Der hl. Joseph

Bräutigam der allerseligsten Jungfrau Maria, Schutzpatron der Kirche (19. März)
von P. Marc Brüllingen


Am 19. März feiert die hl. Katholische Kirche das Fest eines Heiligen, dessen Verehrung weit verbreitet ist und dessen Fürbitte und Beistand inständig angerufen wird – das Fest des hl. Joseph.

Die Vielzahl der Heiligen mit Namen Joseph gehen alle auf den Pflegevater Jesu zurück. Joseph heißt in der Übersetzung aus dem Hebräischen „der Vermehrer“. Er ist der Heilige des schweigenden Gehorsams und der gewissenhaften Pflichterfüllung. Als mächtiger Fürbitter und Helfer in allen Nöten wurde er zum Schutzpatron der ganzen Kirche (seit 1870) wie der einzelnen Familie und vor allem auch des werktätigen Volkes.

Die früheste Erwähnung des hl. Joseph findet sich im Martyrologium von Reichenau um 850. Seit dem 9. Jahrhundert nahm seine liturgische und volkstümliche Verehrung immer mehr zu. Sie wurde besonders gefördert von Seiten der Franziskaner, durch den hl. Bernhard von Clairvaux, die hl. Theresia von Avila und den hl. Franz von Sales. 1479 führte der Franziskanerpapst Sixtus IV. Sein Fest in der Kirche ein, 1621 wurde der Josephstag gebotener Feiertag, 1729 kam sein Name in die Allerheiligenlitanei, seit 1919 gibt es die Josephspräfation. Ein Vergleich mit dem römischen Kalender zeigt die alte Feier des Festes der Minerva, der Göttin der Handwerker, am 19. März. Papst Pius XII. Führte 1956 das am 1. Mai zu feiernde Missalefest des hl. Joseph „des Werkmannes“ für die Weltkirche ein, auf daß „der 1. Mai sozusagen die christliche Weihe empfange und nicht einer Einladung an die moderne Gesellschaft, das zu vollbringen, was dem sozialen Frieden noch fehlt…“

In der Heiligen Schrift finden wir nur wenig über Joseph! Sie sagt daß er „gerecht“ war (Matth. 1,9), d.h., daß Joseph ein reiner, tugendhafter und heiliger Mann war. Wir kennen die Geschichte des Zimmermanns aus Nazareth. Die Braut war Maria, die Mutter Jesu. Joseph stammte aus dem Geschlechte König Davids, doch war er selbst nur ein einfacher und bescheidener Handwerker. Der scheinbare Gegensatz von äußerer Bedeutungslosigkeit und höchstem inneren Adel zeichnete Joseph aus und ließ ihn zum Vorbild für viele Heilige werden. Wie tief erschreckt muß dieser fromme Mann gewesen sein, als er erfuhr, daß seine reine Braut Maria sich Mutter fühlte, wußte er doch zunächst noch nicht, daß sie durch die Kraft des Heiligen Geistes den Sohn Gottes, den Heiland der Welt, empfangen hatte. Er befand sich in der größten Unruhe. Da er von Maria nichts Arges denken und sie nicht ins Gerede bringen wollte, gedachte er sie heimlich zu entlassen. Aber nicht lange ließ Gott ihn in dieser Unruhe. Jetzt erscheint ihm Gottes Engel zum erstenmal, sagt ihm die Wahrheit und bedeutet ihm, daß er sie zu sich nehmen solle. Joseph gehorcht: mit großer Ehrfurcht und Liebe führt er Maria als seine Ehefrau in sein Haus und wird ihr Beschützer und der Nährvater des Erlösers.

Als der Erlaß des Kaisers Augustus erging, alle Völker seines Reiches sollten aufgeschrieben und gezählt werden, gehorcht Joseph, obgleich er zu diesem Zwecke eine beschwerliche Reise machen muß, die mit Kosten und Opfern verbunden war. Er gehorcht ebenfalls, als mitten in der nacht der Engel befiehlt: „Joseph steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten!“ – Es kommt keine Frage, kein Wort der Auflehnung von seinen Lippen. Immerhin wußte er ja, daß es ein göttliches Kind war und hätte denken können, daß Gott dieses Kind vor Herodes bewahren würde. Aber er stand auf, verließ alles und gehorchte. Zwei Jahre später in Ägypten erscheint ihm der Engel wiederum und befiehlt ihm: „Joseph zieh zurück in das Land Israel. Sie sind alle gestorben, die dem Kinde nach dem Leben trachteten.“ – Und noch einmal muß Joseph alles verlassen, was er sich in dem fremden Lande neu aufgebaut hat, wiederum gehorcht er schweigend und klaglos und unternimmt die weite Reise in die Heimat, wie ihm geboten wurde. Joseph hat das öffentliche Auftreten Jesu und seine Passion anscheinend nicht mehr erlebt, da später von ihm in den Evangelien nicht die Rede ist.

Darstellung: Jesuskind tragend, Stab mit Lilienblüte in der Hand, mit Zimmermannswerkzeugen oder Wanderstab.

(nach: Erna und Hans Melchers, Das große Buch der Heiligen, Geschichte und Legende im Jahreslauf, Bearbeitung – Carlo Melchers, Südwest Verlag München, 9. Auflage 1986)


Bild: Ikone des hl. Joseph | Foto: Heike Hannah Lux

Die Vorfastenzeit

Septuagesima, Sexagesima, Quinquagesima
von P. Marc Brüllingen


confessional, cross, priest, religionMit dem Sonntag Septuagesima beginnt die sogenannte Vorfastenzeit. Die Vorfastenzeit verbindet sozusagen das Ende der Weihnachtszeit mit dem Beginn der Fastenzeit, welche mit dem Aschermittwoch beginnt. Die Namen der Sonntage Septuagesima (=70), Sexagesima (=60) und Quinquagesima (=50) bezeichnen nicht die genauen Abstände bis zum Osterfest, sondern sind aufgerundet.

Schon die Vorfastenzeit deutet auf den Ernst der eigentlichen 40tägigen Fastenzeit hin. Dies wird schon durch das Tragen des violetten Meßgewandes deutlich. Ebenso verstummt der „Alleluia-Ruf“ (bis zur Feier der Osternacht) und wird durch den Tractus ersetzt, der auf das Graduale (=Gesänge zwischen Lesung und Evangelium) folgt. Jedoch ist sie noch nicht so ernst wie die eigentliche Fastenzeit, da noch die Orgel erklingen darf und Blumen den Altar schmücken. Sie ist vielmehr eine behutsame Hinführung zur Fastenzeit, die uns an den Zweck der Menschwerdung Christi erinnern soll.

Der Sinn der Vorfastenzeit kommt sehr treffend im Evangelium von Septuagesima zum Ausdruck – das Gleichnis vom Hausvater, der ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg zu dingen. Denn hier geht es um die Mitwirkung am eigenen Seelenheil, und jeder ist dazu aufgerufen, daran mitzuwirken, in den Weinberg des Herrn einzutreten, um für seine Arbeit, seine Bemühungen dann den Lohn zu erhalten. Im Gleichnis ist es der Tageslohn am Abend, in unserem Leben ist es der ewige Lohn am Ende unseres Lebens, wenn wir von Gott für unsere Anstrengungen um das Heil der Seele mit dem ewigen Leben belohnt werden.

Bemühen wir uns somit, daß auch wir zu denjenigen gehören, die sich in diesem Leben auf Erden angestrengt haben, um von Christus am Lebensabend den einen Denar zu erhalten, d.h. in die ewige Glückseligkeit einzugehen. Wer in diesem irdischen Leben sich mit Christus und für Christus anstrengt, der wird in der Ewigkeit auch dafür belohnt werden.


Bild: Fotolia – ID 31611819

Zum Fest Epiphanie – Erscheinung des Herrn

(6. Januar)
von P. Marc Brüllingen


„Wir haben Seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, Ihn anzubeten.“

Am 6. Januar feiert die Kirche das Fest der Erscheinung des Herrn (griechisch: EPIPHANIE).

Während am hohen und heiligen Weihnachtsfest (25. Dezember) die stille Geburt Jesu Christi gefeiert wird, begeht die katholische Kirche am Fest Epiphanie das Fest des öffentlichen Bekanntwerdens des neugeborenen Königs, sozusagen das zweite Hochfest in der Weihnachtszeit, das altchristliche Christkönigsfest. Die ganze Welt soll die Geburt des neuen Königs erfahren.

Die Liturgie der Kirche feiert am Fest Epiphanie drei Offenbarungen:

  1. die Anbetung und Huldigung Christi durch die Weisen aus dem Morgenland

  2. die feierliche Verkündigung des himmlischen Vaters bei der Taufe Christi (Fest: 13. Januar)

  3. das erste öffentliche Wunder bei der Hochzeit zu Kana, um seine Herrschermacht zu offenbaren
    (Evangelium am 2. Sonntag nach Epiphanie)

Der Tag der Erscheinung des Herrn ist jedoch nicht nur ein Königsfest, sondern zugleich auch ein Vermählungsfest, da Christus sich mit seiner Braut, der heiligen Kirche vermählt.

Ebenso vermählt Christus sich mit uns, weil wir in den Weisen, die am heutigen Festtag kommen, um Christus, den König anzubeten und ihm ihre Geschenke darzubringen, die ersten Vertreter aus der Heidenwelt erblicken. Christus ist den Heiden erschienen (daher: epiphanein=erscheinen), um zu zeigen , daß auch sie durch ihn erlöst worden sind. Epiphanie ist somit auch das Fest der Berufung der Heiden.

Wir sind folglich auch dazu aufgerufen, Christus, dem König, entgegenzugehen, ihn anzubeten, so wie es die Weisen getan haben. Anstelle von Gold, Weihrauch und Myrrhe sollen wir Ihm uns selbst schenken mit Leib und Seele. Wir sollen unserem König angehören, ihm nachfolgen und ihm allein dienen. Wie die Weisen sollen wir uns auf den Weg machen, um Gott zu suchen, nach ihm zu fragen und ihn zu finden. Die Weisen sind vor allem daher ein schönes Vorbild des Sich-Mühe-Gebens bei der Suche nach Gott, keine Ruhe zu haben, bis man ihn endlich gefunden hat und dann ebenso diese große Freude zu haben, ihn anzubeten und ihm zu huldigen.


Foto: Heike Hannah Lux

Die heilige Lucia – Märtyrin in Syrakus

(13. Dezember)
P. Marc Brüllingen


Steht aber nicht am Lucientag über unseren Dörfern und Städten schon der Stern von Bethlehem? Nur noch zwölf Nächte trennen uns von dem Wunder der Menschwerdung Gottes; diese „heiligen zwölf Nächte“ sollen uns nicht schrecken, sondern alt und jung hinführen zur Krippe des Gottessohnes. Nur noch zwölf Nächte – das kündet uns der Lucientag. So hat auch Sankt Lucia selbst des Tages geharrt, an dem sie ihren Gott von Angesicht zu Angesicht schauen durfte. Sie starb als eines der letzten Opfer der römischen Verfolgungszeit. Eine Innschrift aus der Giovanni-Katakombe in Syrakus sichert ihre historische Existenz und erwähnt schon um das Jahr 400 ihr Fest. Als die nordischen Eroberer das Reich der Cäsaren zertraten, ging auch das Gedächtnis der Märtyrin Lucia unter. Erst Jahrhunderte später entsann man sich wieder ihres Namens, und die sinnende Legende wußte zu erzählen, was weder Stein noch Urkunde aufbewahrt hatten:

Sankt Lucia pilgerte mit ihrer Mutter Euthicia, die am Blutfluß litt, zum Grabe der heiligen Agatha nach Catania, rief fromm die große Heilige an und ward von ihr erhört. Voll Freude über die wiedererlangte Gesundheit gab ihr die Mutter die Erlaubnis, ihre Mitgift an die Armen der Stadt zu verschenken. Das erzürnte den Bräutigam wider sie, und er ging hin und klagte seine Braut Lucia bei dem Richter Paschasius an, sie sei eine Christin und des Todes schuldig. Paschasius befahl, Lucia ins Haus der Schande zu bringen; doch konnten tausend Leute sie so wenig von der Stelle bringen wie ein Joch Ochsen, das die Knechte anspannten. Auch Feuer und siedendes Pech taten ihr nichts zuleide. Während Paschasius in großer Verlegenheit dastand, wie er die Jungfrau vom Leben zum Tode bringen könne, sprang einer von seinen Freunden herzu und stieß Sankt Lucia den Dolch bis zum Heft in die Kehle. Sie lebte noch, bis sie den Leib des Herrn empfangen.

Die Legende will auch wisen, daß sie vor dem Tode ihre Augen, die ihr Bräutigam immer gepriesen, ihm als Dank für seinen Helferdienst zu Gott übersandt habe; denn sie schaute jetzt mit den Augen des Geistes. Mit den Augen des Geistes sollten auch wir diese Umdichtung streng vom schlichten Martertod unterscheiden.

Die heilige Lucia ist die Schutzheilige von Syrakus; ferner der Blinden, Bauern, reuigen Dirnen, Glaser, Kutscher, Näherinnen u. a. Im Dom von Syrakus, jener eindrucksvollen Basilika, die in einen antiken Tempel eingebaut ist, ist ihr eine Kapelle geweiht. Dort steht eine gekrönte Silberstatue der Heiligen mit Palmzweig und Öllämpchen. Oft sieht man sie aber auch mit einer Schüssel dargestellt, auf der zwei Augen liegen.

(nach: Hans Hümmeler, Helden und Heilige, 1964; Verlag Haus Michaelsberg, Siegburg; und: Erna und Hans Melchers, Das große Buch der Heiligen – Geschichte und Legende im Jahreslauf; Bearbeitung: Carlo Melchers; Südwest Verlag München, 8. Auflage 1985)

Der heilige Andreas Avellinus

(Fest: 10. November)
von P. Marc Brüllingen


* 1521 in Castronuovo, + 10. 11. 1608 in Neapel

Als Jüngling schon ein Bild auffallender Schönheit, leidenschaftlich und klug, hätte Lancelot Avellinus nicht im üppigen, sinnenfrohen Zeitalter der Renaissance leben dürfen, um nicht aller Augen auf sich zu ziehen. Mehr als einmal erging es ihm wie dem ägyptischen Joseph im Hause Potiphars; aber der Gedanke an seine inniggeliebte Mutter, eine Frau von seltener Tugend, bewahrte ihn vor dem Fall. Gern floh er aus den heißen Straßen seiner Vaterstadt Castronuovo hinaus aufs Land, sammelte dort die Kinder um sich und lehrte sie die Lauretanische Litanei, die ihm das schönste aller Gebete schien. Eine Verleumdung, als habe er die Tochter einer angesehenen Familie verführt, und die Racheschwüre der beleidigten Sippe trieben ihn nach Neapel. Wieder erneuerten sich die Versuchungen. Um vor den Liebesabenteuern vornehmer Damen Ruhe zu haben, mußte der junge Student sehr häufig seine Wohnung wechseln. Die Gelüste des eigenen Blutes bezähmte er durch anstrengende Arbeit und genaue Tageseinteilung. So errang er schon früh und mit Auszeichnung den Doktorhut in den Rechtswissenschaften.

Den Würden und Reichtümern des Diesseits war er nicht abgeneigt, und wenn er sich nach dem Abschluß seiner Studien zum Priester weihen ließ, so stand die Hoffnung auf ein geachtetes und bequemes Leben mittels einer guten Pfründe dabei nicht an letzter Stelle. Wozu das Priestertum in Wirklichkeit verpflichtet, das erfuhr er erst durch die vertraute Freundschaft mit seinem heiligmäßigen Beichtvater Peter Foscarenus aus dem Theatinerorden. Lancelot Avellinus kam ins Nachdenken; eine trübe Erfahrung vor Gericht sollte ihm den entscheidenden Anstoß zur Umkehr geben. Aus Eitelkeit und Ehrgeiz machte er auch als Priester gern den Anwalt bei irgendwelchen Rechtshändeln seiner Freunde. Dabei geschah es ihm eines Tages, daß er wider Recht und bessere Erkenntnis mit falschen Beweismitteln auftrat, nur um den Prozeß nicht zu verlieren. Von Gewissensängsten gequält, schwor er sich, niemals mehr eines Laienamtes zu walten, und wurde fortan ein Priester, den ganz Neapel wegen seines frommen Wandels achtete.

Deshalb vertraute ihm auch der Erzbischof die schwere, undankbare Aufgabe an, ein zuchtloses Frauenkloster zu reformieren. Die Helfershelfer der aufsässigen Nonnen aber überfielen ihn und verwundeten ihn schwer. Mit knapper Not rettete er sich in das Theatinerkloster. Kaum genesen, bat er kniefällig um Aufnahme in die strenge Genossenschaft, begann mit sechsunddreißig Jahren noch das Noviziat und nahm statt des romanhaften Ritternamens Lancelot den Namen Andreas an. Der Märtyrer des Kreuzes sollte sein besonderer Patron sein.

Mit einer heiligen Rücksichtslosigkeit kreuzigte er nun sich selbst, aber je mehr er der Eigenliebe abstarb und je gewissenhafter er der Regel folgte, um so tiefer drang er in die Weisheit Gottes ein, so daß viele Kardinäle und auch der heilige Karl Borromäus sich bei ihm Rat holten. Lange Zeit freilich sandte ihm Gott die Prüfung der Seelennacht; solange sie andauerte, ordnete er sich wie ein Kind den Weisungen derer unter, die bisher seine erleuchtete Kunst der Seelenführung bewundert hatten. Oder der Satan beängstigte und quälte ihn mit groben Mißhandlungen, konnte ihn aber nicht abschrecken, bis in sein hohes Greisenalter mit Anspannung aller Kräfte durch Gründung von Theatinerklöstern, Predigt und geistliche Übungen für die Erneuerung des verweltlichten Klerus aus dem Geiste des Urchristentums tätig zu sein. In seinem achtundachtzigsten Lebensjahr verschied er am 10. November 1608, eben im Begriff, das heilige Opfer darzubringen, an den Stufen des Altares mit dem dreimal wiederholten: „Introibo ad altare dei“ – „Zum Altare Gottes will ich treten …“.

Der heilige Andreas Avellinus wird als Patron gegen einen plötzlichen Tod verehrt.

(nach: Hans Hümmeler, Helden und Heilige, 1964; Verlag Haus Michaelsberg, Siegburg)

Das Fest der Mutterschaft der allerseligsten Jungfrau Maria

von P. Marc Brüllingen


ma03aDas Fest der Mutterschaft Mariä wurde im Jahre 1931 von Papst Pius XI. (1922-1939) feierlich eingeführt und auf den 11. Oktober festgelegt. Anlaß für dieses Fest war die 1500. Jahresfeier der Dogmatisierung der Gottesmutterschaft Mariens, die im Jahre 431 feierlich auf dem Konzil von Ephesus verkündet wurde.

Bei der Verkündigung des Dogmas lehrte das Konzil von Ephesus, daß „der Emmanuel (=Jesus Christus) wahrhaft Gott und deshalb die hl. Jungfrau Gottesgebärerin ist“. Hintergrund für die Dogmatisierung war die Irrlehre des Nestorius, der sog. Nestorianismus.

Nestorius, ein Syrer von Geburt, erhielt seine theologische Ausbildung in Antiochien, wo er Mönch und Priester war und wegen seiner Beredsamkeit großes Ansehen erlangte. Im Jahre 428 wurde er durch kaiserliche Huld Patriarch von Konstantinopel und erregte bald darauf durch seine Predigten, die beim Volk auf heftigen Widerspruch stießen, großes Aufsehen.

Er predigte gegen den Titel der „Gottesgebärerin“. Maria sei nur „Menschengebärerin“ oder besser „Christusgebärerin“, da sie den Menschen gebar, mit dem der göttliche Logos innig vereint war, in dem er wie in seinem Tempel wohnte. Nestorius lehrte also eine Zweiheit der Personen in Christus, d.h. in Christus seien nicht nur zwei Naturen, nämlich die göttliche und die menschliche Natur, sondern auch zwei Personen, die göttliche und die menschliche Person!

Das Dogma von der hypostatischen Union lehrt jedoch, daß die beiden Naturen in Christus, die göttliche und die menschliche, in einer Person und zwar in der zweiten göttlichen Person vereinigt sind (= hypostatische Union).

Gegen Nestorius trat der hl. Cyrill von Alexandrien (Fest am 9. Februar) auf, der in einem Schreiben den Titel theotókos (=Gottesgebärerin) verteidigte und Papst Cölestin I. um eine Entscheidung ersuchte. Cölestin I. gab Cyrill daraufhin uneingeschränkte Vollmacht zur Erledigung der Angelegenheit.

Inzwischen hatte Kaiser Theodosius II. für Pfingsten 431 ein allgemeines Konzil nach Ephesus einberufen, um die Frage zu klären. Bischof Johannes von Antiochien verzögerte absichtlich seine Ankunft, weil er ein Freund des Nestorius war. Mit 16-tägiger Verspätung eröffnete Cyrill – trotz des Einspruchs des Vertreters des Kaisers – am 22. Juni das Konzil, auf dem er die beherrschende Persönlichkeit war. Nestorius war zwar in Ephesus, erschien aber nicht auf dem Konzil. Vier Tage später erschienen die Antiochener und zeigten sich verletzt, da man nicht auf sie gewartet und ohne sie eine Entscheidung gefällt hatte. Begünstigt vom kaiserlichen Vertreter hielten sie ein Gegenkonzil unter Johannes von Antiochien ab, das die Lehre Cyrills verurteilte und ihn absetzte. Noch später erschienen die päpstlichen Legaten, die sich gleich auf die Seite von Cyrill stellten. Auch Johannes von Antiochien wurde exkommuniziert.

Beide Parteien wandten sich nun an den Kaiser, der zuerst beide Absetzungen bestätigte, dann aber die Rechtmäßigkeit der Absetzung des Nestorius anerkannte. Dieser wurde in ein Kloster verbannt. Nachträgliche Verhandlungen führten 433 zu einer Einigung zwischen Cyrill und den Orientalen, die vom Papst mit Freude begrüßt wurde.

Das Konzil von Ephesus (431) setzte Nestorius ab und folgte der Lehre des hl. Cyrill von Alexandrien, die darauf hin zielte, daß Christus nicht nur einer, sondern eins ist, ein Wesen, d.h. das zwei Naturen in einer Person vereinigt sind (= hypostatische Union).

So kam es also zur Dogmatisierung der „Gottesmutterschaft“ Mariens auf dem Konzil von Ephesus, daß Maria im wahren und eigentlichen Sinn Mutter Gottes ist. Dieser Satz besagt selbstverständlich nicht, daß Maria ihrem Sohn die göttliche Natur mitgeteilt hat, sondern daß ihr Sohn Gott ist. Maria hat nicht eine menschliche Natur geboren, sondern eine Person, nämlich den Gottsohn. Die Mutterschaft bezieht sich auf die Person. Nur wenn Maria einen Menschen geboren hätte, der erst später Sohn Gottes geworden wäre, wäre die Bezeichnung Gottesmutter falsch.

Die Gottesmutterschaft ist eine unverdiente Gnade. Maria konnte sie nicht verdienen, denn die Inkarnation (= Menschwerdung) ist das Prinzip aller Verdienste. Maria übertrifft alle geschaffenen Personen an Würde. Sie ist als Gottesmutter in ein einzigartiges Verhältnis zu Gott getreten. Sie hat Gott selbst die menschliche Natur geschenkt und ist seiner Menschheit nach mit ihm blutsverwandt.

Aufgrund der Erhabenheit dieses Dogmas von der Gottesmutterschaft Mariens hat Papst Pius XI. anläßlich der 1500-Jahrfeier der Dogmatisierung das Fest der Mutterschaft der allerseligsten Jungfrau Maria eingeführt.

Unser Herr Jesus Christus hat, als er sterbend am Kreuz hing, seine Mutter auch uns zur Mutter gegeben. Daher dürfen wir Maria als unsere Mutter verehren und in jeglichen Anliegen um ihren Schutz und ihre Fürbitte anrufen. Danken wir ihr täglich dafür.


Foto: Heike Hannah Lux

Der Erzengel Michael

von P. Miguel Stegmaier


Leben und Sterben des Menschen sind ständig umlauert vom Engel der Nacht. Sie sind auch bewacht vom Engel, der den Drachen besiegte. Die Kirche feiert zweimal jährlich ein Fest zu Ehren des Erzengels Michael, das Hauptfest am 29. September; das Fest seiner Erscheinung auf dem Berg Gargano am 8. Mai. Sie bittet ihn auch bei jeder heiligen Messe im Confiteor („Ich bekenne“), als den Vertreter der ganzen Engelwelt, daß er zusammen mit den Heiligen für uns Sünder bitte. Beim feierlichen Hochamt bietet sie ihm als dem großen Anbeter Gottes auch die Weihrauchschale an: „Auf die Fürsprache des heiligen Erzengels Michael, der zur Rechten des Rauchopferaltares stand, und all Seiner Auserwählten möge der Herr diesen Weihrauch segnen und als lieblichen Wohlgeruch annehmen. Durch Christus unsern Herrn.“ (Römisches Missale, Offertorium). Die Kirche hält in unserer vom Teufel umdrohten Zeit auch am zusätzlichen Gebete nach der heiligen Messe zum Erzengel Michael fest.

Mit ihr falten wir die Hände und bitten wider alle Teufel, die unser Leben und Sterben bedrohen, zum machtvollen Engel:

 „HEILIGER ERZENGEL MICHAEL, BESCHÜTZE UNS IM KAMPFE! BEHÜTE UNS GEGEN DIE NACHSTELLUNGEN DES BÖSEN FEINDES! IHM MÖGE GOTT GEBIETEN, SO FLEHEN WIR INSTÄNDIG!

DU ABER, FÜRST DER HIMMLISCHEN HEERSCHAREN, WOLLEST DEN SATAN UND ALLE ANDERN BÖSEN GEISTER, DIE ZUM VERDERBEN DER SEELEN IN DER WELT UMHERGEHEN, MIT GOTTES KRAFT IN DIE HÖLLE HINABSTOSSEN. AMEN.“

(Otto Hophan, Die Engel, Luzern, 1956)


Bild: Koptische Ikone | Foto: Heike Hannah Lux

Die Überreichung des Rosenkranzes an den hl. Dominikus

von P. Miguel Stegmaier


„Du bist als Frau so groß und giltst so viel
daß, wer nach Gnade dürstend dich nicht anruft,
umsonst zu fliegen suchte, ohne Flügel.“
(Dante, Die göttliche Komödie, XXXIII, 13 – 15)

Im Anfang des 13. Jahrhunderts waren die religiöse und politische Verhältnisse in nördlichem Italien, Spanien und südlichen Frankreich überaus dekadent. Eine neue Sekte von Häretikern blühte in Languedoc (eine große Provinz im Süden Frankreichs), bekannte als Albigenser oder Katharer. Der fromme und kluge Papst Innozenz III. schickte Bischöfe, Prälaten und Priester nach Südfrankreich, um die zerstreute Herde der Gläubigen zu sammeln und zu suchen, was verloren war. Unter diesen Missionaren war der hl. Dominikus aus Spanien. Er war ein Förderer und Verbreiter des Rosenkranzgebetes, deswegen ist ihm der allergrößten Wahrscheinlichkeit nach die Einführung des Rosenkranzgebetes zu Ehren der Allerseligsten Jungfrau Maria zuzuschreiben.

Er war ein Mensch des intensiven Gebetes; täglich während der Nacht kniete er vor dem Bilde Mariens und flehte mit Bitten, mit Tränen, mit strengen Bußen ihre Mutterliebe um Erbarmen gegen das verirrte Volk an. Nach einer Legende und Tradition der Kirche im Jahr 1208 erschien ihm die Muttergottes, während des Gebets in der Kirche „Notre Dame de Prouille“ und tröstete ihn liebreich und sprach: „Dein Werk wird gelingen, halte nur die Leute mehr zum Beten an und erkläre ihnen die Glaubenslehre in recht einfacher, leicht verständlicher Sprache“; sie lehrte ihm angeblich den Psalter oder den großen Rosenkranz in 15 Gesetzlein mit 15 Betrachtungen über das Leben, Leiden und die Verherrlichung Jesu und seiner Mutter, ihm zu sagen, diese Waffe zu verwenden, um die Albigenser zu besiegen. Dank dieses Gebetes finden nach wie vor viele Sünder zum katholischen Glauben und rezitieren es, um Fürsprache zu erbitten und Gnade zu empfangen. Selbst die betrogenen Irrgläubigen (sog. Albigenser oder Katharer) verließen zum größten Teile das Irrtum und kehrten in den Schoß der katholischen Kirche zurück.

Ihre weltliche Macht wurde im Jahre 1213 in der blutigen Schlacht bei Muret (Garonne) durch den tapferen Grafen Simon IV von Montfort vernichtet. Unmittelbar nach dieser Schlacht errichteten die Bewohner von Muret in ihrer dem hl. Jakobus geweihten Kirche eine Kapelle und zierten dieselbe mit einem Muttergottesbild. Darauf erblickte man zur Linken der Muttergottes den Bischof Fulco von Toulouse und Simon von Montfort, während zu ihrer Rechten der hl. Dominikus kniet, der in seiner rechten Hand ein von Pfeilen durchbohrtes Kruzifix hält und mit der Linken den von Maria dargereichten Rosenkranz empfängt.

Dies ist der Ursprung des hl. Rosenkranzes, den wir heute noch unverändert besitzen und beten. Er stammt vom Himmel, er ist ein Geschenk unserer Mutter Maria; er ist beglaubigt durch seine übernatürliche Kraft, Wunden zu heilen, Trost zu verbreiten, mit Freude zu beglücken. Darum in jeder Mariens Erscheinung empfiehlt sie ihren Kindern dieses teure Gebet zum Lobpreis, zur Danksagung und für die Bitte um die Stützung und die Gnade Jesu. Endlich, im Rosenkranzgebet erweist der Betende Gott und der Gottesmutter seine Ehre.

Weihnachten

von P. Marc Brüllingen


Keiner hat das hehre Geheimnis der Menschwerdung Gottes, das wir an diesem Tage feiern, so tief erfaßt und so ergreifend ausgesprochen, wie der hl. Evangelist Johannes, der im Evangelium der dritten Weihnachtsmesse spricht: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt! Und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, wie die des Eingeborenen vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit!“

Jeden Tag betet der Priester im Auftrag der Kirche zum Schluß der hl. Messe dieses erhebende Bekenntnis, im „letzten Evangelium“, womit der hl. Johannes das seinige beginnt. Und um seine Ehrfurcht vor dem Geheimnis zu bekunden, das in diesen wenigen Worten zum Ausdruck kommt, beugt der Priester dabei das Knie und mit ihm die versammelten Gläubigen.

An keinem Tag des Jahres kommt es uns aber auch so lebendig zum Bewußtsein, was es heißen will: Gott unter den Menschen, dieses unaussprechlich erhabene und himmlische Geheimnis unseres hl. Glaubens, als heute, am Geburtsfest des Sohnes Gottes, des himmlischen Königs, wo die seligen Geister gesungen haben: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind (Gloria in excelsis Deo)!“

Gleich den Hirten, die freudigen Herzens bei der Kunde, die sie aus dem Engelsmund vernahmen, sich auf den Weg gemacht haben, in hoffnungsvoller Erwartung dessen, was der Herr ihnen offenbaren wollte, dürfen auch wir uns ihre Worte zu eigen machen: „Laßt uns nach Bethlehem eilen und sehen, was der Herr uns kundgetan hat!“ Denn es ist ein wahres Wunder, was wir da schauen!

Ein Wunder der göttlichen Allmacht. Nun sehen wir die erfüllt brennende Begierde der Patriarchen, die Weissagungen der Propheten von dem, der da kommen sollte zum Heil der Welt, gestillt die Sehnsucht der Völker nach dem verheißenen Erlöser, erfüllt, was der hl. Erzengel Gabriel zu Maria, der reinen Jungfrau, gesprochen hatte: „Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären, und seinen Namen sollst du Jesus nennen! Dieser wird groß sein und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden. Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben und herrschen wird er über das Haus Jakob ewiglich, und seines Reiches wird kein Ende sein!“

Der eingeborene Sohn Gottes hat den Schoß seines himmlischen Vaters verlassen, ist herabgestiegen vom Thron seiner Herrlichkeit, „empfangen vom Hl. Geist, geboren aus Maria der Jungfrau“, wie wir es im Credo (Glaubensbekenntnis) bekennen. Dieses Kind, das in der Krippe liegt, das nichts sein eigen nennt, als armselige Windeln, ist der starke, allmächtige Gott, dessen Machtwort alles, was da ist, ins Dasein gerufen hat. So klein, schwach und hilflos dieses Kind uns auch erscheint – es ist der große, unendliche Gott, der das unermeßliche Weltall wie einen Spielball in seinen Händen wiegt.

Denn, was unser Auge nicht sieht, das sagt uns unser lebendiger Glaube: Es ist niemand anders, als unser Emmanuel, unser Messias (Erlöser/Gesalbter). Christus, vor dessen Majestät die Cherubim und Seraphim in heiliger Scheu ihr Antlitz verhüllen, will mitten unter uns sein! Was können wir da anderes tun, als voller Liebe und Demut uns niederzuknien, vor ihm, der unser Gott und Heiland ist, und in den Jubelruf der Kirche einstimmen: Christus ist uns geboren! Kommt, lasset uns ihn anbeten!

Es ist ein Wunder der göttlichen Gerechtigkeit. Sehen wir an der Krippe nicht das Wort des Propheten bewahrheitet: „Gott selbst wird kommen, uns zu erlösen!“ Ja, Gott selbst ist gekommen, die unendliche Schuld abzutragen, die auf der Menschheit gelastet hat von Adam her, er selber, um der göttlichen Gerechtigkeit genugzutun.

Aber es ist auch ein Wunder der göttlichen Liebe. Das dürfen wir nicht vergessen. Denn nur die Liebe ist es, die Gott auf die Erde herabziehen konnte, um als kleines, armes schwaches, unschuldiges Kind unter uns Menschen zu erscheinen. Er ist gekommen, unser Friedensfürst, nicht um mit Waffengewalt die abtrünnige Welt wieder unter sein Zepter zu zwingen, nicht um irdische Reiche, sondern die Menschenherzen zu erobern durch die Allgewalt seiner Liebe, in den Menschenseelen seinen Thron aufzuschlagen!

Deshalb offenbart er sich uns Menschen als kleines, unschuldiges Kind, um auf diese Weise unsere Herzen zu erobern und mitzureißen. Hier beim göttlichen Kind, das so armselig in einem Stall außerhalb von Bethlehem geboren wird, das uns Menschen so sehr geliebt hat, lernt auch der Mensch wieder den Menschen zu lieben.


Foto: Heike Hannah Lux

Fegefeuer (Purgatorium)

von P. Miguel Stegmaier


„Ist er auch als Sünder gestorben… so sollst du ihm doch so viel als möglich zu Hilfe kommen, nicht mit Tränen, sondern mit Gebet und Flehen, mit Almosen und Opfern.“ (hl. Johannes Chrysostomus, hom. 41. in ep. I Cor. 4. 5.)

1. Was ist das?

„Nach katholischer Glaubenslehre verstehen wir unter Fegfeuer den Vorgang der sittlichen Läuterung, in der die Seelen der Gerechten des Eintritts in das Himmelreich würdig werden (Offb. 21, 27), wenn sie entweder mit läßlichen Sünden aus diesem Leben geschieden sind oder noch zeitliche Strafe für ihre schon vergebenen Sünden abzubüßen haben“ (Cfr. C. Gröber, Handbuch der religiösen Gegenwartsfragen, Freiburg i.B. 1940, S.292)

Das Fegfeuer ist nach katholischer Lehre nicht so sehr ein Ort, als vielmehr ein Zustand der Läuterung, in dem die Seelen der Verstorbenen, die im Stand der Gnade gestorben sind, aber noch lässliche Sünden oder zeitliche Sündenstrafen abzubüßen haben. Es ist ein Zustand der Strafe und Läuterung bis zur vollen Reinheit und damit zum Eintritt in den Himmel. Das Strafleiden besteht hauptsächlich im Ausschluss von der Anschauung Gottes. Es ist ein Schmerz der Seele; Sehnsucht und Heimweh nach Gott.

2. Die Lehre vom Fegfeuer ist kirchlicher Glaubenssatz, Dogma. Die Kirche, die sehr wohl um die große Verantwortung gegenüber der Lehre Christi und auch für die Gläubigen weiß, hat immer daran festgehalten. Sie hat den Satz Luthers verworfen (Cfr. Konzil von Trient, sess. 25: decretum de purgatorio, 3. Dez.1563): „Das Fegfeuer kann nicht aus der Schrift bewiesen werden.“

Die Kirche stützt sich dabei vor allem auf folgende Schriftzeugen:

A) 1 Makk 12, 40-46 – „Judas der Makkabäer und seine Leute wandten sich zum Gebet und flehten, dass die begangenen Sünden (Götzendienst der Gefallenen) gänzlich vergeben werden möchten. Dann veranstaltete er seine Sammlung unter seinen Leuten und brachte 2000 Drachmen Silber zusammen. Diese sandte er nach Jerusalem, damit ein Sündopfer dargebracht würde, damit sie von ihren Sünden erlöst würden. Ein heiliger und frommer Gedanke. Das war eine sehr schöne und edle Handlung, weil er an die Auferstehung dachte.“

B) 1 Kor. 3, 11-15 – „…Er wird gerettet, jedoch nur wie durch Feuer…“ – Aus dem Feuer der Hölle aber wird niemand gerettet.

C) Matth. 5, 25 und Lk. 12, 58 ff. – In einer Gleichnisrede spricht der Herr von einem Gefängnis, aus dem niemand herauskommt, bevor die Schuld bis auf den letzten Heller bezahlt ist: „Verzeihe…, sonst könntest du in den Kerker geworfen werden. Ich sage dir, du kommst dort nicht heraus, bis du den letzten Heller bezahlt hast.“ – Also ist dort noch eine „Abzahlung“, eine Tilgung möglich.

D) Matth. 12, 32 – Christus selbst spricht: „Wer gegen den Heiligen Geist sündigt, findet keine Vergebung, weder in dieser noch in der zukünftigen Welt.“ – Also kann auch in der zukünftigen Welt noch Sünde nachgelassen oder vergeben werden. Es gibt also eine dritte, wenn auch zeitlich beschränkte Möglichkeit.

3. Haupträger der Fegfeuerlehre ist die Überlieferung und die Kirchenväter.

a) Clemens von Alexandrien (vor † 215): Er nimmt mit Plato an, daß die Strafen Gottes nur zur Läuterung dienen. Plato sagte: „Wer Strafe erleidet, erfährt eine Wohltat“ (Paed 1, 8). Dieses Wort wendet Clemens aber nicht ausdrücklich auf die Höllenstrafe an.

b) Tertullian († 220): Er kennt einen Zustand des Sühneleidens nach dem Tode. Mit Ausnahme der Märtyrer bleiben die Verstorbenen bis zum Tage des Herrn in der Unterwelt und erleiden dort Peinen (supplicia) aus denen sie durch fürbittendes Gebet der Lebenden in das refrigerium geführt werden. Er bezeugt schon die Gewohnheit, für die Verstorbenen Fürbittgebete und Gaben darzubringen, vor allem das heilige Messopfer. (Cfr. An 51, 58; Resurr 43; Monog 10, usw.)

c) Origenes († 255): Er hält an der Existenz des Fegfeuers fest. Ein Hauptpunkt der Origeneslehre war die Wiederherstellung aller Seelen: bzw. die Seelen derer, die auf Erden gesündigt haben, kommen nach dem Tode in ein Läuterungsfeuer; aber allmählich steigen alle, auch die Teufel, von Stufe zu Stufe höher und werden schließlich ganz gereinigt in ätherischen Leibern auferstehen, die den jetzigen nur an Gestalt gleichen, nicht dem Stoffe nach identisch sind, und Gott ist wieder alles in allen. Jedoch diese Wiederherstellung bedeutet nicht das Weltende, sondern nur einen vorläufigen Abschluß. (Cfr. Über die Purgatio (Reinigung) durch Christus im Jenseits [Fegfeuer] wird in HomLev 8, 5 behandelt)

d) Cyprian von Karthago († 258): Wie die alte Kirche allgemein, so glaubte auch Cyprian, daß die Märtyrer sofort in die Anschauung Gottes eingehen; die übrigen aber müssen nach dem Tode noch der Verzeihung harren und im Kerker warten, bis der letzte Heller bezahlt ist (Ep 55, 20). Er kennt also eine Reinigung nach dem Tode.

e) Ephräm der Syrer († 373): In seinem Testament bittet er: „Sind 30 Tage nach meinem Tode verflossen, so bringet für mich das heilige Opfer dar; denn es wird den Toten geholfen durch die Opfer, welche die Lebenden darbringen“ (EP 741)

f) Cyrill von Jerusalem († 386): Er wiederlegt diejenigen, welche meinen, daß denen, welche als Sünder gestorben sind, die Fürbitte nichts nützen könne, durch ein Gleichnis. Ein König vergibt auch seinen schuldigen und verbannten Untertanen auf die Fürbitte der Angehörigen derselben; wir bringen für die verstorbenen Sünder und für unsere eigenen Sünden das geschlachtete Opferlamm dar, um ihn uns und ihnen gnädig zu stimmen: Wir bringen Christus, der für unsere Sünden sich geopfert hat, für die verstorbenen Sünder und für unsere eigenen Sünden den liebevollen Gott dar.

g) Ambrosius von Mailand († 397): Er läßt seine Trauerreden in Fürbitten für die Toten ausklingen und bringt für sie das eucharistische Opfer dar (vgl. auch Ep 39). Der Tod sei ein Gut (ExcFratr 2) und „alle müssen durch das Flammenmeer hindurchgehen, und mag es Johannes sein“ (Ps 118), die Gerechten wie Israel durch das Rote Meer (Ps 38), die Ungläubigen wie Pharao: für sie wird es „ultor ignis“ (das strafende Feuer) von ewiger Dauer (Ps 36); den endgültigen Spruch erfahren Gerechte und Ungläubige formell beim Endgericht, auch die dritte Klasse, die Sünder, die wieder in zwei Gruppen unterschieden werden, je nachdem gute oder böse Werke überwiegen. Die zweite Gruppe erleidet das Schicksal der Ungläubigen (Ep 2); für die erste Gruppe werden die Flammen zum Reinigungsfeuer, dem dann das Paradies folgt (Ps 1).

h) Johannes Chrysostomos (†407): „Bringen wir ihnen Hilfe und halten wir ein Gedächtnis an sie. Wenn doch die Söhne Jobs durch das von ihrem Vater dargebrachte Opfer geläutert wurden1, wie sollten wir dann daran zweifeln, daß unsere Opfergaben für die Toten ihnen Trost bringen? Zögern wir nicht, den Verstorbenen Hilfe zu bringen und unsere Gebete für sie aufzuopfern.“ (Hom. In 1 Cor. 41, 5)

i) Augustinus († 430): Er berichtet, dass seine Mutter Monika in einem Gespräch den Wunsch äußerte: „Begrabet meinen Leib, wo ihr wollet; nur darum bitte ich euch, daß ihr am Altare des Herrn stets meiner gedenket.“ (Bekenntnisse)

j) Caesarius von Arles: Er schreibt: „Es mag vielleicht jemand sagen. Ich bekümmere mich wenig um die Zeit, die ich im Fegfeuer zubringen werde, wenn ich nur zum ewigen Leben gelange. Allein Gott gefällt eine solche Denkart nicht. Alle Qualen dieses Lebens können mit jenen des Reinigungsortes nicht in Vergleich gesetzt werden. Und wer weiß denn, wie viele Tage, Monate, Jahre er dort bleiben muß? Man würde sich fürchten, eine lange Zeit in der verzehrenden Flamme zu sein?“

k) Gregor der Große († 604): „Man muß glauben, daß es vor dem Gericht für gewisse leichte Sünden noch ein Reinigungsfeuer gibt, weil die ewige Wahrheit sagt, daß wenn jemand wider den Heiligen Geist lästert, ihm ‚weder in dieser noch in der zukünftigen Welt‘ vergeben wird (Mt 12, 32). Aus diesem Ausspruch geht hervor, daß einige Sünden in dieser, andere in jener Welt nachgelassen werden können.“ (Dial. 4, 39)

l) Thomas von Aquin († 1275): Der größte Theologe begründet das Fegfeuer.

Alle diese großen Theologen wollten doch rechtgläubige und schrifttreue Christen sein.

Seit dem Jahr 1000 gibt es ein allgemeines Fest: Allerseelen.

1. Die theologische Vernunft fordert ein Fegfeuer, denn: „nichts Unreines kann in den Himmel eingehen“ (Weisheit 7, 25; Isaias 35, 8). Wer aber ist ganz rein von jeglichem Makel? Es ist aber ungerecht, für kleines Vergehen die Höllenstrafe zu fordern. Also bleibt nur ein Zwischenzustand der Läuterung und Vorbereitung auf den Himmel, das Fegfeuer. Das ist sehr tröstlich: „Tröstet miteinander mit diesen Worten.“

2. Auch die Liturgie und Gebetspraxis der Kirche bezeugt eindeutig den Glauben an das Fegfeuer. Seit den frühesten Zeiten betet sie für die Verstorbenen und kommt ihnen zu Hilfe durch Gebet, vor allem durch das Messopfer, durch Opfer und Werke.

Schon in den Katakomben finden wir viele Hinweise; z.B.: „Betet für Emilia!“ – usw. Der hl. Johannes Chrysostomos z.B. beruft sich sehr triftig auf die Anordnung der Apostel, welche in der Liturgie für die Verstorbenen zu beten vorschreiben: eine Übung, die doch nicht nutzlos sein könne. „Die Apostel wußten recht wohl, daß den Abgeschiedenen daraus großer Nutzen zufließt. Wenn nämlich das gesamte Volk mit aufgehobenen Händen dasteht mit der ganzen Schar der Priester und das schauererregende Opfer auf dem Altare liegt: wie sollten wir da nicht durch unsere Bitten für sie das Herz Gottes erweichen. Deshalb beten wir voll Zuversicht für die ganze Welt und gedenken der Verstorbenen neben den Märtyrern, neben den Bekennern und Priestern. Denn wir alle machen ja nur einen Leib aus, wiewohl ein Glied vorzüglicher ist als das andere, und es ist möglich, daß wir durch die Gebete und Opfer und durch die Fürbitte derjenigen, deren Namen wir mit den übrigen nennen, ihnen volle Verzeihung erlangen“ (hom. 41. In ep. I Cor. 4. 5.).

Häufig werden auf den Grabschriften der Katakomben die Seelen der Verstorbenen den heiligen Märtyrern empfohlen. So schon auf zwei Epitaphien des III. Jahrh. Auf dem Grabe des zweijährigen Knaben Paulus heißt es: „In pacem te suscipian(t) omnium ispirita sanctorum“ (In Frieden empfangen [begrüßen] dich alle Seelen der Aller Heiligen).

Die Grabinschriften sind überhaupt die ältesten Dokumente für die Fürbitte für die Abgeschiedenen, sie liefern also sozusagen einen monumentalen Beweis. Aus der Katakombe der Priscilla, aus dem 2. Jahrh., finden wir die schöne Akklamation „Pax tecum“, „Pax tibi“ (Friede sei mit dir) und die noch deutlichere Grabschrift: ho kýrios metà soû (Dominus tecum, der Herrist/sei mit dir), und ein Fragment: „Spir(itus tuus) requiescat [in Deo] (Dein Geist ruhe in Gott).

1. Auch psychologisch ist es sehr angemessen und erwünscht, dass man lieben Menschen auch nach dem Tode noch etwas Gutes tun kann: die Mutter dem Kind, das Kind der Mutter. Wenn die helfende Liebe das erste Gebot ist, dann wäre es doch unangemessen, wenn hier gar keine Möglichkeit mehr gegeben wäre, diese Liebe zu üben und dem anderen zu helfen.

Zudem soll doch auch der Mensch alles tun, was er kann, um das Böse wieder gutzumachen. Schon dem Kind verzeihen die Eltern zwar, verlangen aber irgendeine zumutbare Gutmachung.

Wenn Gott nicht ähnlich handelt, dann könnte es so scheinen, als ob die Sünde weiter nicht von Bedeutung wäre, oder als ob Gott sie gar nicht so ernst nähme. Das passt aber nicht zu seinem Kreuz. Man würde auch die menschliche Verantwortung nicht ernst genug nehmen, wenn es doch ziemlich egal wäre, ob man viel und schwer sündigt oder nicht, da ja Gott am Ende sowieso alles erledigt. Dadurch wäre der Mensch entwürdigt, denn es drängt den sittlich normalen Menschen, auch selbst wieder gutzumachen, soviel er kann, Genugtuung zu leisten, um so auch seine Reue und seinen guten Willen zu zeigen. Dabei weiß der Christ sehr wohl, dass er niemals von sich aus „genug tun“ kann. Je unsicherer und problematischer einem das Fegfeuer erscheint, desto mehr bemühe er sich, dass er es nicht braucht, sondern heilig und makellos gleich in den Himmel eingehen kann.

2. Verzerrungen der Fegfeuerlehre sind abzulehnen und streng zu meiden. Ein Aufrechnen von Schuld und Strafe ist uns verwehrt. Das ist allein Gottes Sache. Es ist auch völlig verfehlt, über die Dauer des Fegfeuers für den einzelnen eine Zeitberechnung anzustellen, denn Ewigkeit ist nicht Zeit

Ebenso unsinnig wäre es, berechnen zu wollen, wie viele heilige Messen oder Ablässe oder Rosenkränze usw. jemand noch braucht, bis er aus dem Fegfeuer erlöst wird, zumal alle unsere Hilfen immer nur in Gottes Hand gelegt werden können, damit er sie wirksam werden lässt, wem und wie er will. Vor allem aber ist es freventlich, das Fegfeuer bzw. die armen Seelen als Auskunftsbüro über Dinge im Jenseits zu missbrauchen.

Es ist zwar durchaus möglich und viele bezeugen solche Tatsachen glaubwürdig (Cfr. Mein Verkehr mit Armen Seelen, Maria Anna Lindmayr O.C.D. Oder die Visionen von hl. Katharina von Siena, usw.), dass Gott einzelnen Verstorbenen erlaubt, mit Angehörigen irgendwie in Beziehung zu treten – warum auch nicht? – aber das sind ganz private Dinge, und angebliche Auskünfte der armen Seelen sind mit größter Vorsicht zu betrachten.

Und wenn jemand unsere Fürbitte gar nicht mehr nötig hat, weil er nicht mehr im Fegfeuer ist? Dann wird Gott unsere Liebestat sicher gütig aufnehmen und wirksam werden lassen.

„Wie lange das Fegfeuer dauert, nach welchen Regeln die Dauer von Gott festgesetzt wird, ist uns völlig unbekannt; denn die Zeitbestimmungen, welche in den Offenbarungen und Fegfeuergeschichten mitgeteilt werden, entbehren der nötigen dogmatischen Sicherheit, um von der Glaubenswissenschaft verwertet, oder auch nur von den Gläubigen zur Richtschnur ihres Verhaltens gemacht werden zu können. Unbegreiflich ist, wie Domingo de Soto, O.Pr. (spanischer Philosoph und Dogmatiker, um 1500, † 1542) und Juan Maldonado, S.J. (spanischer Exeget, 1534, † 1583) behaupten konnten, keine Strafe des Fegfeuers dauere über 10 Jahre. Diese Meinung wurde „implizite“ verurteilt durch die Zensur, welche Papst Alexander VII. (1655-1667) über den falschen Satz der Jansenisten: „Annum legatum pro anima relictum non durat plus quam per Decem annos“ aussprach (Der jährliche Legat, der für die Seele nachgelassen worden ist, dauert nicht länger als zehn Jahre) [Omnes damnatae et prohibitae ut minimum tamquam scandalosae, diese Ansichten sind mindestens als skandalös verurteilt und verboten worden] (D. 1014)