharf geschnit-tenen herben Antlitz. Andere Darstellungen: Mystische Vermählung Hermann Josephs mit der Gottesmutter (Altarbild des Hermann-Joseph-Altars in Steinfeld); Grabplastik: der Heilige mit der Lilie und dem Jesuskind auf dem Arm. Sehr bekannt ist vor allem die Darstellung jener mystischen Be-gebenheit, bei der er als Kind in der Kölner Kirche St. Maria im Kapitol der Muttergottes einen Apfel anbietet, den das Jesuskind annimmt.

„Im wunderschönen Monat Mai“

von P. Andreas Fuisting


„Ich sehe dich in tausend Bildern,
Maria, lieblich ausgedrückt,
doch keins von allen kann dich schildern,
wie meine Seele dich erblickt.
Ich weiß nur, daß der Welt Getümmel
seitdem mir wie ein Traum verweht,
und ein unendlich süßer Himmel
mir ewig im Gemühte steht.“

Diese wunderbare Liebeserklärung an die Gottesmutter des vielleicht berühmtesten frühromantischen Dichters, Friedrich Freiherr von Hardenberg (1772 – 1801), genannt Novalis, wollen wir natürlich nicht nur im Mai über unsere Beziehung zu Maria stellen. Trotzdem ist dieser Monat in einer besonderen Weise der Verehrung der Mutter Gottes geweiht.

Die ersten Spuren der Maiandacht finden sich beim Mystiker aus dem Dominikanerorden, Heinrich Seuse (gest. 1365). Aus seinem Tagebuch erfahren wir, wohl von sich in der Dritten Person erzählend: „Er pflegte in der angehenden Maien seiner allerliebsten himmlischen Frau mit großer Andacht einen Kranz von Rosen aufzusetzen. Und er ging vor ihr Bild … und fing an, … der Mutter eine Sequenz zu singen … Und da er ausgesungen, kehrte er sich zu der herzlichen Weisheit (dem Kind auf ihrem Schoß) und neigte sich zu ihr nieder … und lobte sie mit Singen und Sagen, mit Gedanken und Begierden, so gut er es nur immer konnte.“

Der entscheidende Schritt zur heutigen Maiandacht bestand darin, daß P. Annibale Donese SJ, in einem Maibüchlein den Gedanken des Monatspatronates der Heiligen auf den Mai und die Mutter Gottes anwandte (1725). Die ausdrückliche Bestätigung durch den Heiligen Stuhl und Segnung der Andacht erfolgte 1815.

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Hier nun eine kurze Andacht zur Gottesmutter für Sie, liebe Freunde, zum Pfingstfest; entnommen dem Büchlein „Marienlob“, Andachten zur Gottesmutter für den Monat Mai und zu Marienfesten, herausgegeben von Josef Gülden, Christopherus-Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br. und Düsseldorf.

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V. Also berichtet die Apostelgeschichte von dem einmütigen Gebet der Urgemeinde mit Maria, der Mutter des Herrn (Apg. 1,13 f.): „Als sie nach Jerusalem gekommen waren, stiegen sie in den Obersaal hinauf, wo Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Eiferer und Judas (der Bruder des Jakobus) beisammen blieben. Diese alle beharrten einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und samt seinen Brüdern.“

Da, wo die Urgemeinde, die junge Kirche des Herrn, ihr Pfingsten erwartet, um mit Heiligem Geist erfüllt zu werden, ist Maria mitten unter den Aposteln und Jüngern des Herrn. Ihre Seele ist erfüllt von österlicher Freude. Zehn Tage lang beharren sie einmütig im Gebet und rufen:

A. Komm, Heiliger Geist!

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S t i l l e

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B e t r a c h t u n g: So wie die Heilige Schrift über die Jugend Mariens schweigt, so endet auch ihr Leben in vollkommenem Schweigen. Aber nur ihr irdisches Leben! Im ewigen lebt und herrscht sie als Königin des Himmels; dort ist sie auch unsere mächtige Mutter und Fürsprecherin bis zu jenem Tag, da sich die letzte Weissagung ihres Magnificat erfüllt hat.

Bete nun still ein Ave Maria.

V. Lasset uns beten: Heilige Maria, inmitten des Tages deiner Herrlichkeit vergiß nicht die Betrübnisse der Erde! Schau voll Güte auf alle, die Leid tragen, auf alle, die mit Schmerzen zu kämpfen haben, auf alle, die ohne Unterlaß die Bitterkeit des Lebens verkosten müssen. Habe Mitleid mit denen, die sich lieben und (dennoch) getrennt sind; habe Mitleid mit der Einsamkeit des Herzens; habe Mitleid mit der Schwäche unseres Glaubens; habe Mitleid mit denen, die wir lie-ben; habe Mitleid mit allen, die weinen, mit denen, die flehen, mit denen die zittern. Gib ihnen Hoffnung und Frieden!

A. Amen.

V. Heilige Maria!

A. Bitte für uns!


Foto: Heike Hannah Lux

Predigt von Bischof Dr. Rudolf Graber

 … am 2. Februar 1975 bei der Priesterweihe im Kloster Paring:


„Das Fest Maria Lichtmeß oder … Darstellung des Herrn ist heute im neuerstandenen Kloster Paring durch eine Priesterweihe ausgezeichnet … Schon der alte Name Maria Lichtmeß ist bedeutsam für diese Priesterweihe; denn Priester und Maria gehören eng zusammen. Aber von noch größerer Bedeutung scheint mir der … Name zu sein: Darstellung Jesu im Tempel. Und hier müssen wir etwas weiter ausholen. Im Evangelium steht der inhaltsschwere Satz: ‚Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein‘ (vgl. Ex. 13,2. 12. 15). Diese Vorschrift erinnert an ein Ereignis beim Auszug der Israeliten aus Ägypten. Der König hatte das Volk nicht ziehen lassen. Gott sandte eine Plage nach der anderen, um den König zur Sinnesänderung zu bewegen. Als alles nichts nützt, greift Gott zu der schlimmsten Plage: Jede Erstgeburt der Ägypter muß sterben. Und so geschah es. Und nun läßt der König das Volk ziehen. Von da an ist nun auch die männliche Erstgeburt der Israeliten, die damals verschont geblieben waren, dem Herrn zugehörig. Er, Gott, erhebt Anspruch.

Im lateinischen Text steht das vielsagende Wort: consecrabis, du sollst die Erstgeburt dem Herrn weihen. Die Priesterweihe ist eine solche Konsekration Gott gegenüber, und das ist die erste Richtung, die in diesem Sakrament zutage tritt: dem Herrn, Gott geweiht. Gott hat seine Hand auf einen Menschen gelegt, er nimmt ihn in seinen Dienst, er durchdringt ihn ‚mit dem Feuer seiner Liebe‘ und ‚gestaltet ihn um‘ (Augustinus). Das ist unendlich mehr als eine reine Beauftragung, wie das heute sogar von hoher Seite behauptet wird. Es ist die totale Inbesitznahme eines Menschen durch Gott, der eine umwandelnde Kraft innewohnt, und dem entspricht von seiten des Menschen die totale Hingabe, wie das heute in der lectio brevis (Kurzlesung) der ersten Vesper (gemeint ist hier in der erneuerten Form der Liturgie) mit den Worten des Hebräerbriefes von Christus ausgesagt wird: ‚Darum spricht Christus beim Eintritt in diese Welt: Opfer und Gaben verlangtest du nicht, einen Leib aber hast du mir bereitet; an Brand- und Sühnopfern findest du kein Gefallen. Da sprach ich: siehe, ich komme … um deinen Willen zu vollbringen‘ (Hebr. 10,5-7). Das ist nun Ihre Aufgabe: mit Ihrem ganzen Sein und Handeln einzugehen in den Willen Gottes, Gott hingegeben und geopfert, so wie ihr Ordensgründer, der hl. Augustinus es sagt: ‚Demnach ist der Mensch überhaupt, wenn er durch den Namen Gottes geweiht und Gott überantwortet ist, ein Opfer, sofern er der Welt stirbt um Gott zu leben. – Ipse homo, Dei nomine consecratus et devotus, inquantum mundo moritur, ut Deo vivat, sacrificium est.‘ (De Civitate Dei, i. X, c. VI) Ein wunderbares Wort. Wohl klingt das Wort der Welt vom Absterben negativ, aber wir dürfen nicht vergessen, dieses Absterben ermöglicht das Leben, das Leben für Gott. Leider ist diese erste Ausrichtung des Priesters auf Gott vielfach in Vergessenheit geraten, und die Krisis der Priester von heute rührt nicht zuletzt davon her, daß man diese innerliche consecratio vergißt und sogar leugnet.

Das heutige Festgeheimnis sagt uns aber ein Zweites, das auf die andere Richtung des Priestertums hinweist. Jede männliche Erstgeburt, so hörten wir, ist dem Herrn geweiht und damit eigentlich ihm überlassen, so wie die Erstgeburt der Ägypter. Aber nun bestand im mosaischen Gesetz die Möglichkeit, diese Erstgeburt gleichsam loszukaufen und auszulösen, sie also zurückzuerhalten, und dafür mußte ein Preis bezahlt werden, im heutigen Evangelium ‚ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben‘, das Opfer der Armen. Das bedeutet: der Vater im Himmel gibt seinen Sohn den Eltern zurück, damit er seine Aufgabe auf Erden erfüllen kann, die Erlösung der Menschen. Der Priester ist Gott geweiht ganz zu seinem Dienst und doch zu gleicher Zeit, wie der Hebräerbrief sagt: ‚Für Menschen bestellt, damit er Gaben und Opfer darbringe für die Sünden‘ (5,1). Das alles scheint selbstverständlich, ist es aber nicht.

So wie man bei der ersten Ausrichtung des Priesters auf Gott hin die Konsekration leugnet und durch eine Beauftragung ersetzt, so verlegt man heute die zweite Ausrichtung des Priesters auf die Menschen hin in das rein Soziale, ähnlich wie man heute da und dort in der Kirche fast nur mehr einen Verein für caritative Aufgaben und Entwicklungshilfe sieht. Da haben doch jene Drehbuchautoren viel tiefer gedacht, die vor Jahren den Film drehten ‚Gott braucht Menschen‘. Ich weiß nicht, wer diesen Film gesehen hat und sich noch erinnert: Ein Inseldorf, das nicht gerade in gutem Ruf steht, verliert seinen Pfarrer. Kein Priester will auf diese verrufene Insel. Und auch der Bischof schickt niemanden mehr. Gewiß, diese verwegenen Fischer, diese Strandräuber, sind wirklich keine Heiligen. Aber sie wollen, wie sie sagen, nicht sterben wie die Hunde, sie wollen eine Segenshand, die sich erhebt zum Zeichen der Lossprechung. Sie wollen einen Menschen, der ihnen ins Gewissen redet. Sicherlich, Gott ist überall, aber man will ihn doch nahehaben, man will wissen: Wenn ich dahin gehe in die Kirche, dann weiß ich: hier ist er ganz bestimmt. Und diese Menschen wollen einen, der ihnen die Gegenwart Gottes verbürgt. Sie wollen einen, der sie durch das dunkle Tor des Todes hindurch geleitet in ein besseres Leben. Das wollen Menschen vom Priester.

Das hat sogar einer gespürt, den man den Mörder Gottes genannt hat, Friedrich Wilhelm Nietzsche, der vor 75 Jahren (im Jahr 1900) gestorben ist und der von den Priestern einmal sagt: ‚ Es bedarf nämlich auch für den seelischen Unrat der Abzugsgräben und der reinlichen, reinigenden Gewässer drin, es bedarf rascher Ströme der Liebe und starker, demütiger, reiner Herzen, die zu einem solchen Dienst der nichtöffentlichen Gesundheitspflege sich bereitmachen und opfern – denn es ist eine Opferung, ein Priester ist und bleibt ein Menschenopfer‘ (Johann Kosnetter, Nietzsche und das katholische Priesterbild, Wien 1969, S. 12). Ist das nicht im höchsten Grad seltsam und eigenartig, daß ausgerechnet dieser Mann so vom Priester spricht? Wahrhaftig, er hat die Bedeutung des Priesters gerade für unsere Zeit der moralischen Zersetzung und Verwilderung viel tiefer begriffen, als selbst so mancher Priester der heute seinen Stand verläßt. Und merkwürdig, auch Nietzsche gebraucht jenen Ausdruck, auf den wir den Akzent gelegt haben, der das Wesen des priesterlichen Seins und Tuns ausmacht: der Priester ist ein Menschenopfer. Mit dem sacrificium, mit dem Opfer steht und fällt das Priestertum, steht und fällt der Priester.

Und damit sind wir eigentlich schon bei dem letzten Gedanken angelangt, der mit dem eben Gesagten eng zusammenhängt. Ihr wißt, wie es heute mit dem Priesternachwuchs bestellt ist und ihr selbst habt erfahren, was es heißt keinen Priester mehr am Ort selber zu haben. … Aber nicht jede priesterlose Gemeinde hat das unverhoffte Glück ein Kloster zu bekommen. Sollte Eure Dankbarkeit nicht darin bestehen, einen Gebetskreuzzug zu beginnen, um Priesterberufe von Gott zu erbitten. Ein Beispiel, wie segensreich ein solches Gebet werden kann, gibt die Gemeinde Lu in Oberitalien. Der ‚Almanach (=kalendarisch angelegtes Jahrbuch) für das Bistum Münster‘ 1949 berichtet darüber: ‚Die Pfarrei Lu in Norditalien zählt 4.000 Seelen. Um 1870 war in Lu kein Priester mehr da. Einige Mütter fingen dann an, regelmäßig zusammenzukommen und gemeinsam um Priesterberufe zu beten. 1881 erhielt Lu wieder einen eigenen Seelsorger. Die Mütter hörten aber nicht auf, in diesem Anliegen zu beten. Einen Sonntag im Monat machten sie zu einem besonderen Tag des Gebets, feierten die hl. Messe … in diesem Sinne und beteten dann gemeinsam: ‚O Gott, gib, daß eines meiner Kinder Priester wird. Ich will als wahre Christin leben und will die Meinen zu allem Guten anhalten, damit ich dereinst die Gnade erlange, dir, o Herr, einen heiligen Priester schenken zu dürfen.‘ Aus der Gemeinde gingen auf dieses Gebets- und Opferleben hin 500 Priester- und Ordensberufe hervor. Auch sonst blüht das Pfarrleben: täglich wenigstens 160 heilige Kommunionen, 70.000 im Jahre, jede Familie hat im durchschnittlich 6 bis 9 Kinder. – Im September 1947 war eine Zusammenkunft der noch lebenden 235 Priester und Ordensleute. An die 200 waren da. Die anderen waren durch Alter, Krankheit oder zu weite Entfernung verhindert. Am Fest Mariä Geburt war eine große Dankprozession. Ein ergreifendes Bild: das ganze Volk von Lu geht mit den Reihen ihrer erwählten Söhne und Töchter in der Prozession mit. Der Gottesmutter Bild wird mitgetragen. Die Priester begleiten das Allerheiligste, dem sie dienen‘ (Dr. A. Schuldis, Werk aller Werke, Freiburg 1953, S. 80).

Könnte nicht auch in unserem Bistum ein solches Lu entstehen? Man spricht heute nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil so viel von der Mündigkeit der Laien. Diese Mündigkeit bedeutet, Verantwortung mitzutragen für die Kirche. Diese Verantwortung besteht aber nicht darin, überall mitzureden und mitzuentscheiden, sondern vor allem mitzubeten und mitzuopfern für die Kirche, für die Welt, für den Frieden in der Welt, für die Hungernden in der Welt und nicht zuletzt für die geistlichen Berufe.

So möge denn von diesem Lichtmeßtag, von diesem Priesterweihetag ein Licht ausgehen in diese Gegend und in unser ganzes Bistum gemäß der Mahnung des Apostels: ‚Nun aber seid ihr Licht im Herrn; wandelt als Kinder des Lichtes‘ (Eph. 5,8). Diese Mahnung gilt aber vor allem Ihnen, lieber neugeweihter Priester, ein Licht zu sein zur Erleuchtung der Heiden, das heißt der vielen heute nicht mehr Glaubenden und Zweifelnden; … Licht zu sein, … daß sie, wie wir in den preces (Fürbitten) beten, erkennen den einzig wahren Gott und den du gesandt hast, Jesus Christus. Maria aber, deren Seele nach Simeons Weissagung vom Schwert des Schmerzes gerade heute durchbohrt ist, möge unsere Bitten tragen zu ihrem Sohn und vor den dreifaltigen Gott. Amen.

(aus: Graber, Rudolf [Sammlung] „Froher Glaube“: Predigten, Ansprachen, Vorträge, mit einem Vorwort von Johannes Auer -1. Aufl.- Regensburg: Pustet, 1976)

Der Altar

von P. Miguel Stegmaier und P. Marc Brüllingen


“ Quid est altare, nisi sedes et corporis et sanguinis Christi? “
(hl. Bischof Optatus von Mileve, † vor dem 4. Jh.)
“ Was ist der Altar, außer der Sitz des Leibes und Blutes Christi? „

Beim Eintritt in ein Gotteshaus fällt der erste Blick ganz unwillkürlich auf den Altar. Die Säulen und Pfeiler, alle Linien der Architektur nehmen in einer nach liturgischen Grundsätzen, die bis noch vor wenigen Jahrzehnten gegolten haben, erbauten Kirche mit sanfter Gewalt den Blick gefangen und führen ihn nach vorne, wo der Altar sich erhebt.

Der Altar, der vornehmste Teil der Kirche, „das Herz des Gotteshauses“, ist der Opfertisch (trapeza auf Griechisch, mensa auf Latein), auf dem das hl. Meßopfer gefeiert wird (lat.: altare von alta ara, „erhöhte Unterlage“ für gottgeweihte Gaben). Deswegen wird der Ort, wo der Altar steht, das Heiligtum, „Sacrarium“, genannt. Daher nennen die ältesten Kirchenväter ihn den heiligen Tisch (auf Grieschisch tò thousiasteérion) oder Tisch des Herrn, wie der hl. Ignatius von Antiochien in seiner Epistel an die Epheser schreibt: „Wenn jemand nicht im Bereich des Altares sei, nehme er Abstand von dem göttlichen Brot“.

Die Verbindung des Altares mit der Märtyrerverehrung führte eine Umgestaltung des Altares herbei. Bereits im 5. Jahrhundert schreibt das Konzil von Karthago vor, alle Altäre zu entfernen, in denen sich keine Märtyrerreliquien befänden. Gern stellte man den Altar jetzt auf Friedhöfe (lat.: coemeteria) über oder vor ein Martyrergrab, zu dem die Gläubigen hinuntersteigen oder durch ein Gitter hineinschauen konnten (wie beim Grab des hl. Paulus in der Kirche St. Paul vor den Mauern). Auch wurde dem Altar der Name „Confessio“ gegeben, weil sie die Gebeine der hl. Märtyrer enthielt. Der Name eines Märtyrers prägte auch den Namen des Altares. So wurde der Altar über dem Grab des hl. Cyprian vom hl. Augustinus selbst „Mensa Cypriani“, ‚der Tisch des Cyprian‘ genannt.

Bis ins 4. Jahrhundert befand sich in jeder Kirche nur einen Altar. Man sah ihn als den Mittelpunkt der Einheit an, die den Bischof und die Priester mit den Gläubigen in einem Glauben verband. Daher heißt es in den apostolischen Satzungen: „einen andern Altar errichten, [heißt] so viel wie sich vom Bischof trennen“. Im 4. Jahrhundert erscheint nach gestiftetem Kirchenfrieden, die Verordnung, steinerne Altäre zu errichten, die sogennanten Seitenaltäre oder Nebenaltäre. In der Kirche von Jerusalem standen vier Altäre, der Hauptaltar stand in der Mitte der Kirche, die drei anderen um ihn herum im „Sacrarium“. Weitere Altäre, die bald in den Seitenschiffen errichtet wurden, nahmen keine Beziehung zum Hauptaltar ein, weil lediglich dieser, nach dem Zeugnis des hl. Optatus von Mileve, „der Sitz des Leibes und Blutes Jesu Christi ist“ (Optat. Lib. 6. contr. Parmenian. Cap. 1). Im 6. Jahrhundert beginnt man auch in Frankreich und Deutschland mehrere Altäre in einer Kirche aufzustellen. In der Kirche St. Peter zu Bordeaux befand sich ein Altar auf einer Anhöhe und in einer Krypta ein weiterer Altar. Dies fand man auch in mehreren anderen Kirchen, weshalb der ‚Hauptaltar‘ (altare maius) bei den Deutschen ‚Hochaltar‘ (altare summum) genannt wurde. Daher ist die Behauptung einiger Gelehrter falsch, in früheren Zeiten habe es nur einen Altar gege-ben, an dem auch nur ein Opfer täglich dargebracht wurde. Nach dem Zeugnis des hl. Eusebius beispielsweise brachten mehrere Bischöfe am Tag der Kirchenweihe zu Jerusalem das hl. Messopfer für den gemeinschaftlichen Frieden dar (Vid. Vita Constant. Lib. Ult. Cap. 45). Papst Leo I. befahl sogar, daß wegen der großen Anzahl der Gläubigen an besonderen Festtagen das hl. Meßopfer so oft wiederholt werden möge, wie sich eine hinlängliche Zahl an Gläubigen in der Kirche einfänden: „sacrificii oblatio indubitanter iteretur“ ‚Zweifellos soll das Messopfer wiederholt werden‘ Epist. 81. Cap.2.

Wie das Gotteshaus, die Kirche, so hat auch der Altar eine Entwicklung und im Laufe der Jahrhunderte eine mehrfache Umgestaltung erfahren. Der erste christliche Altar war der Tisch, auf dem der Herr selbst im Abendmahlssaal das unblutige Opfer darbrachte. Das war ein gewöhnlicher Holztisch, wie er eben bei einer feierlichen Mahlzeit verwendet wurde. Sicher ist auch, daß in den ersten Jahrhunderten die Altäre aus Holz waren. Der hl. Optatus von Mileve (+ 400 Jh.) wirft dem Donatisten Parmenian vor, daß er die Altäre gebraucht habe, um Feuer anzuzünden. Bis zum 6. Jahrhundert hielt sich der Brauch von Holzaltären, doch nahm man schon in alter Zeit auch Steine und salbte sie mit Chrisam zu Opferstätten. In den Katakomben bildete für gewöhnlich ein mit einer Steinplatte bedecktes Märtyrergrab den Altar zur Feier der Opfergeheimnisse. Als die Verfolgung der ersten Jahrhunderte vorüber war, galt zunächst der Brauch und schließlich die strenge Vorschrift der Päpste, daß nur noch steinerne Altäre geweiht werden durften. Papst Silvester I. errichtete zuerst in Rom einen steinernen Altar aus feinstem Marmor, ohne dass man jedoch ganz vom Brauch der hölzernen Altäre abkam. Die steinernen Altäre werden hier „altaria fixa“, ‚feststehende Altäre‘ genannt. Feststehende Altäre gab es in der ersten Zeit nicht. Man hielt die hölzernen Altäre für tragbare Altäre (altaria portatilia). Man hatte eben sowohl hölzerne feststehende , ‚fixa lignea‘, als auch steinerne tragbare, ‚lapidea portatilia‘, Altäre.

Der christliche Altar besteht aus drei Teilen: die Altarplatte, das Reliquiengrab (Confessio, Subconfessio oder auch Subcorpus gennannt) und der Unterbau.

Die Hauptsache beim Altar ist der Unterbau und die Steinplatte (=Altarplatte), worauf Hostie und Wein konsekriert werden: das übrige ist Zutat und Ausschmückung, welche im Laufe der Jahrhunderte sich in mannigfacher Weise gestaltete. Ohne Genehmigung des Bischofs darf ein Altar weder errichtet noch abgebrochen werden. Die Vorschrift der Kirche, dass der Altar aus natürlichem Stein bestehen müsse, beruht auf praktischen und symbolischen Gründen. Er ist etweder unbeweglich oder beweglich (Tragaltar). Der wesentliche Unterschied zwischen dem unbeweglichen und beweglichen Altar liegt darin, dass ersterer aus einer meist umfangreicheren Steinplatte und einem steinernen Untersatz besteht, die beide nicht bloß zusammengemauert, sondern auch konsekriert und durch bischöfliche Salbung so zu einem Ganzen verbunden werden, dass jede Trennung derselben den Verlust der Konsekration herbeiführen würde, während letzterer nur aus einem einfachen, meist kleineren Stein besteht, der allein konsekriert wird und in jeden Unterbau beliebig eingefügt und wieder daraus entfernt werden kann, ohne dass er die Konsekration verlieren würde.

Zum unbeweglichen Altar gehören drei Stücke: Altarplatte oder Altartisch, Untersatz oder Unterbau und Reliquiengrab. Die steinerne Altarplatte darf nicht aus mehreren Bruchstücken zusammengesetzt sein, sondern muss aus einem einzigen und unversehrten Stein bestehen. Wegen seiner hohen Bestimmung und als Sinnbild Christi soll der Altarstein nicht nur Festigkeit, sondern auch Einheit besitzen. In der Regel werden auf demselben – an den vier Ecken und in der Mitte – fünf Kreuze eingemeißelt. – Der Unterbau, auf welchem der Altartisch ruht, wird entweder aus steinernen Säulen bzw. Pfeilern gebildet, wodurch der Altar tischförmig erscheint, oder er wird aus einem Mauerwerk bzw. Steinwerk ausgeführt, was ihm die Form eines Sarges verleiht. – Das Grab, d.h. die Höhlung oder Vertiefung, in welche das Gefäß mit den Reliquien gelegt wird, kann in der Altartafel oder im Untersatz angebracht werden.

Unter Tragaltar versteht man eine viereckige Steinplatte (ara lapidea), in welche ein Reliquiengrab gehauen ist: diese Steinplatte muss wenigstens so groß sein, daß die Hostie und der größere Teil des Kelches darauf Platz haben. Sie wird auf den provisorischen Altar gelegt oder in den Unterbau von Holz oder Stein so eingelassen, dass sie von der Vorderseite des Altares nicht weit absteht. Das Grab zur Aufbewahrung der heiligen Reliquien muß beim Tragaltar auf der oberen Seite oder Fläche des Steines angebracht und selbstverständlich mit einer steinernen Tabula verschlossen werden, da dieser Verschluss einen wesentlichen Bestandteil des Altares bildet.

Der Grund für die Einschließung der Reliquien von Märtyrern hat seine Bedeutung darin, daß jene, die als Opfer für Christus ihr glorreiches Blut vergossen haben, am Fuße des Altares ruhen sollen, auf dem das Opfer Christi gefeiert wird, welches ihnen Heldensinn und Kraft zum Martyrium verliehen hatte. Das Ruhen der Märtyrer in oder unter dem Altar soll die innige Verbindung zwischen ihnen und dem Lamm Gottes, wie sie im Leiden stattfand und jetzt im Himmel besteht, anzeigen.

„Mit Recht ruhen unter dem Altar die Seelen der Gerechten, weil auf dem Altar der Leib des Herrn geopfert wird. Ganz ziemend und gleichsam durch eine ihnen gebührende Genossenschaft wird den Märtyrern ihr Begräbnis dort gegeben, wo täglich der Tod des Herrn gefeiert wird“ (hl. Augustinus – Serm. 221, n. 1 – inter serm. Suppositicios).

Der Altar soll hochgelegen sein, weil er ein mystischer Kalvarienberg ist. Dies gilt besonders für den Hauptaltar, zu dem mehrere Stufen hinaufführen sollen. Die Altarstufen – aus praktischen und symbolischen Gründen wünschenswert – kommen schon in früherer Zeit vor und sind seit dem 6. Jahrhundert allgemein üblich. Sie sollen auf drei Seiten besteigbar sein: Die oberste Altarstufe (das Fußbrett) soll eine solche Weite und Breite haben, daß der Priester bequem Kniebeugung machen kann. Für levitierte Ämter sind mehrere Stufen erforderlich, damit die hierarchische Rangordnung der Mitwirkenden auch durch den verschiedenen Standort des Zelebranten (in suppedaneo= auf der obersten Altarstufe), des Diakons (in gradu medio= auf der mittleren Altarstufe) und des Subdiakons (in plano= auf der Ebene) zum Ausdruck kommt.

Wenn eben möglich, soll der Altar, wie der Bau der Kirche, nach Osten gerichtet sein; denn von jeher war es Sitte bei den Christen, nach Osten hin zu beten, weil man in der aufgehenden Sonne im Osten ein Symbol für den auferstandenen Christus sah, den wahren Aufgang aus der Höhe und die Sonne der Gerechtigkeit.

„Die Welt kennt das Erbarmen meines Herzens nicht“

von P. Miguel Stegmaier


„Die Welt kennt das Erbarmen meines Herzens nicht“
(Der Heiland zu Josefa Menéndez RSC am 24. Febr. 1921)

Schwester Josefa war Laienschwester aus der Gesellschaft der Ordensfrauen vom Heiligsten Herzen Jesu. Geb. 1890 in Spanien. Im Jahre 1920 trat sie ins Kloster „Les Feuillants“ in Poitiers (Frankreich) ein. Dort war sie als Schneiderin tätig. Am 29. Dez. 1923 starb sie im Alter von 33 Jahren im Rufe der Heiligkeit.

1938 erlaubte S. Em. Eugenio Pacelli, Kardinalprotektor der Gesellschaft, die Veröffentlichung der Botschaft Jesu an Schwester Josefa für die Seelen. Im selben Jahr erschien zu Toulouse das Buch: „Un appell à l’amour“ (Die Liebe ruft).

Die wahre Liebe zeigt sich nicht in schönen Worten und auch nicht in zarten Gefühlen, sondern in der Tat. „Kindlein, lieben wir nicht mit dem Wort und nicht mit der Zunge, sondern in der Tat und Wahrheit“ (1 Joh. 3,18). Und wenn die Werke, in denen die Liebe sich betätigt, mit Opfer verbunden ist, dann strahlt sie im hellsten Glanz. Dionysios Areopagita sagt: „Die Liebe ist ein Kreislauf, der sich unaufhörlich vom Guten zum Guten wendet“ (Amor circulus est bonus a bono in bonum perpetuo revolutus; aus: De divinis nominibus 4, 712d.) Daher ist die höchste und zugleich ergreifendste Äußerung der Liebe die Opferliebe. Das Leben Jesu Christi ist der bedeutsamste Erweis der großmütigen Opferliebe. „…er liebte sie bis ans Ende“ – in finem dilexit eos.

Die erste Äußerung der Opferliebe unseres Herrn finden wir bei seiner Geburt in Bethlehem in einer armen Krippe. In Bethlehem finden wir ein Herz, das gekommen ist zu heilen „..deren Verstand verdunkelt ist, durch die Blindheit ihres Herzens“ (Eph. 4,18); zu heilen die Indifferenz der Herzen durch seine Lieblichkeit „..wird aus ihrem Leibe das Herz von Stein wegnehmen“ (Ez. 11,19); und wird heilen die menschliche Schwäche des Willens durch seine Kraft „..damit er eure Herzen kräftige“ (1 Thess. 3,13).

Und was ist das für ein Herz? Das barmherzigste Herz, das man nur finden kann, es ist das Heiligste Herz Jesu. Es liebt jeden Menschen, auch den Elendsten, sogar den Sündigsten, man könnte sagen, den Elendsten und Sündigsten besonders. Armseligkeit und Fehler bilden also kein Hindernis, sondern sind geradezu ein Grund mehr sich ihm zu nahen.

Dies ist das Geschenk, für das Gott in seiner unendlichen Barmherzigkeit von den Sündern erwartet, daß sie wahrhaft bereuen und bereit sind, sich zu ihm zu bekehren: „Herr, erweise Gutes den Guten und allen, die redlichen Herzens sind!“ (Ps. 124,4)

Sein Herz wartet mit liebender Ungeduld auf die Rückkehr der armen Verirrten. Es verspricht ihnen volle Verzeihung „denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; war verloren und wurde wiedergefunden“ (Lk. 15,24). Nicht die Sünde selbst verwundet mein Herz am meisten, sondern daß die Seelen sich nicht zu mir flüchten, nachdem sie sie begangen haben“ (zu Josefa, am 29. 08. 1922). So sucht Jesus den Sünder und wenn eine Seele vor ihrer Verirrung zurückschreckt, ist die Freude seines heiligsten Herzens übergroß, gleichwie als sei der herrlichste Sieg errungen oder ein ganzes Reich erobert, „denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnt, an seiner Seele aber Schaden leidet?“ (Matt. 16,26).

Das ist die Liebe des Heiligsten Herzens Jesu; während die Welt in Undankbarkeit gegen es verharrt, schenkt es ihr den größten Beweis der Liebe: „Eine größere Liebe hat niemand als die, daß er sein Leben hingibt für seine Freunde“ (Joh. 15,13). Am Vorabend seines Leidens und Sterbens setzte Jesus das Allerheiligste Altarssakrament ein; es ist das Sakrament der Liebe. „Jesu, ave, fax amoris dulcis recordatio, melos auris, favus oris, cordis jubilatio…“ – Sei gegrüßt, o Jesus, Herd der Liebe, süßer Gedanke, Musik für die Ohren, Honig für den Mund, Freude des Herzens (Ulrich v. Wessobrunn). Jesus läßt uns nicht als Waisen zurück. „Ich kann deinem Elend nicht länger widerstehen“ (zu Josefa, 14. 03.1921). Im heiligsten Altarssakrament bleibt er wahrhaft und wirklich und wesentlich bei uns alle Tage bis zum Ende der Zeiten. „So oft ihr dieses Brot esset und diesen Kelch trinket, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er wiederkommt“ (1 Kor. 11,26). In der Menschwerdung hat er sich entäußert bis zur Annahme der Kindsgestalt. Im Altarssakrament hat er sich entäußert bis zur Annahme der Brotsgestalt, alles aus Liebe zu uns: „Schön ist es, von der Welt hinweg in Gott unterzugehen, um in ihm neu aufzugehen…Ich habe keine Freude an vergänglicher Speise noch an den Genüssen dieser Welt. Jenes Gottesbrot begehre ich, das das Fleisch Jesu Christi ist, und als Trank begehre ich sein Blut, welches unvergängliche Liebe ist“ (Hl. Ignatius von Antiochien, Brief an die Römer). Ja, das Herz Jesu ist das liebevollste Herz!

Als Jesus sterbend am Kreuz in bitterer Qual und äußerster Verlassenheit rief: „Eloi, Eloi, lama sabachthani!“ (Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen! – Mk. 15,34), werden wir erinnert an die Stelle bei Jeremias: „..unsere Schmerzen hat er auf sich genommen“ (53,4), oder an das Wort aus den Klageliedern: „..seht, ob ein Schmerz dem meinen gleich ist“ (1,12). Und der innere Trost war ihm gänzlich entzogen. „Meine Seele will sich nicht trösten lassen“ (Ps. 76,3). Wohin er seinen Blick am Kreuz auch richten mochte, alles vermehrte ihm den Schmerz: Die Mutter unter dem Kreuz, die in Mitleid sein Herz verwundet; das Volk auf dem Berg, das ihn verspottet, der Vater im Himmel, der ihn zu verlassen scheint. So groß ist das Gefühl der Verlassenheit: „Sion sprach: Verlassen hat mich der Herr“ (Jes. 49,14). Und nach drei langen Stunden neigt er das Haupt und stirbt. „Eine größere Liebe hat niemand als die, daß er sein Leben hingibt für seine Freunde“ (s. o.).

Die Verehrung, die wir dem heiligsten Herzen schulden, ist Anbetung im wahren und eigentlichen Sinn, jene Anbetung, die Gott dem Herrn selbst und ihm allein gebührt. Nicht nur dem Herzen Jesu, indem man darunter die Hingabe an den göttlichen Willen und die Verwirklichung der göttlichen Liebe versteht, gebührt wahre Anbetung, sondern auch dem leiblichen Herzen und dem übersinnlichen Herzen, insofern es den gottmenschlichen Willen und seine Tätigkeit bedeutet, gebührt die höchste Verehrung und Anbetung.

Das heiligste Herz Jesu darf dabei freilich nicht als etwas für sich allein stehendes, von der Menschheit des Herrn, zu der es als Teil ja gehört, angesehen werden. Sondern es muß als mit der menschlichen Natur untrennbar verbundenes betrachtet und verehrt werden. Die menschliche Natur in Christus muß wiederum in ihrer Vereinigung mit der Gottheit des Sohnes gesehen werden, ohne die sie nie war und sein wird.

Wir beten auch die menschliche Natur Christi des Herrn deshalb an, weil sie durch das Geheimnis der Menschwerdung Gottes die Natur des Sohnes geworden ist und beten das Herz Jesu an, weil der Sohn Gottes durch hypostathische Vereinigung* dessen Inhaber geworden ist.

Die Gottheit wird wegen der ihr eigenen Größe und Erhabenheit angebetet, das Heiligste Herz Jesu aber wegen der göttlichen Vorzüge, die die Gottheit ihm verleiht. Indem wir in Christus auch seine menschliche Natur anbeten, können wir auch jeden Teil dieser Menschlichkeit verehren und anbeten, weil für jeden Teil derselbe Grund der Verehrung zulässig ist wie für das Ganze. Also beten wir das heiligste Herz mit Recht an.

Wenn wir dies tun, wird die Verheißung auch uns gelten: „Ich werde den Verehrern meines Herzens alle Gnaden geben, die sie in ihrem Stande brauchen“ (zur hl. Margareta Maria Alacoque).

„Herz Jesu flammend von Liebe zu mir, entflamme auch mein Herz von Liebe zu dir!“ (Hl. Alfons v. Liguori).

*Hypostatische Union :

Bezeichnet das kath. Dogma, nach dem in Christus die eine göttliche Person des Wortes die Trägerin und Inhaberin beider vollständigen Naturen der Gottheit und Menschheit ist. (Der große Herder, Band 6, Freiburg i. Breisg. 1933)

Maria Maienkönigin

von P. Marc Brüllingen


„Maria, Maienkönigin,
dich will der Mai begrüßen,
o segne ihn mit holdem Sinn
und uns zu deinen Füßen.
Maria, dir befehlen wir,
was grünt und blüht auf Erden;
o laß es eine Himmelszier
in Gottes Garten werden.“

Jetzt im Monat Mai finden wir in den katholischen Kirchen das Bild oder die Statue der Gottesmutter Maria ganz besonders geschmückt. Dies hat seinen Grund darin, dass wir den Monat Mai als „Marien-Monat“ begehen, der Monat also, welcher der Muttergottes geweiht ist und in dem wir Maria besondere Verehrung zukommen lassen.

Aber, so werden wir uns fragen, warum gerade der Monat Mai und kein anderer Monat, ist doch auch schon der Oktober Maria als „Rosenkranzkönigin“ geweiht.

Nun, dies hat seinen Grund darin, dass kein anderer Monat nach langen, dunklen Wintertagen so voller Sehnsucht und Hoffnung ist wie der Maimonat. In keinem Monat leuchtet das gerade sprießende Grün so intensiv. Die Freude und Erbauung über die hell erwachende, jungfräuliche Natur, über die Blütenpracht des Frühlings wird mit der Gottesmutter in Verbindung gebracht: Maria steht am Beginn des Heilswerkes Gottes und gebiert Christus, das Heil der Welt, nach dem sich die Menschen des Alten und Neuen Bundes sehnen. Aus diesem Grund hat die Kirche den Mai der Muttergottes geweiht, um uns auch auf diese Weise ihre Rolle als Miterlöserin kundzutun. So wie Ostern, das Fest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, ebenfalls im Frühling gefeiert wird, weil es eine Auferstehung zu neuem Leben ist, so ist in analoger Weise der Mai der Monat des Frühlings, der die eben erwachte Natur nach der Winterruhe zu neuem Leben erweckt, indem das Grün wieder erblüht.

Maria hat an diesem Erlösungswerke am Menschen entschiedenen Anteil, weil sie durch Ihre Zustimmung, Muttergottes zu werden unsere Erlösung mitbewirkt hat. Durch Marias einzigartige Stellung in der Heilsgeschichte Gottes ist sie „selig zu preisen von allen Geschlechtern“ (Lk 1,48). In der frühen Mariendichtung wird Maria als Mittelpunkt der menschlichen Teilhabe an der Erlösung hingestellt. Es werden besonders ihre Schönheit und Reinheit betont und verehrt. Und gerade diese Schönheit und Reinheit der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria kommt am deutlichsten im Monat Mai zum Ausdruck, in dem die Natur ihre ganze Fülle zeigt, ja eigentlich ein Abbild der Schönheit Marias darstellt und somit auf die Größe und Allmacht des himmlischen Vaters zurückzuführen ist. In der gesamten Schöpfung Gottes ist Maria das größte Werk Gottes, was die allerheiligste Dreifaltigkeit erschaffen hat. Deshalb ist es angemessen, der allerseligsten Jungfrau einen eigenen Monat zu weihen.

Der hl. Alphons Maria von Liguori, der den Redemptoristenorden gegründet hat und ein großer Marienverehrer gewesen ist, hat die Schönheit und Reinheit Mariens, d. i. die UNBEFLECKTE EMPFÄNGNIS, in seinem „Hymnus an die Unbefleckte“ auf folgende erhabene Weise ausgedrückt: „…Ich wünschte, die ganze Welt möchte dich kennen und preisen als das schöne Morgenrot, immer geschmückt mit dem göttlichen Licht, als die auserwählte Arche des Heiles, die vor dem allgemeinen Schiffbruch der Sünde bewahrt blieb, als jene vollkommene und unbefleckte Taube, für die dein göttlicher Bräutigam dich selbst erklärt hat, als den verschlossenen Garten, der der Lieblingsaufenthalt Gottes ist, als die versiegelte Quelle, zu der der böse Feind nie Eingang fand. Ich wünschte, die ganze Welt möchte dich kennen als jene weiße Lilie, die zwischen den Dornen, nämlich den Kindern Adams, wächst, die alle von der Sünde befleckt, in der Feindschaft Gottes geboren werden, während du allein ganz strahlend rein, ganz heilig, aufs innigste von deinem Schöpfer geliebt geboren wurdest…“. Wenn wir dieses Gebet des hl. Alphons lesen, dann wird uns klar die hohe Bedeutung Mariens als Maienkönigin vor Augen gestellt.

Jetzt in diesem Monat Mai können wir der Muttergottes ganz besondere Verehrung erweisen, in dem wir zu ihrer Ehre sog. Maiandachten halten, in denen wir die Vorzüge Mariens preisen. Der letzte Tag im Mai ist auch gleichzeitig der Höhepunkt und krönende Abschluß dieses schönen Monats: das Fest MARIA KÖNIGIN (31. Mai). In diesem Jahr ist es zudem ein schönes Ereignis, dass das Fest Maria Königin auf den Pfingstsonntag fällt. Das Fest Maria Königin können wir dadurch zwar nicht feiern, weil Pfingsten als höheres Fest den liturgischen Vorrang hat, doch steht die Gottesmutter auch in enger Beziehung zum Hl. Geist, da sie doch von der Mariologie als „Braut des Hl. Geistes“ bezeichnet wird.

Daher wollen wir Gott danken für sein erhabenes Schöpfungswerk, in dem er durch seine Kirche die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria zur Maienkönigin erhoben hat, der wir nun in diesem Monat Mai unsere besondere Verehrung erweisen wollen.

Ostern – Aufruf zu einer Entscheidung

von P. Andreas Fuisting


Die Frohbotschaft von der Auferstehung unseres Herrn und Gottes Jesus Christus ist das zentrale Geheimnis unseres Glaubens. Es ist uns klar, daß diese Botschaft für unser Leben weitreichende Folgerungen nach sich ziehen muß. Dazu müssen wir über sie nachdenken, sie betrachtend erwägen.

Mit der Trostlosigkeit der Kartage, die Jesus den Tod brachten, war die Hoffnung vieler mitbegraben worden. Da bricht die Nachricht herein: Er lebt, er ist nicht tot! Zuerst verkünden es Engel (das kennen wir schon), dann Frauen, dann Apostel. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich: Er lebt! Aus dem Evangelium erfahren wir, wie diese Nachricht immer greifbarere Formen annimmt dadurch, daß Christus selbst erscheint, sich berühren läßt, mit seinen Jüngern speist, um ihnen absolute Gewißheit werden zu lassen, daß er lebe.

Vor der Tatsache von der Auferstehung Jesu, vor dem Ostertag also, steht der Karfreitag und vor diesem die Sünde. In ihr geriet der Mensch in den Gegensatz zu Gott, in die Gottferne, weil der Mensch von Beginn an „Ja“ zu sich selbst gesagt hat und „Nein“ zu Gott. Die dadurch entstandene Kluft zwischen Gott und Mensch, die den Blick auf den Sinn des Lebens für den Menschen unmöglich gemacht hat, wird erst durch den Gehorsam Christi gegenüber dem Willen des Vaters überwunden. Das Heilshandeln des Sohnes findet seinen Abschluß in der Auferstehung, die auch eine Bestätigung der Erlösung des Menschen ist. Wäre Jesus nicht auferstanden, wäre alles umsonst gewesen, wäre er nur ein Mensch gewesen hätte sein Tod für uns nichts bewirken können. Gott aber konnte nicht im Tod bleiben. Indem Jesus von den Toten aufersteht vollendet er unsere Erlösung. Jesus lebt, damit wir leben, damit die Liebe, die in ihm da ist, auch im Menschen wieder wach wird, und ihn zu Gott zurückkehren läßt.

Diese Erkenntnis, daß uns Christus den Weg freigemacht hat, muß heißen: wir müssen ihn nun auch gehen. Uns ist nicht die Arbeit abgenommen. Einmal schon sind wir Christus nachgefolgt in der Taufe. In ihr feierten wir unser persönliches Ostern, unser persönliches Sterben und Auferstehen. Was die Taufe bewirkt hat, ist in jeder Stunde unseres Daseins umzusetzen: Der Sünde sterben und im neuen Leben wandeln. Ostern ist kein Fest fürs Gemüt, in dem bunte Eier und Hasen aus Schokolade die Hauptrolle spielen; sondern Aufruf zu einer Entscheidung. Sterben all dem, was ungeordnet ist, was Sünde, Egoismus, Selbstsucht heißt und das neue Leben blockiert. An der Stelle, an die Gottes Wille uns gestellt hat, soll nun die Liebe herrschen. Diese muß bestimmend für unser Handeln sein und nicht nur in Augenblicken geistiger oder emotionaler Hochstimmung gelebt werden. Dann überwänden wir Haß, Neid, Feindschaft und Gemeinheit nicht. Wir irren, wenn wir glaubten diese Liebe aus eigener Kraft aufbringen zu können; sie kommt von Ihm, der für uns gestorben ist, aber lebt. Das bedeutet Ostern!

Ich wünsche Ihnen von Herzen daß Sie, liebe Freunde, ganz zu der Liebe finden, die allein wirklich beglücken und befreien kann. Dazu erflehe ich für Sie den Segen des Auferstandenen.


Foto: Heike Hannah Lux

Gedanken zur Fastenzeit

von P. Miguel Stegmaier


O sacrum ieiunium! (O heilige Fasten)

„Was hilft es, den Leib durch Fasten mager werden zu lassen, wenn der Geist von Hoffahrt aufgebläht wird?“ (Hl. Hieronymus)

Wir Christen gehen mit dem Kirchenjahr durch die Zeit. Mit dem Kirchenjahr gehen heißt, wir gehen mit Christus, denn Christus lebt im Kirchenjahr; er ist der Herr der Zeit, das Ziel aller Zeit: Alpha und Omega. – Nach dem Frohsinn der Fastnacht treten wir ein durch das Tor des Aschermittwoch in die Fastenzeit. Und das bedeutet, daß wir nicht nur von Fasten reden, sondern auch in der Tat danach handeln müssen. Wir wollen an Ostern mit Christus auferstehen, aber vorher müssen wir in das Grab hinabsteigen, damit das Böse, die Sünde und der alte Adam in uns sterben können. Dann kann der neue Mensch Christus in uns auferstehen. Das ist nicht einfach, aber es gibt keinen anderen Weg. Und wenn wir das uns Unangenehme, das Negative überwinden können, sehen und erfahren wir das Christliche, das Licht, das über allem steht. Es geht nicht um Tod, sondern um Leben mit Christus als dem Licht der Welt.

Weihnachtslicht – Dreikönigslicht – Lichtmeßlicht – Osterlicht – das steht über allem.

Holz, Kohle und Öl werden in den Ofen geworfen und verbrennen, verzehren sich. Doch das genügt nicht. Aus dem Verzehren entsteht Wärme und Licht. Auch wir müssen uns verzehren, damit Besseres, Licht und Leben daraus entstehen können. Christus hat es uns vorgemacht, als geschlachtetes Opferlamm am Holz des Kreuzes und damit geboren als Licht für die ganze Welt. Ihm sollen und wollen wir in unserem Handeln nachfolgen.

Gott wird Mensch

von P. Andreas Fuisting


Liebe Gläubige, Freunde und Wohltäter,

Weihnachten ist das Fest der Menschwerdung Gottes. Das wissen wir alle. Aber ist uns auch bewußt, daß bereits die Urkirche ein so prägnantes Christusbekenntnis abgelegt hat, wie beim hl. Paulus zu lesen steht?: „Dieser ist (ihm) dem Fleische nach aus dem Geschlechte Davids geboren worden. Seinem heiligen Geiste nach aber war er vorherbestimmt zum Sohne Gottes…“ (Röm. 1, 2 u.3). Was hier niedergelegt ist heißt folgendes: Jesus gehört auf die Seite Gottes und auf die Seite des Menschen. Die Tatsache der wahren Menschheit Christi wird durch die Bezeichnung „Sohn Davids“ ausgedrückt.

Die junge Kirche versuchte ihre gläubige Überzeugung in ihren Schriften durch entsprechende Belege zu untermauern. Die Evangelienstelle Matthäus 1, 1-17 beschäftigt sich mit dem Stammbaum Josephs. Durch diesen Stammbaum, der mehr theologische Absichten verfolgt, als den Anspruch erheben darf, einer geschichtlichen Prüfung standzuhalten, wird „bewiesen“, daß Joseph ein Sohn Davids ist. Damit ist die Davidssohnschaft Jesu noch nicht geklärt.

Um nun eine Antwort zu geben auf die Frage „wie kann Jesus, der in Maria durch den Heiligen Geist Mensch geworden ist, Sohn Davids sein?“ greifen wir auf die Stelle des Matthäusevangeliums zurück, die an der Vigil von Weihnachten verkündet wird (Matth. 1, 18-21). Der Evangelist argumentiert dabei so wie folgendermaßen: Durch die Namengebung hat Joseph, der aus dem Geschlechte Davids stammt, den von seiner rechtmäßigen Frau geborenen Sohn als seinen Sohn rechtlich anerkannt. Dadurch wird Jesus zum Sohn Davids. Diese besondere Art der Davidssohnschaft des Messias ist im AT bereits durch den Propheten vorausverkündet (Mt. 1,23; Is. 7, 14). Gott selbst drängt dann Joseph durch den Engel dazu, Maria zur rechtmäßigen Frau zu nehmen und das in ihr durch den Heiligen Geist Gewordene als eigenes Kind anzuerkennen.

Das ist das große Geheimnis des Weihnachtsfestes: Gott wird wirklich Mensch. Er teilt das Menschliche mir uns, damit wir das Göttliche mit ihm teilen. Er tritt auf unsere Seite, um uns auf die Seite Gottes zu holen. Ich möchte mich, auch im Namen meiner Mitbrüder, bei Ihnen allen ganz, ganz herzlich für Ihre im vergangenen Jahr geleisteten Wohltaten bedanken, sei es Ihr Gebet, Ihre ehrenamtliche Mitarbeit oder Ihre finanzielle Unterstützung gewesen. Ich versichere Ihnen: Auf diese drei sind wir nach wie vor dringend angewiesen! Wir werden Sie auch weiterhin in jedes hl. Meßopfer mit einschließen. Bleiben Sie uns verbunden, wie wir es Ihnen sind durch den ankommenden Heiland der Welt.

In diesem Sinne: GESEGNETE WEIHNACHT!

Ihr P. A. Fuisting


Foto: Heike Hannah Lux

Die Armut des Herrn

Gedanken zum Advent

von P. Andreas Fuisting


Wer aus dem Heiligen Land zurückkehrt und dort die Heiligen Stätten besucht hat, berichtet häufig davon in welcher äußeren Einfachheit und Anspruchslosigkeit, ja Armut das Leben Jesu sich bewegt haben muß. Das Wort des hl. Paulus: „Christus hat sich selbst entäußert, hat Knechtsgestalt angenommen und ist den Menschen gleich geworden, und er hat sich erniedrigt“, findet hier seinen Widerhall.

Wenn wir zunächst an Nazareth denken, gerät Maria in unseren Blickwinkel. Künstler der Jahrhunderte haben all ihr Können aufgewandt, um die Ankündigung der Menschwerdung Christi durch den Erzengel Gabriel in aller Schönheit und mit allem Glanz darzustellen, damit die Einzigartigkeit und Größe dieses Geschehens ins Bewußtsein gebracht wird; was es bedeutet hat, als der Engel bei ihr eintrat und sagte: „Gegrüßet seist du, du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir!“

Die Wirklichkeit dahinter sieht, von außen betrachtet, jedoch anders aus: kein Reichtum und kein Glanz, keine prachtvollen Kleider und vornehmen Räume. Nazareth ein eher unbedeutender Ort: „Kann denn aus Nazareth etwas Gutes kommen“ hat es damals geheißen! Maria lebte in einer Art Haus wie alle anderen auch: vier Wände aus Lehm oder Ziegel und einem flachen Lehmdach darauf. Sie trug, wohl selbst hergestellte, bescheidene Leinenkleider wie alle anderen Frauen auch. Um an Wasser zu gelangen, mußte sie durch staubige Gassen gehen zur einzigen Quelle des Ortes. Und sie buk jeden Tag den Brotfladen für den Bedarf eines Tages, wie es damals üblich war. Nach außen änderte sich gar nichts in ihrem Leben, sie lebte den Alltag und legte sich abends auf eine ebenerdige Strohmatte, um vom Tagwerk auszuruhen; sie stellte sich nach wie vor in die letzte Reihe der Synagogenbesucher, die für Frauen bestimmt war. So lebte diese Heilige von Nazareth bescheiden, anspruchslos, ja, an unseren heutigen Verhältnissen gemessen, mehr als arm.

In Bethlehem war das nicht anders. Es ist verständlich und auch richtig, daß die Darstellungen der Geburt des Herrn meistens idyllisch – romantisch ausfallen. Nur sollte uns klar sein: mit der Wirklichkeit hat das wenig zu tun. Manchmal liest man von einer Grotte; sagen wir lieber Stall. Oder Krippe? Es war wohl ein Steintrog. Alles zusammen war es eine sehr bescheidene Zuflucht für Hirten und deren Schafe. Die Niedrigkeit der Umstände seiner Geburt setzen sich im Leben Jesu fort, sonst hätte er nicht gesagt: „Die Füchse haben ihre Höhlen, die Vögel des Himmels ihre Nester; der Menschensohn hat nichts, wohin er sein Haupt legen könnte“ (Mt. 8,20).

Überhaupt der ganze Lebensraum des Herrn. Kargheit wohin man blickt: Die trostlose Wüste, in der Christus vierzig Tage und vierzig Nächte hindurch fastete und die er wiederholt durchwandert hat. Den kargen Boden, der mehr Steine zeigt als alles andere. Die große Hitze und das dadurch selten anzutreffende kostbare Wasser; alles mußte zu Fuß geschehen; daß er am Palmsonntag von einem Esel getragen wurde, bildete eine Ausnahme. So hat Jesus sein Wort an sich selbst erfüllt: „Sie sollten weder Beutel noch Tasche noch Schuhe mitnehmen“ (Lk. 10,4). Wie anspruchslos sich der Alltag des Herrn abgespielt haben muß können wir an folgender Geschichte ermessen: als der Steuereinnehmer die Tempelsteuer von ihm verlangte, mußte er Petrus an den See schicken, daß er einen Fisch fange – und beim ersten Fisch, den er gefangen hätte, würde er im Maul eine Vierdrachmenmünze finden; er mußte also seine göttliche Allwissenheit zu Hilfe nehmen, um seiner Verpflichtung nachkommen zu können. Das war das Erdenleben Jesu, uns Menschen gleich geworden – auch und gerade in der Erniedrigung.

Nun könnte jemand sagen: wenn Christus so einfach und anspruchslos gelebt hat, dann hat er sich eben von den Menschen der damaligen Zeit, die ebenso gelebt haben nicht unterschieden. Die Verhältnisse waren nun einmal so! Anders gesagt: Er hätte die Zeit seines Wirkens in einem anderen Jahrhundert ansetzten können. Oder er hätte, wenn es schon damals hätte sein sollen, seine Heimat im Bereich der griechisch – römischen Kultur wählen können; in einer gehobenen Familie, in vielleicht anspruchsvoller Umgebung; in einem Land mit günstiger klimatischer Umgebung. Nein! Christus hat das harte, einfache, anspruchsvolle geradezu arme Leben in Palästina mit den schwierigen politischen und sozialen Verhältnissen ganz bewußt und freiwillig gewählt.

Sollten nicht auch wir etwas in uns lebendig machen von einer Gesinnung bewußter und freiwilliger Einfachheit und Bescheidenheit des Lebens?

Nun möge niemand denken es solle damit die Freude an einem schönen Weihnachten unterdrückt werden. Die Freude an schönen Dingen, die Freude an Geschenken, die man vielleicht bekommt, oder die Freude, andere beschenken zu können. Denn so sehr sich alle, bis auf wenige Ausnahmen, darüber im klaren sind, die übertriebenen Erscheinungen dieser Wochen abzulehnen, so hat das, was die politische Linke gerne vorschnell mit „Luxus“ verwechselt auch seine Berechtigung. Denn wie viele verdienen ihren Lebensunterhalt dadurch, daß es Menschen gibt die Geld ausgeben können. Darum geht es also nicht! Es geht darum, daß wir uns innerlich die Freiheit bewahren gegenüber Besitz und Eigentum. Daß wir das Herz nicht daran verlieren. Daß wir nicht meinen darin bestünde das Glück des Lebens. Und daß wir es leicht nehmen, wenn das Leben uns manches versagt.

Schaffen wir uns also freiwillig einen Bezirk, in dem wir bewußt auf dieses oder jenes verzichten. Denken wir dabei, um diesen Verzicht noch wertvoller zu machen, an die stetig zunehmende Zahl der Abertausenden von Armen. Die sich bereits in den Anfängen herausbildende Weltwirtschaftskrise schädigt am stärksten die, die sowieso nichts haben. Wohl dem, der ein weites Herz hat!

Nun gehen wir hinein in den heiligen Advent. Möchten uns die Adventskerzen von Woche zu Woche heller und leuchtender zu erkennen geben: Seht, welche Liebe uns der Heiland in seiner Erniedrigung erwiesen hat!